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Glossar

Arbeit

Am Anfang der I. Bands des Kapitals bringt Marx[+] mit dem Begriff für Arbeit[+] Muskelkraft und Nervenleistung in Verbindung.

Der Augenschein lehrt ferner, daß in unsrer kapitalistischen Gesellschaft, je nach der wechselnden Richtung der Arbeitsnachfrage[+], eine gegebene Portion menschlicher Arbeit[+] abwechselnd in der Form von Schneiderei oder in der Form von Weberei zugeführt wird. Dieser Formwechsel der Arbeit[+] mag nicht ohne Friktion abgehn, aber er muß gehn. Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen[+] Charakter der Arbeit[+], so bleibt das an ihr, daß sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft[+] ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn beide menschliche Arbeit[+]. Es sind nur zwei verschiedne Formen, menschliche Arbeitskraft[+] zu verausgaben. Allerdings muß die menschliche Arbeitskraft[+] selbst mehr oder minder entwickelt sein, um in dieser oder jener Form verausgabt zu werden. Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit[+] schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit[+] überhaupt.
Um eine physikalisch korrekte Definition der Arbeit[+] in der Wirtschaft zu erhalten, werden zwei unterschiedliche, ineinander überführbare Definitionen von physikalischer Arbeit[+] $W$ hinzugezogen. Die erste Definition basiert auf der Kraft: \begin{eqnarray} W&=&\int\limits_\text{Weg}F(r)\,d r\\ \text{Arbeit}&=&\text{Kraft integriert über den Weg}, \end{eqnarray} wobei $r$ ein Raumpunkt oder in einer Dimension eine Wegkoordinate ist. Die zweite Definition basiert auf der Leistung $P$: \begin{eqnarray} W&=&\int\limits_\text{Dauer} P(t)\,d t\\ &=&\text{Leistung integriert über die Zeit} \end{eqnarray}

Zusammenfassend also

Arbeit[+] ist Kraft integriert über einen Weg oder Leistung integriert über die Zeit[+].
Der Unterschied des physikalischen und des wirtschaftswissenschaftlich-soziologischen Arbeitsbegriffes[+] ist die Unterscheidung zwischen real und nominal.

Joseph Schumpeter[+] bringt in Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[+] mit dem Arbeitsbegriff[+] die Bodenleistung in Verbindung, was eine Brücke schlägt in die Biologie, denn der Begriff 'Bodenleistung' ist eng verwandt mit dem Begriff der Leistung des Stoffwechsels. Diese Übertragung motiviert eine in der vorliegenden Arbeit[+] ebenso verwendete Definition der Arbeit[+] als äußeren Stoffwechsel[+], der vom eigentlichen (biologischen) inneren Stoffwechsel[+] abhängt und damit eng verknüpft ist.

Menschliche Arbeit[+] erzeugt und betreibt den makroökonomischen Stoffwechsel.

Um den Arbeitsbegriff[+] anschließen zu können an die Formulierung, dass der positive Zins[+] immer aus irgendeiner Form von Arbeit[+] entsteht, knüpfe ich an den höchst schwierig zu quantifizierenden Begriff der Nervenleistung an und definiere auch Einsparungsleistungen im Sinne von Steigerungen der Effektivität von Prozessen, also Innovations-, Nachdenk- oder Rationalisierungsleistungen (integriert über die Zeit[+] des Nachdenkens) als Arbeit[+].

Die allgemeinste Definition von Arbeit[+] ist Stoffwechsel[+].

Geldfunktionen

Zins und Negativzins

Als Zins[+] wird nicht nur der Geldzins, also die Leihgebühr für Geld bezeichnet, sondern alle Leih- und Nutzungsgebühren, die reiner Gewinn des Eigentümers[+] im Verkauf von Verfügungsrechten[+] an Sachen an einen Besitzer[+] sind, also der Gewinnanteil an der Miete, an Pacht, Lizenz- und sonstigen Nutzungsbühren (siehe Umverteilungskern).

Zentral für das Verständnis des Zinses[+] ist die Unterscheidung von Eigentum[+] und Besitz[+].

Ein negativer nomialer Zins[+] wird als Negativzins bezeichnet. Ein Negativzins von 7% beispielsweise entspricht einem Zins[+] von -7%.

Als natürlicher Negativzins wird in der vorliegenden Arbeit[+] das mit dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik[+] verknüpfte Phänomen des „Zahns der Zeit[+]” benannt. Dahinter steckt das uns allen bekannte Phänomen der Alterung, der Abnutzung und des Verschleißens, der Dissipation, der Diffusion, der Oxidation, des Gammelns, Rottens, Schimmelns. In der Betriebswirtschaftslehre[+] heißt das Phänomen Abschreibung, Abnutzung oder Alterswertminderung.

Synonyme für Negativzins

Verfügungsrechte

In der Theorie der Verfügungsrechte werden im Verhältnis zu Sachen die folgenden 4 elementaren (herrschaftlichen) Verfügungsrechte[+] das ius vendendi, das ius usus, das ius usus fructus und das ius abusus voneinander unterschieden, von denen zwei bis drei von einem Eigentümer[+] (der oberste Beherrscher der Sache) durch einen Leihvertrag auf einen zeitweiligen Besitzer[+] (den Nutzer der Sache) gegen die Zahlung eines Zinses[+] übertragbar sind.

Produktion

Die Produktion ist nach Schumpeter[+] in Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[+] die Kombination von Dingen und Kräften.

Finanzwirtschaft und Realwirtschaft

Zur Finanzwirtschaft zählen alle Unternehmungen, deren Erträge aus dem Verkauf von Verfügungsrechten[+] an Sachen erzielt werden. Die Produkte der Finanzwirtschaft sind also Besitz[+] und Nutzungsrechte, Zur Realwirtschaft zählen dementsprechend alle Unternehmungen, deren Produkte durch Verkauf den Eigentümer[+] wechseln.

Joseph Schumpeter[+] definiert in Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[+] als theoretische Strukturen seiner Beschreibung in diesem Zusammenhang einen statischen Kreislaufprozess, dessen Zentrum und Bahnen räumlich, zeitlich und sozial feststehen und im Gegensatz dazu einen Prozess dem er die Dynamik, also die Veränderung der Zirkulationsbahnen und -zentren zuschreibt. Da der statische Teilprozess ohne Finanzierung auskommt, kann die Finanzwirtschaft als wesentlicher Treiber und Ursache[+] der Dynamik der Wirtschaft eingeordnet werden und der laufende Betrieb der Realwirtschaft als das Statische der Wirtschaft.

Aufgrund ihrer maßgeblich die Werteordnung bestimmenden Eigenschaft nenne ich die Finanzwirtschaft auch Nominalwirtschaft[+], auch um sie in einen klaren Gegensatz zur Realwirtschaft zu setzen.

Unternehmer, Unternehmung, Unternehmen, Betriebe und Wirte

Zu den zentralen Begriffen jeglicher soziologischen Theorie der Wirtschaft zählen die Begriffe des Unternehmers, der Unternehmung und der Unternehmen. Namhafte Autoren haben sich dazu geäußert und defininiert, was darunter zu verstehen ist.

Max Weber[+] definiert in Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus[+][1, S. 4] die (kapitalistische) Unternehmung wie folgt:

Ein »kapitalistischer« Wirtschaftsakt soll uns heißen zunächst ein solcher, der auf Erwartung von Gewinn durch Ausnützung von Tausch-Chancen ruht: auf (formell) friedlichen Erwerbschancen also. Der (formell und aktuell) gewaltsame Erwerb folgt seinen besonderen Gesetzen und es ist nicht zweckmäßig (so wenig man es jemand verbieten kann) ihn mit dem (letztlich) an Tauschgewinn-Chancen orientierten Handeln unter die gleiche Kategorie zu stellen. Wo kapitalistischer Erwerb rational erstrebt wird, da ist das entsprechende Handeln orientiert an Kapitalrechnung. Das heißt: es ist eingeordnet in eine planmäßige Verwendung von sachlichen oder persönlichen Nutzleistungen als Erwerbsmittel derart: daß der bilanzmäßig errechnete Schlußertrag der Einzelunternehmung an geldwertem Güterbesitz (oder der periodisch bilanzmäßig errechnete Schätzungswert des geldwerten Güterbesitzes eines kontinuierlichen Unternehmungsbetriebs) beim Rechnungsabschluß das »Kapital«: d. h. den bilanzmäßigen Schätzungswert der für den Erwerb durch Tausch verwendeten sachlichen Erwerbsmittel übersteigen (bei der Dauerunternehmung also: immer wieder übersteigen) soll.
und benennt im Folgenden wesentliche Bedingungen zur Entwicklung dieser sozialen Organisationsform: Kapitalrechnung, rationale Buchführung, exakte Kalkulation, Rationlität in Organisation und Führungsethos, laufende Überprüfung der Zweckm[+]äßigkeit (Marktbeobachtung), technische Verwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Joseph Schumpeter[+] definiert in Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[+] hingegen Unternehmer der als ein Veränderer des statischen Dauerbetriebs der Wirtschaft wirkt und also als Träger und Repräsentant der Dynamik. Schumpeter[+] schreibt[2, Kap. 2., Abschn. III]:

Unternehmung nennen wir die Durchsetzung neuer Kombinationen und auch deren Verkörperungen in Betriebsstätten usw., Unternehmer die Wirtschaftssubjekte, deren Funktion die Durchsetzung neuer Kombinationen ist und die dabei das aktive Element sind. Diese Begriffe sind zugleich weiter und enger als die üblichen.
Weiter: Denn wir nennen Unternehmer erstens nicht bloß jene „selbstständigen” Wirtschaftssubjekte der Verkehrswirtschaft, die man so zu nennen pflegt, sondern alle, welche die für den Begriff konstitutive Funktion tatsächlich erfüllen, auch wenn sie, wie gegenwärtig immer häufiger, „unselbstständige” Angestellte einer Aktiengesellschaft - aber auch Privatfirma -, wie Direktoren, Vorstandsmitglieder usw. sind oder ihre tatsächliche Macht und rechtliche Stellung auf der Unternehmerfunktion begrifflich fremden Grundlagen ruht - Aktienbesitz ist oft, wenn gleich nicht regelmäßig, eine solche Grundlage, besonders in den Fällen, in denen eine bestehende Firma vorteilhafter Kapitalbeschaffung oder einer Erbteilung halber in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde und der früher leitende Mann auch weiterhin die Führung behält - oder ihnen jede dauernde Bezeichnung zu einem individuellen Betrieb fehlt und sie nur zur Durchführung neuer Gestaltungen in Aktion treten, wie manche „Finanziers”, „Gründer“, Finanz-Juristen oder Techniker - wobei aber die speziell juristische oder technische oder finanzielle Leistung grundsätzlich akzidentell ist und, wie wir noch genauer sehen werden, nicht das Wesen der Sache ausmacht.
Wir sprechen zweitens von Unternehmern nicht bloß für jene historischen Epochen, in denen es Unternehmer als besondere soziale Erscheinung gibt, sondern wir knüpfen Begriff und Namen an die Funktion und an alle Individuen, die diese in irgendeiner Gesellschaftsform tatsächlich ausfüllen, seien sie auch Organe in einer sozialistischen[+] Gemeinschaft eines Frohnhofes oder Häuptlinge eines primitiven Stammes. Enger: Unter unseren Begriff fallen nicht alle selbstständigen, für eigene Rechnung handelnden Wirtschaftssubjekte, wie das üblich ist. Eigentum[+] am Betrieb - oder überhaupt irgendwelches „Vermögen” - ist für uns kein wesentliches Merkmal; aber auch abgesehen davon schließt Selbstständigkeit in diesem Sinne nicht schon von selbst die Erfüllung für unseren Begriff konstitutiven Funktion ein. Nicht nur die Bauern, Handwerker, Angehörige freier Berufe - die man mit unter einschließt -, sondern auch „Fabrikherren“ oder „Industrielle“ oder „Kaufleute“ - die man immer einschließt - brauchen nicht notwendig „Unternehmer” zu sein.
Der Unternehmer ist nicht selten Ingenieur seines Betriebs, der technische Leiter, oberster Ein- und Verkäufer, Haupt des Bureaus, der Leiter seiner Angestellte und Arbeiter[+] und evtl. sogar sein eigener Jurist. Das entscheidende Element in der Definition des Unternehmers und der Unternehmung ist jedoch Durchsetzung neuer Kombinationen und die dadurch bewirkten Veränderungen, denn Schumpeters Buch handelt von der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[+].

Schumpeter[+] trennt scharf zwischen Kapitalisten und Unternehmern, womit es einige Kompatibilitätshindernisse mit Marxens[+] Beschreibung geben dürfte. Joseph Schumpeter[+] unterscheidet außerdem von den Unternehmern die Wirtschaftssubjekte, die den laufenden Betrieb organisieren und die er Wirte nennt.

Natur und Schöpfung

Bei der Aussage eines Wortes erwacht - unbemerkt von unseren gedankenlosen Lippen - das Geheimnis einer geschichtlichen Vergangenheit, die bis in die dunklen Anfänge der Menschwerdung zurückführt. Von Jahrhundert zu Jahrhundert wuchs der Inhalt des Wortes, zu seiner heutigen Bedeutung sich entfaltend und oft schwer zu umgrenzen in der gewachsenen[+] Einheit. Nirgend wird das so deutlich wie bei dem Wort «Natur». Jedes neue Gefühl und jeder neue Gedanke, die sich im Laufe der Vergangenheit in der Natur versenkten, veränderten ihr Antlitz und ließen dort neue und verwirrende Züge auftauchen.
Leuchtet nicht hier der Glanz pantheistischer Frömmigkeit aus der Goethezeit herüber, raunt nicht dort der verwirrende Schauer romatischen Naturgefühls zu uns her, und schimmert nicht ganz aus dem Kern die Weisheit der Alten wie ein fernes Licht? Das Wunder der Kontinuität abendländischen Geistes wird hier zu greifbarer Wirklichkeit, und Erinnerungen aus der Schulzeit erhalten plötzlich eine uns damals unbekannte Übersetzung des griechischen phyein, werden, entstehen und dessen Substantiv Physis[+], gewinnt auf einmal eine besondere Bedeutung.

[...]

Dieser im Letzten pantheistischen Natur steht nun auf der anderen Seite eine Natur gegenüber, die Gegenstand der menschlichen Wissenschaft geworden ist. Damit wird sie, die eben noch allumfassender Urgrund[+] aller Dinge, Gedanken und Taten war, plötzlich zum «streng gesetzmäßigen Zusammenhang aller Erscheinungen», in welchem auch der Mensch als Teilvorgang dieses Zusammenhangs untersucht wird.

[...]

Als die exakte Naturwissenschaft sich als Sonderbereich aus der Naturwissenschaft löste und diese sich der Geisteswissenschaft gegenüberstellte, zerriss die komplexe Einheit der sinnlichen Welt, die unser ursprüngliches und lebendiges Naturerlebnis enthält, in verschiedene Stücke, die sich aller Anstrengung zum Trotz nicht wieder zusammenfügen lassen. Zunächst trennte ein kühner Schnitt die sinnliche Welt in «das Sinnliche» und «die Welt», und dann begab man sich daran, aus «dem Sinnlichen» den Sinn zu extrahieren. Was wir nun in Händen halten, ist eine «unnsinnliche Welt» als Gegenstand der Physik, eine «sinnlose Sinnlichkeit» als Gegenstand der Physiologie und «unsinnliche Sinnzusammenhänge», um die sich verschiedene Bemühungen geisteswissenschaftlicher Orientierung gruppieren.
S.15 in Ernesto Grassi und Thure von Uexküll[+], Wirklichkeit als Geheimnis und Auftrag[+], Die Exaktheit der Naturwissenschaften und die philosophische Erfahrung, Verlag Karl Alber, Freiburg im Breisgau, 1945.

Jede Naturbeschreibung muss also den der Natur entstammenden Beschreibenden miteinbeziehen und ist daher notwendigerweise reflexiv. [...]

Geltendes Totes

Den Begriff 'geltendes Totes[+]' verwende ich synonym für Eigentum[+] und Kapital. Ich wähle diese Begrifflichkeit in der Regel, um durch seine Verwendung in einem bestimmten Kontext herauszustellen, dass es sich bei dem jeweiligen Kapitalgut um tote Materie bzw. um etwas Nicht-Physisches[+] handelt, dem zwar aufgrund des Zinsmechanismus[+] auf künstliche, un- oder übernatürliche Art und Weise "Leben" eingehaucht wird, insofern als dass dem eigentümlichen Gut Subsistenz und Reproduktion ermöglicht wird, das jedoch an sich tot ist.

Kapital

Arten von Kapital:

Am Beispiel des Siemenskonzerns beschreibt Alfred Sohn-Rethel[+] das Kapital, das sich in den Köpfen und in der gewohnten Arbeitsteilung[+] findet:

Man kann sich denken, mit welcher Genugtuung und welchem Stolz Mitglieder der Direktion einem von solchen Erfahrungen berichteten. Zweifellos mit Recht[+]. Die Spezialisierung der Arbeit[+] bei Siemens konnte in der Welt ihresgleichen suchen. Die Arbeiter[+] bei Siemens waren ganz überwiegend ausgesuchte Fachleute, sorgfältig angelernt und ausgebildet. In den schwierigeren Spezialabteilungen arbeitete niemand, der nicht zuvor durch eine dreijährige Ausbildungszeit auf Kosten der Firma hindurchgegangen war. Wieweit das reichte, mag das Beispiel einer Werkstätte illustrieren, die im Stockfinsteren arbeitete — der Grund: hier arbeiteten lauter blinde Frauen und Mädchen, weil nur Blinde das Fingerspitzengefühl auszubilden vermögen, das für die Fertigung eines ganz bestimmten Werkstücks erwünscht war. Einarbeitung und Bewährung bedeuteten für die meisten Leute bei Siemens die Zugehörigkeit auf Lebenszeit. Sie wohnten und lebten in Siemensstadt. Die Werksleitung war mit Sorgfalt darauf bedacht, ihren Arbeiterstamm[+] zu erhalten. Im Gespräch mit Ingenieuren hörte man immer wieder die hohe Bewertung der Arbeitsorganisation[+] heraus. Alles andere lasse sich zur Not ersetzen, die Maschinen, Apparate, Gebäude etc.; aber die Organisation der Arbeitsprozesse[+] und die Schulung des Personals seien das kostbarste Kapital der Firma und das eigentliche Geheimnis der Überlegenheit ihrer Produktion. Sie sei das Ergebnis eines halben Jahrhunderts der Erfahrung, des sorgsamsten Studiums und unablässiger Verbesserungen. Qualitätsarbeit dieser Art verlangt ein besonderes psychologisches Klima. Sie kann nur auf der Grundlage der Zuverlässigkeit aller inneren Verhältnisse gedeihen. Hier muß alles auf lange Dauer berechnet sein. Eine Herabminderung der Produktionskosten muß in der Hauptsache durch Verbesserung der Arbeitstechnik[+] und Arbeitsorganisation[+] erzielt werden. Dem Lohndruck sind enge Grenzen gesetzt.

Umlaufsicherung

Gewalten

Zur Übersicht über den Abschnitt sei folgende Einteilung getroffen, die sich auf heutige gesellschaftliche Teile (Entitäten, Institutionen, Teilsysteme) beziehen. Gewalten sind folgende Kräfte (Dynamiken) in der Organisation und Ordnung[+] von Bestimmung und Gesetzgebung im Haus:

Soziale Marktwirtschaft

Die Aufgabe und Funktion der sozialen Marktwirtschaft[+] ist es, durch gesetzgeberisches Handeln (Definition und Benennung von gut und böse, Ausweisung von Bestrafungen, Begünstigungen und Besteuerungen) die Folgen von Geldpolitik[+] hinsichtlich der Gebote der fundamentalen Rechtsordnung[+] zu beherrschen. In Deutschland muss soziale Marktwirtschaft[+] mindestens den Schutz der in den ersten Artikeln des Grundgesetzes benannten Rechtsg[+]üter sicherstellen.

Die politische Tendenz der sozialen Marktwirtschaft[+] ist „soziophil”, also das Soziale liebend. Die soziale Marktwirtschaft[+] impliziert im Kapitalismus[+] aufgrund der Entwicklung ein Überwiegen der politischen Kräfte in Richtung zentrale Planwirtschaft (Zentralverwaltungswirtschaft[+]).

(Neo-) Liberalismus

Die soziale Marktwirtschaft[+] ist das logische Gegenstück zum (Neo-) Liberalismus[+], der darauf abzielt, die Einflussnahme der Zentralinstitution Staat auf den kapitalistischen Akkumulationsprozess zurückzudrängen. Die langfristige Wirkung des Neo-Liberalismus[+] hängt stark von der Art des Geldsystems ab. Bei positivem Zins[+] überführt der Neo-Liberalismus[+] unter Zurückdrängung des Staates, dessen Residuum Nachtwächterstaat[+] genannt wird, Wirtschaft und Gesellschaft zunächst in eine anonyme Oligarchie (vgl. zum Begriff der Oligopol) und dann in eine Monarchie (vgl. zum Begriff der Monopol). Bei negativem Zins[+] entsteht aus der Zurückdrängung des Staates der Kommunismus[+].

Die extremste und reinste Form des (Neo-) Liberalismus[+] ist der Libertarismus[+].

Die politische Tendenz des Neo-Liberalismus[+] ist „kapitalophil”, also das Kapital liebend. Der Neo-Liberalismus[+] ist die treibende Kraft der Entwicklung in Richtung einer Marktwirtschaft[+] weg vom Prinzip der Zentralverwaltungswirtschaft[+].

Ökonomisches System

Es können drei Arten von ökonomischen Systemen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft voneinander unterschieden werden, die aus der Wahl des Vorzeichens der Geldzinsen emergieren:

Die Art der Ökonomie[+] ist wesentlich durch das Zinsvorzeichen[+] festgelegt.

Die Wahl des ökonomischen System impliziert ein bestimmtes Gleichgewicht der beiden fundamentalen Kräfte, nämlich die kapitalophile und die soziophile, im politischen System. Gegen Ende des kapitalistischen Prozesses, am Übergang zum und im Sozialismus[+] überwiegt die soziophile Kraft mit der Tendenz, das Gleichgewicht zwischen Marktwirtschaft[+] und zentralinstitutioneller Planwirtschaft[+] (Zentralverwaltungswirtschaft[+]) in Richtung letztere zu verschieben.

Umgekehrt verhält es sich am Ende des kommunistischen Prozesses, gegenüber der wohlmöglich einzig verbliebenen Zentralinstitution des Staates, nämlich der Zentralbank[+], bei einem erneuten Sündenfall[+], wenn das Ende des „Diktats des Zerfalls“ (des Kapitals) gefordert wird, eine „apokryphe” (dunkle) Situation, die am Ende des Kapitalismus nur schwer vorstellbar ist.

Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur

Die Kultur ist die Vereinigungsmenge von Gesellschaft und Wirtschaft.

Nachhaltigkeit

Bernd Lietaer[+] führt in 'Money and Sustainability - The missing Link'[3] folgende Definitionen und Kriterien für Nachhaltigkeit auf:

The World Commission on the Environment and Development defined a sustainable as one which 'satisfies its needs without limiting the prospects of future generations'. Morevover, 'Sustainable development is growth in wellbeing without physical growth. It is a process and not a state, and therefore does not neccessarily imply that the population or the economy are static or stagnant.'"
Brundtland Report, World Commission on the Environment and Development, Our Common Future, 1989, p. 200.
Sustainability is a rallying cry for hope. It postulates that there can be a future design of society in which environmental degradation and extremes of social inequity are avoided on an ongoing basis. As an agenda, it implicitly calls for a sense of responsibility and action sincerely aimed at improving or changing our current way of living, and averting what many feel is a looming social, ecological and economic crisis.
Harding Tibbs, 'Sustainability', The Deeper News, Vol. 3, no. 1, Jan. 1999, p. 5.

Als Kriterien für eine nachhaltige zitiert er Herman Daly:

  1. The rates of use of renewable resources do not exceed their rates of regeneration.
  2. Its rates of use of non-renewable resources do not exceed the rate at which sustainable renewable substitutes are developed.
  3. The rates of pollution emissions do not exceed the assimilative capacity of the environment.
World Bank[+] economist Herman Daly and John B. Cobb, For the Common Good: Redirecting the Economy Toward Community, the Environment, and a Sustainable Future, 1989.

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'Glossar'

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