$ \def\tr{\text{tr}} \def\diff{d} \def\medspace{\enspace} \def\mathbi{\mathbf} \def\euro{€} \def\dollar{\$} \def\textnormal{\text} \newcommand\norm[1]{\left\lVert{#1}\right\rVert} $

Wirkung des Kapitalismus auf die Umwelt

Mit dem, was wir tun, verfolgen wir Zwecke. Was wir tun, ist ein Mittel, um den vorgesetzten Zweck zu erreichen. Vernünftige Mittel sind genau solche, deren Wert (bzw. deren Kosten, Aufwand) kleiner ist, als der Wert des damit zugänglich gewordenen Zwecks. Im Unterschied der Werte des Mittels und des Zwecks liegt der Nutzen.

Vernünftige Mittel haben positiven Nutzen und sind solche, deren Wert kleiner ist, als der damit zugänglich gewordene Zweck. Ludwig von Mises bezeichnet dieses vernünftige Wertverhältnis von Zweck und Mittel als »Urzins«[5], vgl. Vernunft, Nutzen und Zins.

Wie das Teilwort „Zins“ schon suggeriert, wird dieser messbare Vernunftbegriff mit dem allgemein vereinbarten Tauschmittel Geld in Verbindung gebracht. Verfügt jemand über das Mittel, dann ist das Mittel für den Nutzer, der damit bestimmte Zwecke erreichen kann, profitabel. Der in Einheiten des Geldes gemessene Nutzen (Profit), der aus dem Unterschied der Wertigkeiten von Mittel und Zweck hervortritt, ist positiv, wenn das Mittel im Sinne des Urzinses[5] vernünftig ist.

Der Kerngedanke und Fehler des Kapitalismus ist die ungefähre Gleichsetzung des Urzinses[5], insbesondere seines positiven Vorzeichens, mit dem Zins des Geldmarktes. Im folgenden Abschnitt werden einige Ergebnisse der makroökonomischen Analyse von Geld- und Güterströmen auf die Austauschbeziehungen der kapitalistischen Menschheit zu ihrer nicht-menschlichen Umgebung übertragen, um zu verstehen, welche Folgewirkungen aus der Gleichsetzung von Vernunft und positivem Geldmarktzins für Umwelt des Geldsystems entstehen.

Wirtschaft als Netzwerk von Austauschbeziehungen

Ein wesentlicher Teil der Beziehungen eines Menschen zu seiner sozialen und materiellen Umgebung sind Austauschbeziehungen, in denen bestimmte Dinge (ökonomisch: Güter) ausgetauscht werden. (Liebes-) Beziehungen der Menschen untereinander und auch Marktbeziehungen gehören zu diesen Austauschbeziehungen, aber auch die Beziehung des Menschen zu seiner nicht-menschlichen Umwelt ist von einem Geben und Nehmen gekennzeichnet. Insgesamt betrachtet lassen sich diese Austauschbeziehungen der Menschen untereinander und zu ihrer Umwelt als dynamische, sich also mit der Zeit verändernde Netzwerke begreifen. Auch die Stoffkreisläufe in der Natur sind als komplexe arbeitsteilige Netzwerke beschreibbar.

Die Wirkung des Sparens und der dadurch verursachten Zinsschuld auf das gegenwärtige Verhalten im arbeitsteilgen Netzwerk in den Austauschbeziehungen insbesondere derjenigen, die den Zins zahlen, äußert sich in Störungen des Verhaltens und des nomischen Gleichgewichts in diesen Beziehungen, also in den Beziehungen der Menschen untereinander und der Menschen zu ihrer Umwelt. Diese Störungen sind relativ zu Austauschbeziehungen einer Kultur definiert, die in ihrem Geldsystem keine oder negative Nominalzinsen hat und sind also ein alleiniges Phänomen kapitalistischer Kulturen, siehe Zins, Preis und Stoffströme für die quantitative Berechnung der auf den Zins zurückgehenden Störung der Preisbildung an den Märkten.

Ungestörte Austauschbeziehungen - freie Märkte

Hinsichtlich des Gleichgewichts der Bestimmung gibt es das Ideal einer fairen Bestimmung über den Beziehungsgegenstand bzw. über die ausgetauschten Güter. Vom goldenen Gleichgewicht spricht man im Allgemeinen, wenn das Geben und Nehmen aus Sicht beider Beziehungsteilnehmer einer Austauschbeziehung jeweils in einem Gleichgewicht ist und wenn gleichzeitig die Austauschbeziehung im Mittel nicht von Dritten beeinflusst ist.

Kommt es in einer solchen Austauschbeziehung also zu einem freien, von außen unbestimmten Austausch, entsteht also eine freie Austauschbeziehung, die nicht durch Dritte beeinflusst wird, dann ist die sogenannte goldene Regel erfüllt. In der folgenden Grafik ist die Freiheit oder auch die Selbstbestimmung des Marktes durch die zwei Nullen links und rechts angedeutet, die besagen, dass die Marktteilnehmer jeweils „Zins-schuldlos” gegenüber Dritten sind.

Ein freier Markt besteht, wenn keiner der beiden Marktteilnehmer unter einen Zinsschuld steht und versucht, diese Zinsschuld über den Preis von seinem Marktpartner zu erhandeln.

Im ökonomischen Sinn ist das durch den Austausch zustandekommende Mengenverhältnis gleich dem Verhältnis der Mengen der ausgetauschten Güter, also dem Preis, vgl. Preisbildung. Durch den Handel auf den Märkten entstehen einander entgegengerichtete Güter- und Geldströme. Im physikalischen Bild einer von einer Spannung oder einem Druck verursachten Strömung durch ein räumliches Gebiet mit einem Strömungswiderstand ist der Preis analog zum Widerstand, die Nachfrage-Angebots-Differenz entspricht der Spannung bzw. dem Druck, unter den das strömende Medium gesetzt wird, und der Eigentümerwechsel des Gutes infolge des Kaufs entspricht einem Güterstrom, der von einem dem Preis entsprechenden Geldstrom in umgekehrter Richtung begleitet wird.

Die so wie oben definierte, „freie” Austauschbeziehung, die in den Marktwirtschaft einem freien Markt entspricht, ist jedoch ein Ideal, das so nicht anzutreffen ist, da sich in der Realität die Austauschbeziehungen zu Dritten auf das Verhältnis der ausgetauschten Güter auswirkt.

Gestörte Austauschbeziehungen als Folgewirkung des Zinses

Steht einer der beiden Marktteilnehmer unter einer Zinsschuld gegenüber Dritten und gelingt es ihm, diese Schuld in der Verhandlung um den Preis von seinem Marktteilnehmer zu erhandeln, indem er entsprechend auf die Preisbildung einwirkt, dann entsteht gegenüber dem zinslosen Fall (der eingehaltenen goldene Regel) ein zusätzlicher Güterstrom, der im Mittel immer auf die Seite des NETTO Zinsschuldners gerichtet ist, hinter dem ein Gläubiger steht.

Die Wirkung der unsichtbaren Hand tritt ein, wenn entweder der Käufer (links) oder der Verkäufer (rechts) unter einer Zinsschuld steht und versucht wird, die Zinsschuld auf den Marktpartner zu übertragen, vgl. Zins, Preis und Stoffströme.

Man betrachte dazu in der Grafik die beiden Marktpartner links und rechts und mache sich klar, dass eine differenzielle Zinsschuld, also die Differenz der jeweiligen Zinsschulden gegenüber Dritten, auf einer Marktseite im statistischen Mittel einen kleinen Güter-Strom-Bias erzeugt, der immer auf die Seite des NETTO Zinsschuldners gerichtet ist und zum NETTO Zinsgläubiger hinfließt. Entweder wird ein kleiner, der differenziellen Zinsschuld proportionaler Teil der Gütermenge zurückgehalten, oder es wird ein der differenziellen Zinsschuld proportionaler Teil der Gütermenge zusätzlich erhandelt, siehe Zins, Preis und Stoffströme.

Die gesamte Wirkung dieses vom verzinsten Kapital ausgehenden Sogs wird in der Literatur als die unsichtbare Hand (Adam Smith) bezeichnet und wird als mitursächlich für den Wohlstand der kapitalistischen Zonen der Erde angeführt. In Hinblick auf die Störung des goldenen Gleichgewichts ist die unsichtbare Hand dann im Sinne des Gebens und Nehmens logischerweise auch ursächlich für die Armut und das Elend der Zonen der Erde, aus denen der Zins abfließt. Dies ist letzten Endes die nicht-menschliche Umwelt.

Die Wirkung des Zinses gliedert sich nach der Art der gegen Geld gehandelten Güter auf. Die dem Geld am Markt gegenüberstehenden Güter sind materielle Güter (Eigentum), Arbeit (oder auch Dienstleistung) und Besitz. Die Wirkung der Zinsschuld verändert den Menschen oder lässt den Menschen seine nicht-menschliche Umwelt verändern, wenn er die Zinsschuld auf sie überträgt, indem er von der Umwelt nimmt.

Unternehmen und Betriebe sind die Verkörperungen kollektiven Handelns. Unternehmen sind aus Sicht von Investoren Mittel zum Zweck der Geldvermehrung aus Sicht der Mitarbeiter samt Eigentümer sind sie Mittel zum Lebensunterhalt und aus Sicht des Konsumenten sind sie Mittel für die Herstellung von Nutz- und Verbrauchsgütern, die wiederum Mittel zum vorgesetzen Zweck des Konsumenten sind. Im Folgenden zeige ich zunächst, wie sich der kapitalistische Vernunftbegriff, die Wachstumslogik, der Imperativ des geldwerten Nutzens über durch das Zinsnehmen auf der Seite der Leihnehmer erzeugten Schulden, die sich „sozio-mechanisch” zunächst in Vertragsabschlusszwänge umwandeln und sich letztlich auf den nicht-menschlichen Teil der Umwelt des Geldsystems auswirken.

Die Organe der menschenlichen Produktionsmatrix: Unternehmen und Lieferketten

Der Erwerb eines Mittels wird auch als Investition bezeichnet. Für Unternehmensgründungen wird investiert bzw. bei ungenügendem Eigenkapital ein Kredit aufgenommen. Der Geldmarktzins für den Kredit wird nach dem Nutzen des Mittels bemessen. Über die Höhe des Nutzens, also die Relation des Werts des Mittels und des Werts des damit zugänglichen Zwecks, z.B. Maschine und Maschinenfunktion, Auto und Mobilität, entscheiden an den Märkten die Konsumenten, indem sie das Mittel, das der Unternehmer herstellt, kaufen. Die Investition des Kreditgebers, der mit seiner Leihgabe die Entstehung eines Unternehmens ermöglicht hat, kommt genau dann zurück, wenn dem Investitionsvolumen und den Preisen für die komplementären Güter der Produktion entsprechend genügend viele Menschen durch ihren Kauf entscheiden, dass das Mittel nützlich ist. Bei erfolgreicher Investition hat im Kapitalismus der Investor den primären Nutzen, nach Abbezahlung des Kredits geht das durch den Zins aufgespannte Maß des Nutzens als Gewinn an den Unternehmer. Dies sind die zwei Teile der Wertschöpfung: Zins und Unternehmergewinn, vgl. Abschnitt 5 im Band III des Kapitals.

Ein einzelnes Element der menschlichen Produktionsmatrix, ein Unternehmen. Aus dem Element wird Zins gesogen. Sind die Rahmenbedingungen des Staates so, dass ein Zwang besteht, einer angebotenen Beschäftigung nachzugehen, werden die nicht selbstständig Beschäftigen in die Maschine eingegliedert („eingefädelt“).

Wenn man jedoch darauf blickt, dass viele hergestellte Güter schon während ihrer Herstellung, während der Nutzung und spätestens als Folge ihrer „Entsorgung” zu ökologischen und sozialen Kolateralschäden führen, dann muss man sich fragen, warum sich Menschen dazu einspannen und begeistern lassen, indem sie mit ihrer Handlung diese Güter herstellen und mit ihrem Geld kaufen.

Wie im Abschnitt über den Einfluss des Zinses auf das Gleichgewicht der Bestimmung gezeigt, greift der Wachstumsprozess des Kapitals über die Erzeugung von Zinsschulden in das Gleichgewicht der Bestimmung in den Beziehungen ein und verschiebt die Bestimmung auf die Seite desjenigen, der das Kapital verleiht, also der Eigentümer. Der leihnehmende Unternehmer leitet die Zinsschuld an seine Nachgesetzten weiter. Der daraus resultierende Zinssog auf das „Gut“ Arbeit „fädelt“ die Menschen durch Autonomieeinschränkung (Zwang) in die Produktionsmatrix, also das Netzwerk von Verträgen der Realwirtschaft, ein, indem Menschen aufgrund ihrer immer tiefer werdenden Abhängigkeit, in die sie der kapitalistische Prozess treibt, existenziell dazu gezwungen sehen, entsprechende Verträge abzuschließen: Ohne genügend Wohneigentum sitzt man auf der Straße, also unterschreibt man einen Mietvertrag und zahlt Mietzins. Ohne Auto kommt man nicht leicht und flexibel zur Arbeit, also kauft man ein Auto. Ohne seelischen Ausgleich kann man nicht arbeiten, also fliegt man regelmäßig in die Ferien. Zeit für Familie und Freunde, wo man eigentlich Ruhe und Ausgleich finden könnte hat man immer weniger, weil die Erwerbstätigkeit einen immer größeren Zeitraum im Leben einnimmt. Man will gleichwertig sein, vergleicht sich daher ständig mit Anderen und muss daher auch einen vergleichbaren Besitzstand haben und konsumiert dementsprechend.

Die Wirksamkeit des Zwangs, einen Vertrag zu unterschreiben (ähnlich einem Kontrahierungszwang) ist dadurch gegeben, dass die Menschen am Ort ihres Lebensschwerpunkts, insbesondere der Stadt, aufgrund der Eigentums- und Besitzverhältnisse nicht mehr in der Lage sind, sich selbst unter Nutzung ihres Eigentums zu versorgen. In Deutschland lebten in 2013 etwa 57% der Menschen zur Miete[1] und 74% bezogen Einkommen aus nicht-selbstständiger Arbeit[2].

Unterschreiben die Menschen Arbeitsverträge, dann erzeugen sie mit ihrem erwerbstätigen Handeln einen Strom der Arbeit, der ursächlich ist für die Erzeugung eines Güterstroms. Die Quelle dieses Güterstroms liegt immer in der Umwelt, wie man erkennt, wenn man Lieferketten analysiert, weil man sich fragt, wie eigentlich der Preis eines an Märkten handelbaren Gutes entsteht, siehe Zusammensetzung von Preisen. Die Güter werden von einem Förderunternehmen als natürlich vorkommende Ressource in die Lieferketten (die Produktionsmatrizen) der Menschen eingespeist, dort weiterverabeitet und schließlich einem Konsumenten zugeführt.

Die Metalle in Gehäusen von Computern, Karosserien von Autos und das Eisen in den Schienen, auf denen Züge fahren, kommen als Erz in der Umwelt vor. Das Metall wird aus dem Erz z.B. unter Benutzung von Stein- oder Braunkohle herausgeschmolzen, abgekühlt, bis es fest wird und in langen Walzen in eine Zwischenform gebracht. Die in der Lieferkette nachfolgenden Unternehmen in der Kette verarbeiten es dann z.B. zu Bestandteilen von Maschinen weiter.

Kohleförderung.
Ähnlich wie mit Metall aus Erz, verläuft es mit den Derivaten von Rohöl. Rohöl wird aus der Umwelt gefördert, in die Lieferketten der Menschwirtschaft eingespeist und dann z.B. zu Treib-, Schmier- und Kunststoffen, Lacken und Farben verarbeitet. Rohöl ist einer der wichtigsten Grundstoffe der chemischen Industrie. Auch die Rohstoffe der Lebensmittelindustrie werden der Umwelt entnommen. Die Zutatenliste für Brot enthält Getreide, Salz, Wasser, Hefe und Gewürze. Das Getreide wächst auf Äckern, das Salz wird teilweise aus unterirdischen Lagerstätten zutage gefördert, Hefe wird in Kulturen herangezüchtet. Für den Herstellungsprozess benötigt der Bäcker schließlich Maschinen (Rührmaschinen, Öfen) und Energie zum Backen. Die Maschinen des Bäckers sind auch wieder das Endprodukt einer langen Kette von hintereinandergeschalteten Unternehmen. Das gesamte Netzwerk der Realwirtschaft besteht aus langen Ketten hintereinander geschalteter Unternehmen. Die Rohstoffe kommen anfänglich immer aus der Umwelt. Die Produkte eines Unternehmens der Lieferkette sind die Roh/Ausgangsstoffe des nächsten, und die Kette endet (vorläufig) am Konsumenten.
Schluss mit der Kohle!

Die Anbindung der Unternehmen an den Kapitalmarkt einerseits und an die Märkte für Roh- und Betriebsstoffe, Ersatzteile, Energie, Kommunikation, Arbeit, Abfallbeseitigung und Konsum andererseits lässt es zu, das Unternehmen als einen Verteilungsknoten für Zinsschulden anzusehen. Durch die Entscheidungen der Eigentümer des Unternehmens wird die am Kapitalmarkt aufgenommene Zinsschuld an die angeschlossenen Märkte weitergereicht, wenn die Zinsen nicht innerhalb des Unternehmens durch Einsparungen, Rationalisierung bzw. Optimierung erwirtschaftet werden.

Ausschnitt aus einer Lieferkette, die aus mehreren Unternehmen zusammengesetzt ist.
Aus diesem Prozess ziehen insgesamt die Eigentümer der Unternehmen Gewinn, die Sparer und Investoren Zins und der Konsument erhält daraus Mittel, die ihm zivilisatorische Zwecke zugänglich machen, z.B. grenzenlose Kommunikation, Mobilität, Erholung und natürlich so Profanes wie Nahrung und Kleidung. Ein Teil dieser Zwecke, die Mittel zum Selbsterhalt sind, ist lebensnotwendig, ein anderer ist Luxus, der mit dem Wort „Wohlstand” in Verbindung steht.

Kritik des positiven Zinses im Mittel-Zweck-Schema im Hinblick auf die ökologischen und sozialen Schäden

Alle technischen Prozesse des Zivilisationsmenschen verbrauchen Energie, die irgendwie gewonnen werden muss, doch die Verbrennung fossiler Energieträger lässt aufgrund des Treibhauseffektes die Temperatur der Erdatmosphäre steigen. Die daraus entstehenden volkswirtschaftlichen Schäden werden jedoch nicht in die Berechnung des Wertes des Mittels einbezogen. Wird die aus fossilen Energieträgern gewonnene Energie teurer, dann ist sie weniger vernünftig im Sinne des oben eingeführten Nutzenmaßes, und wenn man sich fragt, woher denn nun die Bewertung des Mittels 'Kohle' zum Zweck der Energieerzeugung kommt, dann ist die Antwort: Aus der Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt, denn die Naturgesetze konfrontieren den Zivilisationsmenschen erbarmungslos mit den Folgen seines Handelns.

Wir erzeugen Kunststoffe, deren materieller Abrieb infolge ihrer Nutzung als sog. „Mikroplastik“ in die Umwelt und schließlich in alle Lebewesen hinein gerät. Nach der Nutzung entstehen Müllberge, die von Lebewesen im Vergleich zu anderen, gewöhnlich in der Umwelt vorkommenden Materialien nur in verhältnismäßig langer Zeit verstoffwechselt werden können. Die natürliche Funktion der Lebewesen, ihr natürlicher Zweck in der Nahrungsette wird durch diese künstlichen Stoffe wenigstens beeinträchtigt, im schlimmsten Fall unmöglich gemacht. Doch eine Wahl oder ein Stimmgewicht im Hinblick auf die Bewertung des Nutzens dieser Kunststoffe haben die davon so betroffenen Lebewesen nicht. Wir Menschen befinden uns mit ihnen in einer lebensnotwendigen Austauschbeziehung, hängen existenziell von ihnen ab, doch wir lassen ihre stummen Bewertungen des Nutzens dieser Materialien nicht zu und ignorieren sie einfach.

Auch der Mensch selbst ist Umwelt des Geldsystems, und problematische Lebensmittelzusätze, populäre Medikamente, „Genussmittel” wie alkoholische Getränke, Süßigkeiten, stark salzhaltige Gebäcke, süße Gebäcke mit hohem Anteil an gehärteten Fetten, illegale Substanzen usw. sind für die Hersteller, Investoren und letztlich auch für die Sparer Mittel zum Geldwerwerb, für die Nutzer und Verbraucher Mittel für den Genuss oder gar den Rausch mit äußerst fragwürdigem absolutem Nutzen, der sich auf eine qualitativ sehr unterschiedliche Weise auf die Beteiligten verteilt.

Es benötigt nicht viel Nachdenkens um zu verstehen, dass die Bewertung von Zweck und Mittel subjektiv ist. Die Subjektivität der so definierten Vernunft ist der wesentliche Grund, warum es nur selten gelingt, eine absolute Vernunft zu definieren. Dass wir den Dingen unterschiedliche Wertigkeiten zuweisen, sehen wir insbesondere dann, wenn wir uns mit Anderen darüber unterhalten. Entfernt man sich in der Wahl des Gesprächspartners im sozialen Graphen von der gewohnten Umgebung oder redet man innerhalb der näheren Umgebung (Freundeskreis, Familie) über Strittiges, dann treten diese Bewertungsunterschiede deutlich zutage, denn Bewertungen von Mitteln und Zwecken sind immer (auch) relativ.

Letztlich ist es nur möglich, zu einer absoluteren Bewertung von Mitteln und Zwecken zu gelangen, indem jedes vom Kapitalismus betroffene Lebewesen das gleiche Stimmrecht in seiner Bewertung hat. Doch die Gleichheit bei der Mitbestimmung ist nicht gegeben, weil es eine (prä-)„faschistische”, Struktur der Bestimmung über Mittel gibt, an deren Spitze der reiche Kapitalist steht und unter den sich alles andere Leben unterordnen muss. Der Grund für die Fehlbewertung von Mitteln und Zwecken liegt in den gestörten Austauschbeziehungen des Menschen zu sich und seiner Umwelt, die aufgrund des positiven Zinses nicht in einem natürlichen Sinn frei sind.

Es ergeben sich zwei Arten von Missbräuchen des kapitalistischen Vernunftbegriffes aus der Diskrepanz des vermeintlichen und des tatsächlichen Wertes des Zweckes und des Wertes des zu seiner Erreichung eingesetzten Mittels. Ist der Wert des Mittels in Wahrheit größer als der Wert des Zwecks, bzw. ist der Wert des Zwecks kleiner als der Wert des Mittels, ist es nicht vernünftig, das Mittel für die Verfolgung des Zwecks einzusetzen. Es dennoch zu tun, ist Missbrauch.

Die zwei Arten des Missbrauchs des messbaren Vernunftbegriffs.
Sind Wertigkeiten von Mittel und Zweck also von ihren realen, tatsächlichen Wertigkeiten abweichend, z.B. da der Wert des Zwecks, der eigentlich kleiner ist als der Wert des Mittels künstlich überhöht wird oder weil der Wert insbesondere des lebendigen Mittels künstlich reduziert wird, um kleiner zu sein als der Wert des angestrebten Zwecks, dann ist das ein Missbrauch der monetären Vernunft (des Urzinses).
Beispiele für diese Fehlbewertungen gibt es zahlreich. Viele lassen sich mit der folgenden Formel beschreiben. Gewinne werden privatisiert. Die Kosten aus Folgeschäden und das Risiko werden sozialisiert. Es werden also aus den Zweckwerte die Kosten für die Nutzung der jeweiligen Mittel, die Zweck- oder Mittelnutzungsfolgekosten, herausgerechnet, der Allgemeinheit angelastet und diese so betrogen.

Suggestiv überhöhte Zwecke: Konsumpropaganda

Die Überhöhung von Zwecken ist nur ein anderes Wort für alle Formen von Konsumpropaganda. Die suggestive Ausweisung von erstrebenswerten Handlungszielen ist in der Kultur so tief verankert, dass es leicht fällt, zahlreiche Beispiele dafür zu geben. Widerstehen Menschen dem Konformitätsdruck, werden sie als „sonderbar“ behandelt.

Schon an den genannten Beispielen wird erkennbar, dass die Zwecke eng mit dem technischen Fortschritt und dem steigenden Wohlstandsniveau verbunden sind. Der Treiber für die suggestive Erhöhung von Zwecken ist die Konsumpropaganda, die die Konsumenten unterschwellig manipuliert, indem die Erstrebenswürdigkeit der Zwecke für die das umworbene Produkt Mittel zu dessen Erreichung ist, in das Unterbewusstsein eingepflanzt wird.

Die Folge der Überhöhung des Wertes der Zwecke ist die Nutzung der Mittel. Den Folgen der Mittelnutzung wollen sich die Profiteure der Herstellung der Mittel jedoch entziehen. So wollen die Energiekonzerne in den Industrienationen, die die Energienutzung propagieren, nicht für die Endlagerung der radioaktiven Materialien nach dem Ausstieg aus der Kernenergie aufkommen[6][7][8][9][10]. Betreiber von Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen wie Kohle wehren sich der Beteiligung an der Bewältigung von Folgekosten der CO2 und Hg (Quecksilber) Emissionen für Umwelt und Gesundheit[11]. Unter Berücksichtigung der Folgekosten ist der Betrieb von Kohlekraftwerken volkswirtschaftlich betrachtet unrentabel[12]. Dennoch werden weiter Kohlekraftwerke gebaut[13]. Die Gesundheitsschäden, die durch Autoabgase entstehen, werden von der Allgemeinheit gezahlt, die Gewinne fließen an die Konzerne[14][15][16]. Die im Zuge des VW-Abgas-Skandals aufgedeckten Manipulationen der Emissionswerte durch frisierte Tests werden die Folgekosten voraussichtlich noch einmal deutlich in die Höhe treiben[17].

Suggestive Minderung des Wertes des Mittels

Die zweite Möglichkeit des Missbrauchs des Urzinses ist die Unterdrückung des Werts des Mittels. Der Wert des Mittels wird auf den Wert seiner Funktion reduziert. Der Wert der übrigen Funktion, der, wie im Fall vieler lebendiger Mittel häufig unmessbar/unbestimmbar groß ist, wird nicht berücksichtigt, weil sich sonst eine Investition nicht lohnen würde.

Auch hierfür gibt es zahlreiche Beispiele. Das für die Menschen selbst wohl wichtigste Beispiel ist der Missbrauch der Menschen für die Zwecke des Kapitals. Das Gleichgewicht von Arbeit und Leben ist gestört. Menschen sollen in Geld gemessen nur so viel Wert haben wie es ihre Funktion im Produktionsprozess definiert. Die natürliche Funktion, die ein Mensch außerhalb des Berufs wahrnehmen könnte, nämlich für Familie, Freunde und die soziale Gemeinschaft da zu sein wird durch die Funktionalisierung im Beruf im fortschreitenden Kapitalismus immer weiter eingeschränkt. Der Wert des Menschen jenseits seiner Rolle als Arbeiter wird in der Gesamtrechnung unberücksichtigt gelassen und den Zwecken des Kapitals untergeordnet.

Spaltung der Funktion von lebendigen Mitteln (Menschen, Tiere, Pflanzen, Teile von Ökosystemen) in die Kategorien nützlich und unnütz.

Weitere Beispiele, die nicht-menschliche lebendige Mittel betreffen, sind im Folgenden aufgelistet.

Die Reduktion des Werts eines lebendigen Mittels auf den Wert seiner kapitalistische Funktion und sein Missbrauch verursacht letztendlich eine Einschränkung seiner Selbstbestimmung. Das Mittel ist heteronom gegenüber dem Eigentümer des Unternehmens. Das Lebewesen kann also nicht mehr seinen natürlichen Zweck verfolgen, sondern wird funktionalisiert. Seine Würde ist eingeschränkt.

Wenn man sich fragt, wie und warum der Zivilisationsmensch so handelt, enthält vermutlich jede sinnvolle Antwort darauf einen Verweis auf das Bewusstsein von den Folgen der kollektiven Handlungen.

Verdrängung und Ignoranz

Der Teufel steckt im kapitalistischen Vernunftbegriff, der eben auf den ersten Blick betrachtet vernünftig erscheint, auf den zweiten Blick hingegen nicht hinreichend vernünftig ist. Das Grundproblem des kapitalistischen Vernunftbegriffs ist die Beschränkheit des menschlichen Wissens in Kombinatition mit der Illusion der Objektivität. Die Konsequenzen des eigenen Handelns sind für Viele nicht überschaubar. Wir glauben nur allzu gerne, dass wir schon alles wissen und die Dinge richtig einschätzen können.

Der Mechanismus der kapitalistischen Schöpfung soll dem „Standard“ und »Normbewusstsein« verborgen und in ihm also vom Bewusstsein ins Unbewusste abgespalten bleiben.

  1. Da sprach Salomo: Die Sonne hat der HERR an den Himmel gestellt; er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen.
  2. So habe ich nun ein Haus gebaut dir zur Wohnung, eine Stätte, dass du ewiglich da wohnest.

Es ist außerdem eine weit verbreiteten Haltung, nicht alles wissen zu wollen, weil man sich dadurch kognitiv oder emotional überfordern könnte. Hierbei wiegt und wirkt die Ignoranz (Abspaltung) der Bestimmenden, die „Mächtigen“ der Welt gegenüber der ganzen Wirkung des eigenen Handelns besonders schwer. Nur allzugerne übersehen die meisten von uns die negativen Folgen des Handelns, von dem sie selbst zu profitieren glauben.

„Wir bauen uns ein Haus mit Mauern und mit einem Zaun drum herum und grenzen (spalten) uns von der Umwelt ab. Unser Bewusstsein reicht bei manchen nur bis zum Tellerrand, bei den nächsten bis zum Gartenzaun bei Wenigeren bis zur Stadt- oder Landesgrenze, während niemand kognitiv oder gar emotional dazu in der Lage ist, das Ganze wahrzunehmen. Das Möbelstück oder die Innenauskleidung der Yacht aus Tropenholz ist zwar teuer, aber auch schick, und die Kosten für die Abholzung tragen andere oder spätere Generationen. Das Kleidungsstück soll günstig sein. Uns interessiert nicht, dass Menschen am Ort der Herstellung regelrecht ausgebeutet werden.“

„Wir wissen es nicht. Wir spalten uns davon ab. Mit uns hat das nichts zu tun, nein, wir nicht.“ In Jesaja Kapitel 6 heißt es:

  1. Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht!
  2. Verstocke das Herz dieses Volks und lass ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.

Wir Menschen haben alle eine jeweils eigene Sicht auf die Welt. Dies liegt im Wesentlichen in der Konstruktion unseres Wahrnehmungs- und Gedächtnisapparats, dem Gehirn, sowie den individuellen Lebenswegen und den unterschiedlichen Kontexten, in denen wir uns aufgehalten haben und durch welche sich unsere individuellen Wirklichkeitsauffassungen gebildet haben, begründet. Es ist eine sehr alte Weisheit, alle Lebewesen anzuhören, die von unserem Tun beeinflusst sind und ihnen gegenüber „fair” im Sinn des Goldenen Gleichgewichts zu sein. In Könige 8 gibt es z.B. das Gebot an die Herrschenden, die Knechte und Mägde und also auch die nicht-menschlichen Knechte, die Mittel für ihre Zwecke sind, anzuhören:

  1. Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?
  2. Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir:
  3. Lass deine Augen offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet,
  4. und wollest erhören das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie hier bitten werden an dieser Stätte; und wenn du es hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.

Wieviele von uns sprechen denn schon für die Armen und Ausgebeuteten der Welt, die uns unsere Kleider nähen und die Rohstoffe für unsere Smartphones und Fernseher aus der Erde holen? Wer spricht für die Tiere und die übrige Natur, die unter den Zerstörungen, den Vergiftungen dem Raub ihres Lebensraums leiden?

Ist der Urzins noch zu retten?

Die Vernunft und der Urzins wird wohl zu retten sein, aber die positiven Geldmarktzinsen am Ende des reifen Kapitalismus sicher nicht. Unser Empathiemangel geht nicht allein auf die Beschränktheit des menschlichen Geistes zurück, sondern auch auf die Beschränktheit seiner kollektiven Fortsetzung, der Kommunikation. Bewusstseins- und Kommunikationsgrenzen verlaufen an Grenzen von Sprachen und Nationen. Lieferketten verlaufen infolge der Globalisierung über viele Ländergrenzen, doch solange das Bewusstsein der ökonomisch Herrschenden, und das sind nicht nur die „Kapitalisten”, die Sparer und die Verwalter riesiger Privatvermögen, sondern auch die Produzenten und Konsumenten der Realwirtschaft, über all Grenzen ausdehnen, die zwischen ihnen und ihrem Einflussbereich liegen, wissen diese Handelnden nicht, was sie tun.

Kapitalismus ist in seiner Endphase im führenden Sinn eine Planwirtschaft der Reichen der Welt, die, wie man an den regelmäßigen Treffen im schweizerischen Davos sehen kann, sehr wohl länderübergreifend miteinander in Kommunikation stehen. Das kollektive Bewusstsein und die Handlungsfähigkeit der aller wird zum Ende des Kapitalismus hin immer weiter auf den Bereich der immer weniger werdenden Reichen eingeengt, so wie sich die Pyramide nach oben zuspitzt. Doch selbst wenn die NETTO Profiteure des positiven Zinses durch das entsprechende Abhören und Verfolgen der Meinungen und Stimmungen in der Gesellschaft von den Problemen wüssten, wären sie absolut überfordert, sich in die Lage jedes Einzelnen hineinzuversetzen, um der vielen Probleme und Missstände Herr werden zu können. Zudem werden die Reichen im Verlauf des reifen Kapitalismus immer weniger und sind schon allein mit der Verwaltung ihres immer weiter und stärker anschwellenden Vermögens völlig überfordert.

Die Initiative für den Wandel kann daher nicht (allein) von den Reichen ausgehen, auch wenn sie ökonomisch dazu prädestiniert sind, sondern sie muss, vor allem im Hinblick auf die fundamentalen privatrechtlichen Mechanismen einer Negativzins-Ökonomie, von den Menschen im unteren Bereich der Vermögens- und Einkommenspyramiden ausgehen. Das Grundproblem in diesem Wandel hin zu einer nachhaltigen Art des Wirtschaftens ist die unmittelbare Ermöglichung der Verfolgung selbstbestimmter Zwecke aller Lebewesen, inclusive des (abhängigen) Menschen also mehr Freiheit und Selbstbestimmung für alle „Nutzlebewesen”. Mehr Handlungsfreiheit bedeutet für den Menschen ein höheres Einkommen oder niedrigere Preise, doch darf der zusätzliche Handlungsfreiraum nicht dazu führen, dass nicht nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen bestehen bleiben können. Der Souverän wird daher zur Bewältigung der Missstände mithilfe einer Negativzins-Ökonomie nicht ohne das Instrument der Lenkungssteuer auskommen, denn mehr Freiheit für die Massen hat, wie Gegenwart zeigt, nicht zu mehr Nachhaltigkeit geführt.

Wenn man sich fragt also, wie der Wandel hin zu nachhaltigem gelderwerbstätigem Handeln hin gelingen kann, dann ist das zunächst eine Frage der Bewusstheit, dann der Einsicht in die Notwendigkeit, dann des Wollens und schließlich der Finanzierung.

Ausbeutung und Tötung von Tieren in der Massentierhaltung.



Plastik in der Nahrungskette.

Lochfrass am Antlitz der Erde. Ich nenne die Wüsten auch die „Zivilisationsglatze” des vom Menschen beherrschten Planeten.

Der Erdüberlastungstag markiert den Tag im Jahr, bis zu dem sich die Menschheit von ihrer Umwelt so viel genommen hat, wie sich innerhalb eines Jahres regenerieren kann.

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'Wirkung des Kapitalismus auf die Umwelt'