$ \def\tr{\text{tr}} \def\diff{d} \def\medspace{\enspace} \def\mathbi{\mathbf} \def\euro{€} \def\dollar{\$} \def\textnormal{\text} \def\textrm{\text} \newcommand\norm[1]{\left\lVert{#1}\right\rVert} $

Kritik und Einordnung des Kapitals und des kommunistischen Manifests

Akkumulationswirkung, Konvergenz, Divergenz, Geldnetzwerk vs. Nicht-Geldnetzwerk. Zins[+]-neutrale Schicht

Die Reproduktionswirkung des Kapitals, seine Zins[+]nahme, stellt sich auf den zwei Seiten oberhalb und unterhalb einer in der sozialen Schichtung verlaufenden Trennlinie, der zinsneutralen gesellschaftlichen Schicht, gegensätzlich dar. Die wichtigsten in diesem Zusammenhang zu nennenden Kapitalklassen sind Geld, Boden, Gebäude, Patente und das übrige Leihkapital. Kleine Kapitale sind in diesem Wettbewerb um die Zinsen[+] relativ zu größeren chancenloser. In den sozialen Schichten unterhalb der zinsneutralen Schicht bewirkt die Zinsnahme eine Spaltung von Nicht-Geld-Beziehungen. Die Menschen leben um zu arbeiten, ordnen die Beziehungen ihres Lebens außerhalb der Arbeit den Arbeitsbeziehungen unter. Die Divergenzen in diesen Beziehungen stellen sich als Brüche (Spaltungen, Trennungen) familiärer und der engsten persönlichen, sozialen Beziehungen dar. Die emergente[+] Synergie der Arbeitsbeziehungen, der Beziehungen des Geldnetzwerks, wird als Zins[+] (Zuwachs) dem Kapital hingegeben. Auf der einen Seite, in den Schichten oberhalb der zinsneutralen Schicht findet sich im Gegensatz dazu das Muster der Zentralisierung, die Konzentration und Konvergenz von Produktionsmitteln und Macht.

Im kommunistischen Manifest werden die Divergenzen als Zersplitterung der Produktionsmittel des Besitz[+]es und der Bevölkerung beschrieben. Die Brüche erfolgten in traditionellen Beziehungen vergangener Epochen, stellten sich dar in einer Zerstörung der Feudalgesellschaft, einer Entkopplung von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen und als Nivellierung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern, und dem Alter der Menschen. Diese Gleichmacherei, die Nivellierung der Unterschiede diene dem Zweck[+], zur Funktionalisierung im Reproduktionsprozess des Kapitals möglichst gleichförmiges Menschenmaterial zu schaffen.

Dem wirtschaftlichen Aufschwung in den Phasen hoher Konjunktur[+] folgt die Entstehung überschüssigen Menschenmaterials, deren Arbeitplätze im Zuge der Innovationen, die aufgrund der vom Zins[+] verursachten Knappheit erzwungen sind, wegfallen. Durch die künstlich hervorgerufene Knappheit des Geldes bei den Konsumenten, der Zins[+] bietet in Abhängigkeit von seiner Höhe Anreize zum Nicht-Konsum, zum Sparen, schwächt damit den Absatz der Unternehmungen, erfolgt aufgrund von Investitionen in neuartige Unternehmungen sowohl eine Verdrängung als auch eine Ausrottung (Auslöschung, Extinktion) schlecht angepasster etablierter Unternehmungen.

Auf der Seite der Zins[+]geber entspricht die Wirkung des Zinses[+] einer künstlich verstärkten, der natürlichen überlagerten Entropie[+]änderungsrate, einem künstlichen Entropie[+]fluss. Im Bank[+]rott eines Unternehmens oder im Rauswurf eines Arbeiters mit nicht mehr anschlussfähiger Qualifikation aus dem laufenden Betrieb aufgrund der durch den Zins[+] erzwungenen Rationalisierungen schlägt die Entropie[+] schlagartig zu: das Leben der Eigner des bankrotten Unternehmens oder der beschäftigungslosen Arbeiter gerät nach dem Bank[+]rott oder dem Rauswurf in Unordnung. Die verbleibenden Strukturen, die neuen Unternehmen, die frisch qualifizierten, die auf der Stufenleiter der Produktion höher Angesiedelten, weisen einen höheren Ordnung[+]sgrad auf. Die Entropie[+] fließt also aus dem System der (immer wieder neu) Etablierten über die Peripherie in die Umwelt, ganz genau so wie bei einem Lebewesen, das zur Aufrechterhaltung seines internen Stoffwechsel[+]prozesses (Stoffströme im Unternehmen, in der Binnenwirtschaft) im Eingebettetsein in die über Austauschbeziehungen angeschlossenen Umwelt (externer Stoffwechsel[+], Stoffströme innerhalb eines Wirtschaftszweigs, Import und Export im Austausch mit anderen Währungsräumen) Entropie[+] aus sich heraus in die Umwelt verdrängen muss, damit es im (künstlichen) Wettbewerb mit den anderen Lebewesen (Unternehmungen) bestehen kann.

Marx[+] und Engels beschreiben außerdem die Landflucht, die darauf zurückgeht, dass die Menschen der Produktionsweise des Landes (der Natural- und Subsistenzwirtschaft) entrissen werden und in die Akkumulationszentren des Kapitals, in die Städte, gesogen werden. Weit in die Zukunft blickend enthält dies eine Beschreibung der Entstehung von heute beobachtbaren Megacities. In Indien beispielsweise lebt und arbeitet die Landbevölkerung in großen Teilen des Landes für den Konsum der Städter und kann dabei selbst nur schwer überleben. In Afrika, Asien und Lateinamerika sieht es ähnlich aus. Die vorranging in den Akkumulationszentren erhobenen Zinsen[+] pflanzen sich als Zinsschulden über die Märkte fort (vgl. zum Begriff der unsichtbaren Hand) und werten die Arbeit der Menschen ab, die mit ihrer Arbeit die Nahrungsgrundlage der in den Städten lebenden Menschen erschaffen.

Der positive Zins[+] ist eine von Menschen er(ge)fundene Perversion des 2. Hauptsatzes, der letztendlich auch den Fluss der Zeit beschreibt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in den Beschreibungen Marxens[+] beobachtbare Verzerrungen des Zeitflusses enthalten sind:

Noch mehr, in demselben Maße, wie Maschinerie und Teilung der Arbeit zunehmen, in demselben Maße nimmt auch die Masse der Arbeit zu, sei es durch Vermehrung der Arbeitsstunden, sei es durch Vermehrung der in einer gegebenen Zeit geforderten Arbeit, beschleunigten Lauf der Maschinen und so weiter.
In diesem Satz verweisen Marx[+] und Engels indirekt wiederum auf den 2. Hauptsatz. Sie beschreiben eine Beschleunigung des Zeitflusses, der (physikalisch) in der Göße des Entropie[+]flusses, im Zerfall, in der Dissipation von Masse und Energie, usw. gemessen werden kann. Auf der Seite der Zins[+]geber verläuft die Zeit schneller als die physikalische, auf der Seite der Zins[+]nehmer verläuft sie langsamer und relativ zur physikalischen Zeit sogar rückwärts. Diese Illusion der rückwärts verlaufenden Zeit ist der Gund dafür, dass man zwischen den Krisen des kapitalistischen Prozesses das Gefühl hat, für die Etablierten vergehe die Zeit nicht oder verlaufe rückwärts. So entdeckt man in der Gegenwart die Renaissance mittelalterlicher Bau- und Umgangsformen, Geldadelige, die in Barock-Schlösschen wohnen, sich Adelstitel aneignen, soziale Codes und Verhaltens- und Sichtweisen, die als ausgestorben galten, pathologisch-narzistische Verhaltensweisen, ein „Jugendwahn“ bei vielen Reichen, die Rückkehr des Hochmuts der Kindheit.

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