$ \def\tr{\text{tr}} \def\diff{d} \def\medspace{\enspace} \def\mathbi{\mathbf} \def\euro{€} \def\dollar{\$} \def\textnormal{\text} \newcommand\norm[1]{\left\lVert{#1}\right\rVert} $

Die Liquiditätsfalle

Der Begriff Liquidität bezieht sich auf das Fließverhalten des Geldes. Geld fließt in Verträgen in die eine und die Güter fließen in die andere Richtung. Wenn keine Verträge geschlossen werden, fließt kein Geld. Was passiert in einer Ökonomie, wenn die Zinsen den Null-Zins-Bereich erreichen? Zunächst einmal bricht das Kerngeschäft der Banken zusammen, denn Banken finanzieren ihre Strukturen (Gebäude, Personal, IT ...) aus der Differenz zwischen Spar- und Kreditzinsen, der sogenannten Zinsmarge, indem die Kreditzinsen für gewöhnlich höher liegen als die Sparzinsen. Es zahlt also der Kreditnehmer die Bank. Wenn also die Zinseinnahmen der Banken immer kleiner werden, dann versiegt die Einnahmequelle, so dass auch die Sparzinsen, die unter den Kreditzinsen liegen, mit der Zeit immer niedriger ausfallen.

Zinsflüsse
Zinsflüsse über das Bankennetz. $z_S$ ist der Sparzins und $z_K$ der Kreditzins. Die Banken leben von der Differenz $Z_K-Z_S$, die beim Übergang von positiven zu negativen Leitzinsen immer weiter schwindet.

Nehmen wir an, die Banken können ihre laufenden Kosten weiter bezahlen, wie werden sich die Sparer und Kreditnehmer verhalten? Wenn sie rational handeln, dann werden die Kreditnehmer versuchen, Kredite zu den günstigst möglichen Zinsen zu bekommen. Gleichzeitg sinkt der Profit der Sparer, daher werden Letztere, insbesondere wenn und dann weil die Aussicht auf höhere Zinsen aussteht, zögern ihr Geld in Kreditverträgen zu den niedrigen Zinsen anzulegen. Mit der spekulativen Erwartung, dass die Zinsen irgendwann vielleicht wieder größer werden, verschlimmert sich also das Problem des Rückgangs der Kreditvergaberate. Zentrale Ursache für die Liquiditätsfalle ist also die Erwartung eines höheren Profits in der Zukunft.

Was wird nach diesem Handlungsmotiv (Maxime des Profitstrebens) also die Reaktion des Sparers oder Privatiers sein, wenn die Bank den Zinssatz in den negativen Bereich setzt? Ganz einfach: Wenn er rational handelt, also nach der Maxime das Geld zu vermehren, was logisch äquivalent ist dazu, das Geld nicht zu vermindern, wird er im Moment des Auftretens negativer Zinsen das Geld von der Bank in der Hoffnung abheben, eine profitablere, im schlechtesten Fall jedoch zumindest eine konservative (erhaltende) Anlage zu finden: er hebt sein Geld ab. In dem Moment des Abhebens wird der Sparer selbst also zu einer 0-Zins-Bank, denn der nominale Zins von Bargeld ist 0 %. Dieser Vorgang wird als das Wachstum von Schattenbanken bezeichnet. Um dem entgegenzuwirken, ist die einfachste Art ein Bargeldverbot. Dieses greift jedoch in liebgewonnene Freiheitsrechte ein. Soll das Bargeld erhalten bleiben, dann kann das Bargeld nur durch eine monoton ansteigende Bargeldsteuer in den Umlauf gedrängt werden.

Das abgehobene Geld steht für die Kreditvergabe nicht mehr zur Verfügung, die Kreditvergaberate ist rückläufig (wie bei sinkenden Zinsen), stagniert in der Nähe des 0-Zins-Bereichs und sinkt auf null in einer negativen Umgebung an der 0-Zins-Grenze. Die Fließgeschwindigkeit des Geldes, seine Liquidität, vermindert sich und die Ökonomie befindet sich in der Liquiditätsfalle. Andere Bezeichnungen für dieses Phänomen lauten Bank Run oder auch Kreditklemme.

Der Zustand kommt aber auch gleichsam einer Erpressung der kreditabhängigen Unternehmerschaft durch die Gruppe der Sparer, Privatiers und Investoren gleich, denn sie gewähren den Unternehmen und Betrieben der Wirtschaft nur dann Kredit, wenn dafür positive Zinsen gezahlt werden.

Wie kann man der Liquiditätsfalle also begegnen?

Kenneth Rogoff stellt sein Buch "Der Fluch des Bargelds" vor und spricht über die Liquiditätsfalle.

Maßnahmen an der Null-Zins-Grenze und Umlaufsicherung

Zunächst ist wichtig, die Liquidität wieder herzustellen. Dazu sind einige Möglichkeiten denkbar. Die einfachste ist die Emission von Buchgeld auf den Kapitalmarkt und das gleichzeitige Gutschreiben des negativen Gegenbetrags auf dem Konto der Zentralbank. Diese Maßnahme heisst quantitative Lockerung. Das Geld kann über die Staaten durch Staatsanleihenkäufe durch die Zentralbank in den Umlauf gebracht werden. Das emittierte Geld hat somit einen Zinssatz von 0%. Die Bilanzsumme dieses Geldes samt des dazugehörigen Gegenbetrags ist 0. Das emittierte Geld muss also irgendwann wieder zurückgezahlt werden (unendliche Laufzeit) um die Schuld bei der Zentralbank wieder zu begleichen. Diese Bilanzverlängerung kann im Prinzip ewig fortbestehen, denn sie erzeugt ja praktisch nur eine Bindung des emittierten Geldes an die Zentralbank.

Um in einer Negativzinswirtschaft zu sicher zu stellen, dass das Geld den Wirtschaftskreisläufen nicht entzogen werden kann, benötigt es eine sogenannte Umlaufsicherung. Im Folgenden wird die Vorgehensweise bei der Installation der Umlaufsicherung am 0-Zinsübergang dargestellt:

  1. Um das Bankensystem auf die Zeit mit negativen Zinsen vorzubereiten, muss die Definition des Begriffs Bank erweitert werden auf Personengruppen mit Sparvermögen die nicht auf gewöhnlichen Banken gutgeschrieben sind (Schattenbanken). Verfassungstechnisch bedeutet dies die Einführung einer Meldepflicht von Spar- und Kapitalvermögen in Form von Buch- und Bargeld an die Zentralbank und/oder den Staat.
  2. Dann muss rechtlich dafür gesorgt werden, dass die Zentralbank und/oder der Staat den Zinsbetrag einzieht der durch den negativen Zinssatz von der Zentralbank festgelgt wird. Die Wirkung dieses negativen Zinssatzes auf das Vermögen kommt der einer (Spar-)Vermögenssteuer gleich. Der Unterschied zwischen negativen Zinsen und Steuern ist lediglich der Begünstigte. Bei den Steuern ist es der Staat, bei den Banken sind es Unternehmen und potentielle Kreditnehmer.
  3. Technisch ist diese Meldepflicht als Überwachungsmaßnahme zu realisieren. Der Aufwand dafür ist sehr gering, denn es sind nur Zahlen auf Konten zu überwachen die mit Personengruppen assoziiert werden. Um den Aufwand dennoch zu beschränken, besteht die Möglichkeit der Festlegung einer unteren Grenze ab der das Sparvermögen meldepflichtig wird. Bei einer Vermögensverteilung die einen überproportional ansteigenden Verlauf hat, bei dem sehr viele Menschen sehr wenig und sehr wenige sehr viel besitzen, wie nach einer langen Zeit rechtsstaatlichen positivzinslichen Wirtschaftens, steigt der Aufwand überproportional stark mit der Absenkung der Meldegrenze.
  4. Der Vermögende hat bei negativem Zins auf der Bank, im Gegensatz zur Vermögenssteuer, die Möglichkeit, durch Kreditvergabe mit entsprechend hohen vertraglich vereinbarten Zinsen (möglichst über den Leitzinsen und/oder der Inflationsrate) sein Vermögen im Kredit zu parken. Deshalb muss erstens ein Teil der umlaufsichernden Geldüberwachung die Sicherstellung einer realwirtschaftlichen Investition sein. Zweitens wird im Zuge der in einer negativzinslichen Umverteilung die Anzahl der unternehmerisch tätigen Personen mit Vermögen oberhalb der Meldegrenze ansteigen. Sofern dieser sich vor dem Abschluss des Kreditvertrages unterhalb der Meldegrenze (des Radarschirms im „Hintergrund“) befindet, muss also auch das Kreditverhältnis mit sämtlichen Beteilgten gemeldet und in die Umlaufsicherung eingeschlossen werden.

Die IT Strukturen, die für die technische Realisierung der Umlaufsicherung benötigt werden, sind längst vorhanden, denn alle Geldscheine sind durchnummeriert,so dass die Nachverfolgung jedes einzelnen Scheins bereits jetzt möglich ist. Lediglich die rechtliche Grundlage muss bereitet werden, und es müssen somit sämtliche Steuerschlupflöcher geschlossen werden, damit die Fluchtwege der Geldmengen dem Staat bekannt sind.

Wirkung der Umlaufsicherung

Die Funktion der Umlaufsicherung ist im Wesentlichen eine Kontenüberwachung, um sicherzustellen, dass die Geschäftsbank, bei der das Geldvermögen liegt bzw. bei der das Konto besteht, den Zins einzieht und einziehen kann, wenn das Geld dort gehortet wird. Damit wird das Horten des Geldes für den Sparer umso teurer, je größer der Negativzins ist. Es ist erwartbar, dass es zu einer Fluchtbewegung von Geld in andere Vermögensarten und also in einen Anstieg der Vermögenswerte kommt. So werden die Preise für Edelmetalle, Kryptowährungen, Immobilien, Aktien und Anleihen steigen und die Anleihenrenditen, Darlehenszinsen und Kreditzinsen fallen, je tiefer die Guthabenzinsen in den negativen Bereich abgesenkt werden.

Hinsichtlich der erwartbaren Renditen der unterschiedlichen Anlageformen ist das Sachanlagevermögen (= kein Geldkapital, sondern Unternehmensanteile, Immobilien, Kunstgegenstände, seltene, begehrte Sammelgüter, Weine, Whiskeys, Kunstgegenstände...) von andersartigen Anlagevermögen (Edelmetalle, Kryptowährungen, Währungen anderer Länder) zu unterscheiden. Manches Sacheigentum (Sachkapital, Sachanlagevermögen), wie z.B. Gebäude, hat einen negativen Zins, weil jedes materielle Ding, außer bestimmte physische Formen des Geldes, z.B. Edelmetalle, aufgrund des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik physisch zerfällt.

Mit der Umlaufsicherung ist es nicht mehr möglich Geld abzuheben, ohne dass es die Zentralbank registriert (vgl. Aufgaben der BaFIN) und nominell mit einem Negativzins belastet, also die Kaufkraft des Bargeldes um das dem Negativzins entsprechende Verwahrentgelt reduziert. Die Möglichkeiten, die Geldvermögende dann anstelle der Hortung des Geldes haben, sind, das Geld entweder gegen Konsumgüter zu tauschen, es also zu verkonsumieren, oder es in einem Kredit- oder Darlehensvertrag an Unternehmen, Privatleute oder einer Staats- oder Unternehmensanleihe mit niedrigerem Negativzins als dem Verwahrentgelt, das die Geschäftsbank (assoziiert mit dem Ort der Meldung, dem Hauptwohnsitz) festlegt, zu „parken” (Investition bei festem Zins). Alternativ können auch Aktien gekauft werden, die allerdings eine variable, vom Gewinn des Unternehmens abhängige, jedenfalls keine feste Rendite aufweisen.

Der Zinseinzug wird bei Hortung des Geldes also erzwungen und zwar genauso, wie beim positivem Zins die Realwirtschaft gezwungen ist, den Zins zu zahlen. In der Negativzinswirtschaft steht also nicht mehr die Realwirtschaft unter Zwang, sondern das Kapital. Betrachtet man in der Beziehung zwischen Leihnehmern und Leihgebern das Gleichgewicht von Privatautonomie und Kontrahierungszwang, so ereignet sich eine Umkehr: So wie bei positivem Zins die Leihnehmer gezwungen sind, die vertraglichen Konditionen der Leihgeber zu akzeptieren, weil sie sonst keinen Darlehen erhalten, sind es bei negativem Zins infolge einer funktionierenden Umlaufsicherung die Leihgeber, denn akzeptieren sie die negativen Darlehenszinsen nicht, werden sie mehr Verwahrentgelt an die Bank zahlen müssen als Darlehenszinsen an den Kreditnehmer, vgl. Zins und das Gleichgewicht der Bestimmung.

Das Problem beim Verstehen dieser Zusammenhänge ist, dass in der Argumentation logische Ketten entstehen, die im Prinzip unendlich lang sind. Beim Argumentieren bewegt man sich sprachlich entlang der Vertragsstrukturen im (Vertrags / Beziehungs-)Netzwerk der Wirtschaft. Ich bin am Anfang immer wieder in diese Denkfalle geraten, weil ich dachte, dass ich an einem Ende angelangt bin („geht nicht weiter“).

Wenn der Zins negativ wird, sucht das Kapital nach Anlage, z.B. in Gold, andere Edelmetalle, Immobilien, etc.... nach allem, das man gegen Geld tauschen kann, z.B. Konsumgüter mit möglichst niedrigen Abnutzsraten oder gar gut refinanzierende Kapitalsanlageformen, wie z.B. Mietimmobilien. Manche denken bei Gold an „Sicherheit“, deswegen ist Gold ein psychologisch „wichtiges“ Gut. Dies ist aber eine Illusion, wenn Gold nicht als Zahlungsmittel zugelassen ist. Der Käufer verschafft sich lediglich Zeit und profitiert nur dann, wenn er zu einem frühen Zeitpunkt der erwarteten Krise kauft. Man könnte natürlich versuchen, die Güter zu erwerben, die zum Funktionieren der Wirtschaft als Ganzem notwendig sind, um auf diese Weise eine Erpressbarkeit der Zinszahler herbei zu führen. Denkbar ist, dass essenziell wichtige Edukte von sensiblen, systemrelevanten Teilen der Wirtschaft gekauft und knapp gehalten werden, um eine Inflation zu erzeugen. Einen Ausweg aus dieser Situation bietet auch in anderen Fällen eine generelle Besteuerung aller Vermögensarten. Ich glaube daher, dass die entstehende Situation durch den Souverän beherrschbar ist.

Hier habe ich berechnet, wie sich der Preis eines knappen Gutes, z.B. der Goldpreis, entwickeln wird, wenn die Vorräte begrenz sind und die Nachfrage schneller steigt als der Rohstoff gefördert (erzeugt) wird.

Analogie zur Physik: Kondensatorschaltung. Markt eines vorrätigen Gutes mit niedriger Quellstärke Fazit: Der Goldpreis würde bei plötzlich entstehender Nachfrage exponentiell ansteigen.

Wer wird denn aber Geld annehmen, das aufgrund der Negativzinsen schwindet, denn der neue Geldinhaber wird doch das Problem des vorherigen Geldinhabers erhalten?

Wer will das Geld behalten, wenn es schimmelt und schwindet?

Nur jemand, der etwas verkaufen will, das schneller an Wert verliert als der Negativzins groß ist, wird das Geld annehmen. Gold hat einen materiellen Negativzins von 0 %. Man verkauft das Gold also nicht, so dass sein Preis weiter steigt. Für den verzweifelten Geldvermögenden gibt es immer größere Verluste, es sei denn, man wüsste jemanden, der es verkaufen will..... und so geht das dann weiter und weiter und immer weiter fort.... bis das Geld einen Kreditnehmer findet, bei dem es geparkt wird und bei dem es weniger schnell schwindet als im Depot oder auf dem Konto. Geldscheine können in diesem Sinn wie Aktien an einem speziellen Unternehmen betrachtet werden, der gesamten Volkswirtschaft.

Vielleicht wird es jemand außerhalb der G7 annehmen...? Wie läuft das dann? Der Goldverkäufer verkauft das Gold in seiner Währung, der Käufer kommt mit €, $ oder ¥ und muss das Geld also gegen die Währung des Goldverkäufers tauschen. Da gibt es einen Wechselkurs.

Wenn das Zinsniveau im Währungsraum negativ wird, dann wertet die inländische relativ zu den ausländischen Währungen ab. Ausländische Währungen werden relativ dazu teurer, also steigt der Goldpreis für den Eigentümer des Goldes noch mehr, je tiefer die negativ verzinste Währung vorher abgewertet hat. Wenn man das Gold also nicht jetzt sofort kauft, dann wird es immer teurer, so dass auch die Goldblase, also die nominale Überbewertung von Gold gegenüber dem reellen Preis, immer weiter wächst.

Ich glaube, das am schwierigsten zu Verstehende ist, dass das Geld nicht einfach verschwinden kann. Der neue Geldinhaber hat das gleiche Problem wie der alte. Das Geld zerrinnt allen Hortenden zwischen den Fingern, wenn sie es nicht investieren. Wenn man das Zerrinnen zulässt, dann investiert es die Bank, die den Zins einzieht.

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