$ \def\tr{\text{tr}} \def\diff{d} \def\medspace{\enspace} \def\mathbi{\mathbf} \def\euro{€} \def\dollar{\$} \def\textnormal{\text} \newcommand\norm[1]{\left\lVert{#1}\right\rVert} $

Die faschistisch organisierten Eigentums- und Machtverhältnisse im Kapitalismus

„Zunächst wird schon oft übersehen, wie vieles, das auf den ersten Blick eine bloß einseitig ausgeübte Wirkung ist, tatsächlich Wechselwirkung einschließt: der Redner scheint der Versammlung, der Lehrer der Klasse, der Journalist seinem Publikum gegenüber der allein Führende und Beeinflussende zu sein; tatsächlich empfindet jeder in solcher Situation die bestimmende und lenkende Rückwirkung der scheinbar bloß passiven Masse; für politische Parteien gilt allenthalben das Wort: »ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«; ja, ein hervorragender Hypnotiseur hat neulich betont, dass bei der hypnotischen Suggestion - offenbar doch dem entschiedensten Falle reiner Aktivität von der einen, unbedingter Beeinflusstheit von der anderen Seite - eine schwer beschreibliche Wirkung des Hypnotisierten auf den Hypnotiseur stattfände, ohne die der Effekt nicht erreicht würde. Jede Wechselwirkung aber ist als ein Tausch zu betrachten: jede Unterhaltung, jede Liebe (auch wo sie mit andersartigen Gefühlen erwidert wird), jedes Spiel, jedes Sichanblicken.“

„Der Leidende, empfangende, der ausführende Teil, dessen Wille ausgeschaltet war, und der einen stummen in der Luft liegenden Gemeinschaftwillen vollführte, war nun er, der so lange gewollt und befohlen hatte. Aber er betonte, dass es auf eins hinaus laufe. Die Fähigkeit, sagt er, sich seiner selbst zu entäußern, zum Werkzeug zu werden, im unbedingten und vollkommensten Sinne zu gehorchen, sein nur die Kehrseite jener anderen, zu wollen und zu befehlen. Es sei ein und dieselbe Fähigkeit. Befehlen und gehorchen, sie bildeten zusammen nur ein Prinzip, eine unauflöslich Einheit. Wer zu gehorchen wisse, der wisse auch zu befehlen, und ebenso umgekehrt. Der eine Gedanke sei in dem anderen einbegriffen wie Volk und Führer ineinander einbegriffen seien, aber die Leistung, die äußerst strenge und aufreibende Leistung, sei jedenfalls seine, des Führers und Veranstalters, in welchem der Wille Gehorsam, der Gehorsam Wille werde, dessen Personen die Geburtsstätte beider sei, und der es also sehr schwer habe.“

In allen kapitalistischen Währungsräumen der Welt gibt es neben den öffentlich-rechtlichen Strukturen des Staates (Exekutive, Legislative und Judikative, öffentlich-rechtliche Medien und die Zentralbank) eine zweite Macht, nämlich das Kapital, dessen Macht- und Herrschaftswirkung den meisten Menschen unbewusst ist. Zum Kapital gehören u.a. das private Eigentum an Geld, Boden, Immobilien, Produktionsmitteln, Unternehmen und Betrieben, Wissen und Patenten nebst seiner Eigentümer und deren Organisationen. Ich unterscheide das Kapital der Realwirtschaft vom Kapital der Leihwirtschaft und nenne erstes Produktionskapital und letztes Leihkapital (siehe Unterscheidung von Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft). Pierre-Joseph Proudhon schreibt in 'Theorie des Eigentums'[4,Kapitel 6, S. 96ff]

Weder in seinem Ursprung und in seinen Anfängen, noch in seinem Inhalt darf man den Grund des Eigentums suchen - unter all diesen gesichtspunkten kann das Eigentum uns nicht mehr bieten, als der Besitz - sondern nur in seinen Zwecken.
[...]
Das Einzige, was wir sicher vom Eigentum wissen und aufgrund dessen wir es vom Besitz unterscheiden können, ist, dass es absolut ist und missbraucht werden kann; na, dann müssen wir wohl in seinem Absolutismus und in den diversen Formen seines Missbrauchs, um nichts Schlimmeres zu sagen, seine Zweckbestimmtheit suchen.
[...]
Alle Arten von Missbrauch, deren das Eigentum sich schuldig machen kann, und sie sind ebenso zahlreich, wie tiefgreifend, lassen sich auf drei Kategorien zurückführen, je nach dem Gesichtspunkt, von dem aus man das Eigentum betrachtet, Formen politischen, wirtschaftlichen und sittlichen Missbrauchs.
[...]
Es ist also erwiesen, dass das Eigentum als solches an keine bestimmte Staatsform gebunden ist; dass es sich durch keinerlei dynastisches oder rechtliches Band fesseln lässt; dass seine ganze Politik sich auf ein einziges Wort, nämlich Ausbeutung, zurückführen lässt, wenn nicht gar: Anarchie; dass es für die Staatsmacht der gefährlichste Feind und der treuloseste Verbündete ist; kurz: dass es sich in seinen Beziehungen zum Staat nur durch einen einzigen Grundsatz, ein einziges Gefühl, eine einzige Idee leiten lässt, nämlich durch das persönliche Interesse, durch den Egoismus.
[...]
Das Eigentum ist die größte revolutionäre Kraft, die es gibt und die sich der Staatsmacht entgegenstellen kann. Nun kann diese Kraft an sich weder wohltuend, noch schädlich, missbrauchbar oder nicht missbrauchbar genannt werden: sie steht vielmehr dem Gebrauch, den man von ihr macht, gleichgültig gegenüber; sie kann sich genauso gut als zerstörerisch erweisen, wie sie zu einer bewahrende Kraft werden kann; wenn diese Kraft aber manchmal ganz plötzlich umstürzlerische Auswirkungen hat, anstatt zu nützlichen Ergebnissen zu führen, dann tragen diejenigen Menschen die Schuld daran, die sie lenken und genauso blind sind, wie sie.
Auch wenn ein Staat auf die vernünftigste und liberalste Art und Weise gegründet ist und von den gerechtesten Absichten geleitet wird, so stellt er nichtsdestoweniger eine außerordentliche Macht dar, die in der Lage ist, alles um sich herum auszulöschen, wenn man ihr kein Gegengewicht gegenüberstellt.
Was kann das für ein Gleichgewicht sein?
Der Staat bezieht seine gesamte Macht aus der Zustimmung seiner Bürger. Der Staat ist die Vereinigung der allgemeinen Interessen, die von dem Willen aller seiner Angehörigen getragen wird und der notfalls die Mitwirkung aller individuellen Kräfte dient. Wo ist nun aber eine Macht, die in der Lage ist, der furchtbaren Macht des Staates zum Gegengewicht zu dienen? Es gibt keine andere als das Eigentum. Man nehme die Gesamtheit aller Eigentümer und man wird eine Macht bekommen, die derjenigen des Staates gleichkommt.
Warum, wird man sich fragen, sollte man dieses Gegengewicht nicht ebensogut im Besitz bzw. im Lehen finden?
Weil der Besitz bzw. das Lehen doch selber vom Staat abhängt; weil beides doch im Staat eingeschlossen ist; weil folglich der Besitz, anstatt sich dem Staat entgegen zu stellen, ihm sogar noch zu Hilfe kommt; denn er beschwert doch zusätzlich die Waagschale des Staates: das lässt doch, anstatt ein Gegengewicht für sie zu erzeugen, die Regierung ein noch größeres Gewicht gewinnen. In so einem System haben wir auf der einen Seite den Staat und mit ihm alle seine Untertanen bzw. Bürger; und auf der anderen Seite - nichts. Das ist dann der Absolutismus in seinem unmissverständlichsten Ausdruck und dazu in seiner ganzen Unbeweglichkeit.
Das Eigentum ist laut Proudhon ein Mittel für den Absolutismus und den Missbrauch. Die Staatsmacht muss daher die Macht des Kapitals und der Eigentümer mindestens spiegeln, wenn sich das Kapital nicht über den Staat erheben soll.

Ein übergreifendes Merkmal der meisten materiellen Arten von Kapital ist, dass es sich um tote Materie handelt. Bei den immateriellen Kapitalarten wie Wissen, Fähigkeiten, Informationen und Patente kann die Einordnung in das Schema lebendig/tot offen bleiben. Ich tendiere jedoch dazu, dass es sich auch bei immateriellem Kapital um Totes handelt.

Das Kapital ist privatautonom organisiert, untersteht jedoch (u.a.) über die Geldpolitik der Zentral- bzw. Notenbank und einschlägigen Grundsätzen, wie die Artikel 14 und 15 des Grundgesetzes nebst ihren Ableitungen, wenigstens in Deutschland direkt und indirekt der Kontrolle des Staates. Es kann also nicht uneingeschränkt, sondern nur innerhalb der Schranken der Rechtsordnung über Kapital verfügt werden.

Wesentliche Aufgabe der Geldpolitik ist es, durch entsprechende Einflussnahme die Höhe der Geldmarktzinsen im Währungsraum zu steuern. Die Höhe der Geldmarktzinsen wiederum wirkt sich auf alle anderen Zinsarten der Leihwirtschaft und die Preise (Kaufpreise, Arbeitsentgelte und Preise für Dienstleistungen) der Realwirtschaft aus (siehe Unterscheidung Leihwirtschaft und Realwirtschaft).

Die Funktion des Staates beschränkt sich im Kapitalismus auf ausgleichende Einflussnahme auf die privatautonom gestaltete Marktwirtschaft (Privatwirtschaft), so dass die vorrangigen Grundrechte der Einzelnen gewahrt bleiben. Zur ausgleichenden Einflussnahme erhebt der Staat Steuern auf Vermögensänderungen, also auf Einnahmen und Ausgaben, und verteilt diese über die Gewährung staatlicher Leistungen um. Vermögen hingegen werden steuerlich nicht angetastet, denn das stünde im logischen Widerspruch zur wesentlichen Regel des Kapitalismus, dem Prinzip positiver Zinsen. In diesem Sinn ist der Zins eine negative Vermögenssteuer. Das Erheben von Zinsforderungen durch die Eigentümer des Leihkapitals gegenüber seinen Besitzern ist nichts anderes als die älteste Form der Besteuerung der Untertanen.

Es ist, auch und gerade im Hinblick auf die Möglichkeit negativer Geldmarktzinsen, wichtig zu verstehen, dass und wie sich die Funktionsteile des Staates, speziell die Verwaltungsstrukturen und die fiskalischen Behörden aus den Intermediären der Leihwirtschaft (Vermögensverwalter, Rittertum) entwickelt haben (Norbert Elias in Über den Prozess der Zivilisation über die Soziogenese des Staates und die Entstehung des Beamtentums).

In diesem Abschnitt geht es um die Struktur des Systems von Verträgen, mit der das Kapital, bzw. seine Eigentümer, sein Wachstum auf der Grundlage der Schöpfungs- und Schaffenskraft des Lebendigen organisiert (Reproduktionskopplung zwischen Kapital und Lebendigem). Die Strukturen, die man dort in unmittelbarer Nähe des Kapitals findet, sind in der Regel hierarchisch (griechisch archein = herrschen). Die Beziehungen zwischen den Hierarchieebenen bestehen in Leihverträgen (dem Prinzip des Lehens folgend), in denen Eigentum und Besitz des Leihkapitalguts voneinander getrennt sind, und in Weisungsverhältnissen (Rolle des Vasallen, die heutigen Vermögensverwalter). Aus dem so gesponnenen Netzwerk extrahieren die Eigentümer und Gläubiger zukünftige Möglichkeiten in Höhe der Zinsen, also der Wachstumsraten des Kapitals, indem sie den Zinsschuldnern Notwendigkeiten in Form von an die Schuldner gestellten Forderungen zumuten und diese Forderungen mit rechtsstaatlichen Mitteln (pacta sunt servanda) durchsetzen (Der Zins und Gleichgewicht der Bestimmung, Die Goldene Regel und das Gleichgewicht der Bestimmung).

Die Schnittstelle, durch die der Zins zum Kapital hinfließt, besteht im Bankennetz, im Markt zur Vermietung von materiellem Kapital und im Allgemeinen in und auf allen Märkten, auf denen Verfügungsrechte an Leihkapital von Eigentümern an Besitzer verkauft werden. An dieser Schnittstelle wird der Zins von den Menschen auf der einen Seite genommen und den Menschen der anderen Seite gegeben. Der Zins entsteht jedoch nicht „aus dem Nichts“, sondern wird immer „erwirtschaftet“ bzw. „vom Leben in Form von Arbeit gegeben“ (Definition des Arbeitsbegriff hier). Dies geschieht entweder durch Arbeit, von Menschen und Tieren und der übrigen Natur und letztendlich immer durch eine mehr oder weniger subtile, unbewusste Abzweigung der Arbeitskraft, die ich, ähnlich wie Proudhon, als Diebstahl qualifiziere. Folgerichtig heisst das Eigentum auch privat, lat. geraubt, und folgerichtig ist die Verallgemeinerung des Arbeitsbegriffes (innerer und äußerer) Stoffwechsel und die unmittelbar an der Leihnehmerseite angeschlossenen Arbeitsmärkte sind Anschlüsse an die Quellen der Zinsen.

Im Verlauf des Eingliederungsprozesses in die Eigentümerstruktur, die »Matrix«, wenn man will, entstehen als logische Konsequenz des positiven Zinses infolge der Wirkung von Zinsschulden und der daraus entstehenden Vertragsabschlusszwänge Räume monetärer Möglichkeiten. Der für die Gesamtbetrachtung wichtigste Aspekt dieser Räume, die wie Trauben an einem Weinstock hängen, ist die Frage, ob aus jeweils einem Raum NETTO Zinsen hinein oder hinaus fließen (zinsneutrale Schicht). Im Kapitalismus gilt in der Regel, dass umso mehr Zins aus dem Raum hinaus fließt, je kleiner er ist und umgekehrt, dass absolut umso mehr Zins in den Raum hineinfließt, je größer er ist.

Der Begriff des Zins-Faschismus, den ich in diesem Abschnitt schärfen möchte, verdankt seine Prominenz den sozialen Ereignissen in Europa in den ersten zwei Dritteln des 20. Jahrhunderts. Was heute gemeinhin als der »Faschismus des 20. Jahrhunderts« bezeichnet wird, ist der sichtbar gewordene Teil des Zins-Faschismus. In der politischen Theorie ist das Phänomen im Ablauf des Zyklus der Verfassungsformen als Tyrannis bekannt[2]. Zuletzt wurde der Begriff in den politischen Herrschaftsformen in Europa zwischen der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Ende des 2. Weltkriegs geprägt. Insbesondere im Prinzip der Gleichschaltung während der Machtergreifung durch die NAZIs trat das Prinzip der Hierarchie als eine Ordnung der Nomie hervor.

Der Zyklus der Staatsformen. Der (kapitalistische) Zeitfluss verläuft dem Uhrzeigersinn entgegen.

Bei genauerer Analyse offenbart sich Einigen, dass die Faschismen des 20. Jahrhunderts extremistische Fortsetzungen des Kapitalismus sind, die in der Akkumulationskrise des Spätkapitalismus erscheinen und die ordnende und Orientierung vermittelnde Wirkung des Zinses zu ersetzen versuchen. Jedenfalls sind die bisherigen Faschismen allesamt „kapitalkonservativ” gewesen. Die Organisationsstruktur von Wirtschaft und Gesellschaft im reifen Kapitalismus ähnelt stark der mittelalterlichen Herrschaftsform des Feudalismus (in Deutschland vor 1806): Es sind Berufsbilder entstanden, die jeweils eine bestimmte Funktion innerhalb des Gesamtapparats abdecken, in denen die Arbeitenden zunehmend in Abhängigkeit zu den Eigentümern von Kapital geraten, z.B. wenn sich ein Angestellter keine eigene Wohnung mehr leisten kann und eine Wohnung im Eigentum seines Arbeitsplatzgebers beziehen muss. Seine soziale Rolle nähert sich immer mehr jener eines Knechts oder Angehörigen einer Zunft an. Analog sind in der Relation zwischen extremsten Ausprägungen kapitalistischer (Arbeitsorganisation) Herrschaftsformen und den Beziehungsmustern des Feudalismus, das feudum und das Kapital, der Fron und der Zins, der Begriff des Lehnsherren und des Kapitalisten, und schließlich und zentral der Begriff des Vasallen und des Bankers bzw. Vermögensverwalters. Der Zins-Faschismus ist also eine soziale Struktur, die schon seit Langem vorhanden ist, doch nicht bewusst und abgeschieden vom übrigen Teil des kulturellen sozialen Geflechts wahrgenommen wird. Sie tritt in der terminalen Krise des kapitalistischen Prozesses offen als ein Verflechtungen bildendes und Beziehungen knüpfendes Phänomen zutage, das auch als eine Art Angstreaktion betrachtet werden kann. Zentral dabei sind Verlustängste im Hinblick auf das Eigentum, die persönliche Freiheit, die Freiheit der Verfügung über das Eigentum (Schizoidie), und die Verkehrsordnung (Zwanghaftigkeit) sowie die Angst vor Selbstwerdung (Depression) und der Festlegung neuer, anderer Regeln (Hysterie).

Als Quelle für die soziologische Beschreibung des Faschismus dient mir hier insbesondere das Buch Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus (1973), von Alfred Sohn-Rethel, der von 1931-1936 (fast wie ein Maulwurf) Mitglied im Mitteleuropäischer Wirtschaftstag des Deutschen Reichs war. Herfried Münkler und Grit Straßberger geben in "Politische Theorie und Ideengeschichte" einen Überblick über das Phänomen Tyrannis[2].

Terminologie für Organisationsformen und Definition des Faschismus

Die Organisation der kollektiven (harmonisierten) Handlungen (der Akkord) von Menschen, also ihre zentral-koordinierte Arbeit, geschieht über eine Ordnung der Nomie, die sich in den Eigentums und Besitzverhältnissen, also der Vermögensverteilung widerspiegelt. Die Bestimmung über die Arbeit geht von den Kapitalseignern aus, denen auch der Gewinn zufließt. Die Gesetze und Regeln (die Nomie) im Ganzen sind im sich entwickelnden Kapitalismus immer stärker von immer weniger werdenden Menschen bestimmt, denen sich in der Folge immer mehr Menschen fügen müssen. Diese ungleiche Verteilung der Bestimmung (Nomie, Gesetzgebung) resultiert aus der durch den Zinsmechanismus stetig zunehmenden Ungleichheit der Vermögen.

Ein Vermögen wiederum ist ein monetäres Maß von Möglichkeiten. Selbstbestimmte Handlungsmöglichkeiten haben aufgrund des Zinses im reifen Kapitalismus immer weniger Menschen. In der Folge sind immer mehr Menschen relativ zu den Wenigen fremdbestimmt und müssen sich der Anstrebung der Zwecke der Wenigen unterordnen.

Als Grundlage für diesen Abschnitt definiere ich hier zunächst die Begriffe der Hierarchie und Heterarchie, die komplementäre Extremformen nomischer Netzwerke sind. Wesentliche Bestandteile von nomischen Netzwerken sind:

Die Form der Hierarchie findet sich auf nahezu allen Skalen der menschlichen Organisation. Sie spiegelt die Struktur der Direktion im Militär, in Unternehmen und auch auf der makro-ökonomischen Skala in der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft, denn die Vermögensverteilung, die die Eigentums und Beteiligungsverhältnisse an Unternehmen darstellt, ist eine Verteilung der monetären Nomie.

Harmonie

Der hier dargestellte Zins-Faschismus ist eine hierarchische Organisationsstruktur innerhalb der Kultur (Gesellschaft und Wirtschaft zusammengenommen). Die Höhe des Vermögens regelt darin die Direktion seiner Knotenpunkte. Bei gleichem Zinssatz haben große Vermögen eine höhere, kleine Vermögen eine niedrigere Direktionswirkung. Die Strukturbildung ist gerichtet auf eine Herstellung von Harmonie, also die Ausgeglichenheit (Spannungsfreiheit) der Bilanz (Einhaltung von Verträgen) durch das Entfernen oder Verdrängen von Direktionskonflikten, also gegeneinanderstehende Bestimmungen, nomische Divergenzen. Die Einhaltung von Verträgen sichert das Rechtsstaatsprinzip des Systems. Direktionskonflikte bestehen z.B. in der fehlenden Passgenauigkeit und Anschlussfähigkeit aufgrund der Andersartigkeit eines Elements oder in zuwiderlaufenden Zwecksetzungen miteinander in Beziehung stehender Elemente (Zielkonflikte). Die Eingliederung neuer Elemente in das hierarchische System geschieht in einer Übertragung des Wertesystems (Sozialisation durch die Internalisierung von Zwängen).

Sozialer Graph eines hierarchischen nomischen Netzwerks. Die Kreise (Knotenpunkte) symbolisieren Menschen oder auch Gruppen von Menschen. Die Pfeile zwischen den Kreisen geben eine Richtung (Direktion) der Bestimmung an (Weisungsrichtung). Die sich im Kapitalismus, also bei positivem Zins entwickelnde Ordnung der Nomie ist eine Hierarchie. Dies ist in der Grafik rechts oben zu erkennen, wenn das im Knoten mit dem Index 0 zusammenlaufende Netzwerk nach absteigender Ordnung sortiert wird. Das Bild das man auf diese Weise erhält, ist eine Pyramide.

Rang

In der Beziehung der Menschen untereinander ist für Hierarchien die Ungleichwertigkeit der Menschen, dargestellt in ihrem Rang innerhalb des Wertesystems, und die Weisungsgebundenheit (Unterwerfung und Fügung) gegenüber den im Wertsystem höher Stehenden wesentlich. In den Beziehungen der Menschen außerhalb des Geldsystems ist eine pathologische Form dieser im Geldsystem propagierten Ideologie der Ungleichwertigkeit das Phänomen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

Der Faschismus (Tyrannis) ist ein nomisches Netzwerk, in dem es nur einen Knoten gibt, der bestimmt (der Führer) und in dem es sehr viele übrige Knoten gibt, über die nur bestimmt wird (die Basis). Die Knoten zwischen Führer und Basis sind sowohl bestimmend als auch fremdbestimmt. Der Führer ist der einzige Autonome, die Basis ist vollständig heteronom. Zwischen Basis und Führer gibt es graduell verlaufende Mischzustände in Bezug auf die Bestimmung / Nomie. Die Durchsetzung der Direktion geschieht im Faschismus durch Anwendung von Gewalt. Im Gegensatz zur Monarchie ist die Rangordnung seiner Elemente nicht materiell, also auf das Eigentum am Kapital begründet, sondern begründet sich auf ein ideologisches Wertsystem, in dem nicht allein das Kapital den Rang definiert. Dieses Wertsystem muss aber nicht im Widerspruch zur System der Kapitalwerte stehen.

Der Faschismus ist also eine hierarchische Organisationsform. Er unterscheidet sich nur im Ausmaß der Gewaltausübung von anderen hierarchischen Organisationsformen wie der Monarchie.

Sozialer Graph mit hierarchischer Ordnung der Nomie infolge des Zinsflusses. Direktion und Zinsfluss sind einander entgegen gerichtet.

Das Gegenteil der Hierachie ist die Heterarchie, in der in den überwiegend sozialen Beziehungen (den Kanten) die Direktion in etwa gleich verteilt ist. Im Mittel bestimmt also niemand (allein) und über niemanden wird (nur) bestimmt. Autonomie und die Heteronomie sind also, anders als in Hierarchien, in einem Gleichgewicht.

Als bekannteste Beispiele von Heterarchie ist das Prinzip der Arbeits- und Funktionsteilung in der Realwirtschaft zu nennen und die Art von Austausch und Organisation von Organen im menschlichen Körper.

Im Folgenden zeige ich, wie eine die Spielregeln des Kapitalismus anwendende heterarchisch organisierte Gesellschaft, in der der Funktionscharakter dominierend ist, zunehmend in eine hierarchisch organisierte Gesellschaft überführt wird. Der heterarchische (der Funktions-) Teil der Organsiation geht dabei jedoch nicht verloren, sondern wird dem hierarchischen Teil, geordnet entlang des emergierenden Wertsystems, unterworfen. Um eine ungefähre Vorstellung der Dynamik der Faschisierung im kapitalistischen Prozess zu erhalten, studiere man z.B. eine einfache numerische Simulation hier.

Schuld und Zwang

Das Wesentliche bei diesem Ordnungsvorgang des Kapitalismus, der im Zins-Faschismus seinen Ausdruck findet, sind die positiven Zinsen in den Leihverträgen und deren Wirkungen auf die benachbarten, an Märkten gebildeten Geldbeziehungen. Zinsen sind auf der einen Seite des Leihvertrags (künftige) Guthaben und auf der anderen Seite (gegenwärtige) Schulden. Der Zins ist auf der Seite des Leihnehmers eine Geldschuld, die er in seinem Netzwerk verteilen muss (»Streuung«), wenn er sie nicht selbst annimmt (»Absorption«). Zunächst müssen beim hier zentralen Begriff der Schuld Mehrdeutigkeiten geklärt werden.

In einem Wörterbuch findet sich zu Schuld:

  1. Zuschreibung von Ursächlichkeit von etwas als schlecht Bewertetem: Ursache von etwas Unangenehmem, Bösem oder eines Unglücks, das Verantwortlichsein, die Verantwortung dafür. Nach einem Ereignis mit als unangenehm, böse oder Unglück bewerteten Folgen, das in der Wirksphäre eines Einzelnen stand, liegt diese Bedeutung von Schuld in der Zuschreibung von Ursächlichkeit.
  2. Qualifizierung des Verstoßes gegen ein Wert(e)system: bestimmtes Verhalten, bestimmte Tat, womit jemand gegen Werte, Normen verstößt; begangenes Unrecht, sittliches Versagen, strafbare Verfehlung. Diese Bedeutung von Schuld basiert auf der Einordnung von Verhalten in ein überindividuelles Wertsystem. Schuld hat derjenige, der gegen Bestimmungen oder Werte des Wertsystems verstößt.
  3. Monetäre Schuld: Geldbetrag, den jemand einem anderen schuldig ist.
  4. Erinnerung an eine Hingabe: in »[tief] in jemandes Schuld sein/stehen«. Diese Definition basiert auf einer Hingabe in der Vergangenheit, der bis in die Gegenwart noch nicht durch eine Gegenleistung ausgeglichen wurde.

Die ersten beiden Formen der Schuld beziehen sich auf ein Wert(e)systems, das Verhalten oder Geschehnisse aufgrund ihrer Wirkung auf Betroffene als gut oder schlecht einordet. Luhmann nennt die Einordnung und Abhandlung von Verhalten binäre Schematismen. Sie bilden einen Teil des überindividuellen Wert(e)systems.

Die letzten beiden Schuldformen bemessen in der Gegenwart oder in der Vergangenheit Ausgetauschtes: eine Schuld des Schuldners besteht gegenüber etwas oder jemandem, dem Gläubiger, und sie besteht in einer materiellen (in Form eines Geldbetrags) oder immateriellen Forderung des Gläubigers gegenüber dem Schuldner. Der Gläubiger glaubt an oder hofft auf den Ausgleich der Schuld durch den Schuldner.

Physikalisch betrachtet ist eine Schuld analog zu einer elektrischen oder auch einer mechanischen Spannung, die eine Neigung zur Relaxation hat. Die Relaxation (oder der Ausgleich) einer Schuld kann durch Beibringung eines der Schuld entsprechend angemessenen Guts gegenüber dem Gläubiger geschehen. Sehr viele immaterielle Schulden (z.B. der Verlust von Angehörigen, Umweltschäden, Artensterben) haben jedoch keinen Ausgleich, der entstandene Schaden ist „nicht wieder gut zu machen“.

Zu Zwang findet sich im Wörterbuch:

  1. Einwirkung von außen auf jemanden unter Anwendung oder Androhung von Gewalt,
  2. starker Drang in jemandem,
  3. Beschränkung der eigenen Freiheit und Ungeniertheit, mit der sich jemand anderen gegenüber äußert,
  4. starker Einfluss, dem sich jemand nicht entziehen kann,
  5. von gesellschaftlichen Normen ausgeübter Druck auf menschliches Verhalten,
  6. Bestimmung der Situation in einem Bereich durch eine unabänderliche Gegebenheit, Notwendigkeit,
  7. (Psychologie) das Beherrschtsein von Vorstellungen, Handlungsimpulsen gegen den bewussten Willen.

Eine monetäre Schuld stellt einen ungerichteten Handlungszwang dar. Ungerichtet ist der Zwang, weil dem Schuldner offen steht, wie die Schuld beglichen wird. Eine Schuld stellt eine Zwang dar, da der Schuldner gegenüber dem Fall der Unschuld etwas tun muss. Seine Privatautonomie (Artikel 2 Abs. 1 GG) ist also eingeschränkt. Dies stellt sich z.B. in Vertragsabschlusszwängen dar, also in dem Vorgang, der zur Erweiterung der Eigentumsmatrix um weitere Zinsgeber führt (Zins und das Gleichgewicht der Bestimmung). In diesem Aspekt des Faschismus ist auch der Charakter eines Ponzi-Schemas oder Schneeballsystems erkennbar: Die neu Hinzugewonnenen werden ausgebeutet und bewirken mit ihrer über die Annahme von Schulden erzwungenen Hingabe (des Zinses) die Ausdehnung der Gesamtstruktur. Das dazugehörige makrosoziologische Phänomen hieß schon immer Imperialismus später in seiner modernen, faschistischen Form Kolonialismus. Heute heißt es Globalisierung.

Die Beziehung zwischen Geldschulden und Zwängen (vgl. zum Verhältnis der goldenen Regel mit dem nomischen Gleichgewicht) betone ich hier, um begreifbar zu machen, wie die auf der Aktivseite der Bank, und im Allgemeinen die Seite der Leihnehmer, relativ zu einer Situation von 0% Zins Zinsschulden zu Handlungszwängen führen, während auf der Passivseite (im Allgemeinen die Seite der Leihgeber) zusätzliche Möglichkeiten und also Freiheiten entstehen, denn ein Geldguthaben ist ein Kontingenzmaß (Maß für Freiheiten und Möglichkeiten ohne Notwendigkeiten), und eine Geldschuld ist ein Obligationsmaß (Zwangsmaß, Maß für Notwendigkeit). Die makroökonomische Beschreibung dieses Schuldverdrängungsprozesses über Märkte habe ich im Abschnitt über die Zins-Allokation beschrieben. Die mikroökonomische Beschreibung, die Störung der Preisbildung an Märkten, findet sich im Abschnitt über Zins, Preise und Stoffströme.

Faszination

Der Vortrieb des faschistischen Netzwerks ist letztlich auf das (kapitalistische) Kapital rückführbar, das zu seinem Wachstum seinen Wachstumsquell, die menschliche Arbeit und ihre Bedingungen immer stärker kontrollieren (»faszinieren«) muss. Seine Organisationsform ist sektenartig-mafiös, sie besteht in Seilschaften, Verbindungen und Beziehungen, die an einem Ende seiner Teilgraphen am Kapital ankoppelt und am anderen Ende an seinem Wachstumsquell, der menschlichen Arbeit, den Notwendigkeiten zu ihrer Reproduktion, ihren Bedürfnissen und Bedingungen.

Bilder mit Fasziengewebe, das Muskeln und Organe umschließt und über das Informationen der zentralen Verarbeitung zugeführt wird und über das Befehle aus der zentralen Verarbeitung an das Organ oder den Muskel gesandt werden.

Ein Teil der Organe dieses in die Kultur eingebetteten faschistischen Netzwerks sind die Intermediäre der Leihwirtschaft, die in der Einleitung erwähnte Schnittstelle. Dazu gehören im Wesentlichen Banken und Vermögensverwalter, doch sind im Prinzip alle Institutionen und Märkte, in und auf denen vertragliche Beziehungen geknüpft werden, in denen einseitig Zinsen aus Arbeitsprozessen und Stoffwechselvorgängen abgezapft werden, Teil dieses faschistischen Netzwerks der Eigentümerstruktur, also Pacht-, Miet- und Immobilienmärkte, sowie Börsen, an denen Anteile an Unternehmen und Betrieben (Aktien) gehandelt werden.

Sein Einfluss auf die Gesetzgebung macht der Faschismus über den Lobbyismus und andere Formen der Einflussnahme auf Politik geltend. Ideologisch dem Zinsnehmen verbundene Menschen handeln in seinem Sinn jedoch auch in anderen nicht-staatlichen Organisationen wie Gewerkschaften, Zeitungen, Zeitschriften, privaten und öffentlichen Medien und in anderen Verbänden und Vereinen - bewusst und unbewusst.

Zu nennen sind insbesondere auch kapitalistische „Denkschulen”, wie die Freiburger Schule, die Frankfurter Schule, die österreichische Schule, die Miserianer, Chicago School of Business. Auch in Denkfabriken und in Beratungsunternehmungen, wie PWC, Ernst and Young, KPMG, Deloitte und anderen, herrscht natürlich kapitalistische Ideologie und kommt zur Anwendung.

Gegenstand des folgenden Abschnitts ist die Beschreibung der relativ kleinen gesellschaftlichen Gruppe, die den Prozess der aktiven Organisation der vertraglichen Beziehungen des seine Macht bereichernden Kapitals im voranschreitenden Kapitalismus und seine Aufrechterhaltung bewirkt. An dieser Organisation sind öffentliche Personen wie auch Privatleute, Stiftungen und auch sog. geheime Gesellschaften beteiligt. Angehörige dieser Ursekte der Menschheit, im Folgenden auch „Zins-Sekte” genannt, finden sich überall, doch sind sie nur schwer zu erkennen, wenn man keine Ahnung von Zinsmechanismus hat.

Die Zinssekte, der theo-ökonomische Komplex und seine Evolution

Den folgenden Text und die hier vorgetragene Vorstellung der Zinssekte habe ich aus eigenen Gesprächen gewonnen. An der Existenz dieser Sekte und deren Korrelate und Assoziaten, wie bestimmte religiöse Sekten, Denkschulen und „Geheimgesellschaften”, habe ich überhaupt keinen Zweifel mehr, da mir diese Menschen immer wieder begegnet sind. Ich muss hier deutlich machen, dass die Darstellung sehr subjektiv ist. Ich erhebe hier keinerlei Anspruch auf Objektivität. Der Bezugspunkt meiner Einordnung und also der Darstellungshintergrund sind meine bis heute gefundenen Erkenntnisse zur Funktionsweise des Kapitalismus.

Angehörige dieser ältesten und gefährlichsten Sekte der Menschheit erkennt man im Gespräch daran, dass sie logischen Argumentationen unzugänglich sind, die die moralische und ethische Grundlage das Zinsnehmens hinterfragen, diese in Zweifel oder Abrede stellen, obwohl diese Menschen mit konziser logischer Argumentation typischerweise grundsätzlich keine Schwierigkeiten haben. Über die Gründe für dieses Verhalten kann ich nur spekulieren. Ich betrachte alles für möglich zwischen ideologischer Verblendung, opportunistischer Befangenheit, weil sie Nutznießer der Herrschaft des Geldes sind, bis hin zu Psycho- und Soziopathologie. Rational, „klug”, sozial oder Ähnliches ist das Zinsnehmen nicht. Es ist einfach das zentrale, älteste und mächtigste Herrschaftsmittel des Zivilisationsmenschen über seine Untergebenen und die Wurzel allen Übels der Welt.

Die Menschen einer Sprache können grob in Wissende und Nichtwissende unterteilt werden, wobei die Gruppe der Nichtwissenden sehr viel größer ist als die Gruppe der Wissenden. Das Prädikat 'wissend' beziehe ich hier auf die Kenntnis wesentlicher Wirkweisen des Zinsnehmens sowie des Zinsvorzeichens. Die Nicht-Wissenden, die „geistig Armen”, wie sie im neuen Testament in Matthäus 5:3 (Teil der sog. Bergpredigt) genannt werden, die „Lämmer” oder „Schafe”, sind entsprechend diejenigen Menschen, die über gar kein oder nur über oberflächliches Wissen der Wirkweise von Zinsen verfügen, das in ihrem Bewusstsein zudem typischerweise in inkohärenter, teilweise inkonsistenter, jedenfalls nicht kompakter, sondern eher unübersichtlich empfundener Form präsent ist.

Erfahrungsgemäß wissen relativ Vermögende eher von der Bedeutung des Zinses als Unvermögendere. Menschen, die über gar kein zinstragendes Vermögen verfügen, sind eher unwissend. Die Zinssekte selbst ist eine Teilgruppe der Wissenden (im neuen Testament die „Kinder des Bösen” in Matthäus 13,36-42), denn ihre Kenntnisse führen sie in ihren Handlungen. Ich ordne diese Gruppe teilweise als böse und seelisch abartig (!) ein und unterscheide sie damit von anderen Wissenden, die den Zins als unabwendbares Übel betrachten und zwar wissen, dass das Zinsnehmen die seelische Krankheit des Zivilisationsmenschen ist, jedoch zu feige oder zu schwach sind, etwas dagegen zu unternehmen. Einige dieser nicht-bösen Wissenden beschränken ihren passiven Widerstand darauf, darüber zu wachen, dass die Zinssekte, wenn sie sich überhaupt zum Zinsnehmen äußert, wenigstens keine Lügen verbreitet. Andere schweigen sich zwar darüber aus, stützen also die Herrschaft der Zinssekte, haben es sich aber zur Lebensaufgabe gemacht, wenigstens die schlimmsten Symptome des Kapitalismus zu bekämpfen, wie den Menschen- und Organhandel, den Waffen- und den Drogenhandel, also die organisierte Kriminalität. Nicht selten findet man daher in der Exekutive aufgeklärte Beamte.

Die Anhänger der Zinssekte haben öffentliche und private Organisationen als Maulwürfe unterwandert und verhindern dort das Bewusstwerden der jeweils spezifischen Wirkweise des Zinsvorzeichens. Die Adressaten der Manipulationen der Zinssekte sind die einflussreichsten Institutionen (Gewalten) eines Landes. Dazu gehören:

  1. die Legislative, die Exekutive und die Judikative (zwischen Lobbyismus und Korruption),
  2. die Zentralbank (Geldpolitik),
  3. die internationalen Verträge (Handelsabkommen),
  4. die Medien (Verzerrung der Außenwahrnehmung / Wirklichkeit),
  5. Die Gewerkschaften und ihre Funktionäre,
  6. die politischen Parteien,
  7. die Kirchen, inclusive Moscheen, Synagogen, Tempel und sowie die immateriellen religiösen Institutionen,
  8. Sozialverbände und übrige gesellschaftliche Gruppen.

Zur Aufrechterhaltung ihrer Macht ist das wichtigste Ziel der Zinssekte die Aufrechterhaltung der Latenz (09.20.2018), also des Nichtwissens und Unbewussten in Bezug auf die Wirkung des Zinsvorzeichens. Die Mittel zu diesem Zweck sind Maßnahmen zur Unterdrückung des Bewusstseins:

Es fällt mir sehr schwer, Erklärungen dafür zu finden, warum Wissende mit gutem Ruf und gesellschaftlicher Stellung seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nicht ihre ganze Kraft dafür aufwenden, die Nichtwissenden auf allen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanälen über die Wirkung der Zinsen aufzuklären.

Das kapitalistische Wertsystem, sein Darwinismus und seine Übertragung

Charles Darwin postulierte nach seinen Reisen um die Welt und seinen Beobachtung die Theorie der Evolution. Nach seiner Evolutionstheorie sind die durch Paarungen einerseits immer wieder neu entstehenden, den Eltern andererseits jedoch verwandten Lebewesen in ihrer Existenz in der Umwelt einem natürlichen Selektionsprozess unterworfen (vergleiche hierzu auch Selektion von Algorithmen in der Informatik, in der MCMC Integration in der stochastischen Modellierung sowie als Symptom einer perversen menschenverachtenden Ideologie während des N.s. Regimes in Deutschland 1933-1945), der gerade diejenigen genetischen Codes (Bauplan des Lebewesens) überleben lässt, die am besten an die Umweltbedingungen angepasst sind.

Neben den natürlichen Selektionsmechanismen schafft die Wirkung des Zinses im sozialen Gefüge einen künstlichen Selektionsmechanismus, dessen Auswahlkriterien von den Kapitalseignern bestimmt wird (Tagebuch am 25.08.2018, 28.01.2020). Es überleben auf diese Weise die am besten an den Kapitalismus und an die vom Kapitalismus geschaffene künstliche Welt Angepassten. Dies stellt einen schwerwiegenden und potenziell gefährlichen Eingriff in die Naturgesetze dar, denn falls die vom Kapitalismus geschaffene künstliche Welt zusammenbricht, und das tut sie immer wieder, dann ist der Mensch wieder den natürlichen Umweltbedingungen ausgesetzt, denen er vor dem Zusammenbruch nicht mehr ausgesetzt war. Hat der Mensch insbesondere verlernt, in der natürlichen Umwelt zu überleben, dann wird er zwangsläufig sterben.

Als monetär messbare Auswahlschwelle, ab der ein Mensch systemisch als eigenständig überlebensfähig definiert werden kann, dient im Kapitalismus der kritische Eigentums- und Besitzstand (vgl. die Schwelle zur eigenständigen Existenz). Die Auswahlregeln des kapitalistischen Selektionsprozesses bestehen mindestens in der Akzeptanz der kapitalistischen Grundwerte. Es kommen jedoch mit der Zeit komplexere Wert hinzu, die auf die kapitalistischen Grundwerte aufbauen. Das Wertsystem wird in der Erziehung durch die Eltern in Kindergärten, Schulen, Ausbildung, Studium und Fortbildung übertragen und führt so zur Ausbildung von zivilisatorischen Persönlichkeitsmerkmalen.

Prinzipien der Wertung, der Ungleichwertigkeit und der Wertung des Selbst

Das in Gesetze gefasste Wertesystem einer Gesellschaft, das ethische, moralische und sittliche Gebote enthält, dient der Qualifizierung und Diskriminierung von Absichten, Zuständen und Handlungen. Roten Linien gleich definiert das Wertesystem Normgrenzen innerhalb derer sich Absichten, Zustände und Handlungen ereignen sollen. Ungleichbehandlung setzt ein, wenn die so definierten roten Linien übertreten werden. Die wohl fundamentalste Ungleichwertigkeit von Menschen in einem Rechststaat ist die Unterscheidung von Bürgern und Nichtbürgern, bzw. Inländern und Ausländern. An diese Differenzierung sind eine Ungleichbehandlung und unterschiedliche rechtliche Privilegien geknüpft. Doch auch bei voller Privilegierung und so definierter Legalität, also Konformität mit den Gesetzen, existiert im Kapitalismus ein sozialer Raum, in dem Menschen völlig legal ungleich behandelt werden können.

Wie ist das Wertesystem entstanden? Offensichtlich hat es mit Geld zu tun, denn das Produkt menschlicher Arbeit und die Arbeit werden in Einheiten des Geldes gemessen, also bewertet, doch erklärt dies z.B. nicht Schulnoten und andere nicht-monetäre Wertungen menschlicher Leistungen z.B. Blutwerte, andere Messwerte und sittliche, moralische oderr ethische Werte.

Weil ich es an anderer Stelle ausbreite, gehe ich hier nicht näher auf die Gesamtheit des Wertesystems ein und greife nur den für die hiesigen Ausführungen relevanten Aspekt heraus, nämlich die Bewertung von menschlicher Arbeit und Dienstleistung (Lohn, Gehalt, Sold, usw.) samt ihrer Produkte, also des Werte von Waren und Gütern. Es ist dabei auch gerade zu berücksichtigen, dass bei vielen Menschen der Selbstwert mit dem Wert verknüpft ist, den die Gesellschaft der Hingabe des Menschen zuweist.

Machtmittel in der Verzerrung des Gleichgewichts der Bestimmung

Keine Herrschaft kommt ohne Herrschaftswerkzeuge aus. Ich nenne einige der offensichtlichsten und bekanntesten Verzerrungen des Gleichgewichts der Bestimmung. Man muss im Gesamtsystem des darin koexistierenden und interagierenden Staates und der Privatwirtschaft (inclusive des Eigentums) legale Machtmittel unterscheiden, die aus der Durchsetzung der Bestimmungen von Gesetzen oder Verträgen erwachsen.

Im Fall von Gesetzen leitet der herrschsüchtige Gegner seine Durchsetzungsbefugnis aus seiner Position ab, z.B. seinem Beamtenstatus, wenn er Angehöriger der Verwaltung ist oder Ordnungspolizist, Mitarbeiter in Sozialbehörden, des Arbeitsamtes, Jugendamtsvertreter, Polizist, Staatsanwalt, anderer Teile der Exekutive oder der Judikative, z.B. Richter. Der unterlegene Gegner ist der Mensch, der eine Ordnungswidrigkeit begangen hat, der gezwungene oder gar sanktionierte Sozialleistungsbezieher, der Familienangehörige, der unter den Einfluss einer Maßnahme des Jugendamts gerät, der Täter, der Verurteilte, der Untertan (Rousseau im Gesellschaftsvertrag) oder es sind Kriminelle, Abweichler, Gefährder, Querulanten, Verschwörungstheoretiker, Spinner, usw. die Diskriminierten. Doch auch Angehörige des Staates können die Unterlegenen sein, denn niemand steht über dem Gesetz.

Bei Verträgen der Privatwirtschaft kommen dauernd bestehende, laufende Verträge in Betracht, z.B. Miet- und Pachtverträge, Darlehensverträge, worin der herrschsüchtige Gegner der Gläubiger, Leihgeber, Eigentümer, Vermieter oder der Grundherr ist oder Arbeits- und Dienstleistungsverträge, in denen der Fordernde der Vorgesetzte, Arbeit„geber“, Chef oder der Abteilungsleiter usw. ist und sein Forderungsrecht aus dem Vertrag ableitet. Die unterlegenen Gegner sind in privatwirtschaftlichen Beziehungen die Vertragspartner, also die Schuldner, Leihnehmer, Besitzer, Mieter, Pächter, Darlehens- und Kreditnehmer oder der Anleihenemittent. In Arbeits- und Dienstleistungsverträgen sind es entsprechend die Nachgesetzen, Angestellten, nicht-selbstständig und also weisungsgebundenen Mitarbeiter und Angehörigen eines Unternehmens oder Betriebes, der Dienstleister oder der Dienstleistungskunde.

Märkte, auf denen Kauf- und Dienstleistungsverträge geknüpft werden, nehmen eine Sonderstellung ein. Wird über Kauf- oder Dienstleistungsverträge Macht ausgeübt?

Das ist zunächst ein befremdlicher Gedanke in einer Kultur, die das Ideal „freier” Märkte propagiert, also Beziehungen mit fast, aber in Wahrheit subtil gestörter doppelter Kontingenz. Kauf- oder Veräußerungszwänge erscheinen den meisten als illegal, und es ist schon allein in der Betrachtung der Gebundenheit oder der Dauer des Vertrages klar, dass sich die Machtwirkungen in zeitlich punktuell geschlossenen Kaufverträgen, die einem Einzelereignis entsprechen, von jenen Wirkungen unterscheiden, die in dauerhaft bestehenden Vertragsbeziehungen existieren (können).

Diese hochgehaltene Eigenschaft eines Marktes „frei” zu sein ist jedoch auch bei dauernd bestehenden Dienstleistungsverträgen das Kriterium für die auf den ersten Blick fehlenden Machtausübungen. Man denkt: wenn einem der Kunde nicht passt, dann meidet man ihn, wenn der Dienstleister keine gute Arbeit abliefert, dann nimmt man einfach einen anderen. Diese Austauschbarkeit der Vertragspartner, die Kontrahentenwahlfreiheit, sowie die Rigidität der staatlichen Regulierung ist bei Arbeitsverträgen weniger gegeben als bei Dienstleistungsverträgen und wohl deswegen sind Verbraucherschutzorganisationen nicht-staatliche Interessenvertreter. Doch vor genau diesem Hintergrund wird die Austauschbarkeit des Kontrahenten als Drohungszwang eingesetzt, und dann verlagert sich der Zwang von der Ausdehnung der Grenzen der statischen Fassung des Vertragsinhalts im dynamisch evolvierenden nomischen Gleichgewicht auf Vertragsabschluss und Vertragsbeendigung, wobei dann die Vertragsinhalte feststehen und nicht veränderbar sind, z.B. in Knebelverträgen, bei Ramsch und anderer Ware mit ethisch oder ökologisch fragwürdiger Herkunft. Die Opfer solcher auf „freien“ Märkten geschlossenen Verträge, vorrangig die Konsumentenverträge in den entwickelten oder relativ wohlhabenderen Ländern, sind daher auch nicht selten nicht unter den unmittelbaren Vertragspartnern zu finden, sondern z.B. an den Anfängen und im mittleren Teil der z.T globalisierten Wertschöpfungs- und Lieferketten. Wie genau es zu den Vertragsabschlusszwängen, die für das Verständnis der makrosoziologischen Entwicklung wohl wichtigsten Einschränkungen der Privatautonomie in den unteren Teilen der Vermögens- und Einkommenshierarchie kommt, beschreibe ich im Abschnitt Der Zins und das Gleichgewicht der Bestimmung.

Ich interessiere mich im Folgenden vor allem für die in dauerhaft bestehenden Verträgen stattfindenden Machtausübungen, die unmittelbar aus dem Zinsmechanismus folgen und seine unmittelbare (a)soziale Wirkung sind. Es geht daher auch nur ein Teil sämtlicher Machtausübungen auf den Zins zurück. Dadurch, dass der Staat über die grundlegende Regel jeder Privatrechtsordnung pacta sunt servanda wacht, wirkt der Staat als eine Art „Katalysator” für die durch das Kapitalwachstum erzeugten Veränderungen infolge der Durchsetzung von Zinsforderungen. Nur um diese Zinsforderungen und deren Durchsetzung geht es mir.

Teile und Herrsche

Das Werkzeug der Schuldverteilung und der Organisation des Netzwerks ist unter der lateinischen Bezeichnung divide et impera für Teile und Herrsche bekannt. Der Begriff der Herrschaft, den ich hier meine, ist die Durchsetzbarkeit einer Forderung zur Anpassung oder Hergabe zusätzlicher oder anderer Arbeit, die aus Verträgen oder Gesetzen abgeleitet wird.

Die Herrschenden handeln nach Maßgabe von Werten und Bilanzen.

bivalente Logik Begriffe, Wissen, Weltanschauung und Glauben. Logisch komplementäre Weltanschauung, „Anti-Welten“, Reduzierte Wirklichkeitsräume - Reduktionen der Wirklichkeit, Verdrängung, Spaltung

[...]

Arbeitsteilung, Fachidioten und Controlling. Verbergen von Wissen zur Verhinderung von Macht,

Teilung der Wissenschaften in jeweils unterkritische Wissensmassen.

BWL/VWL - Kapitalmarkttheorie und Tauschwirtschaft, aber „nichts“ dazwischen, Verschleierung der Geldschöpfung und der „Erschaffung“ von Geld. Mangelhafte bis ungenügende Geldtheorie, Mystifizierung und künstliche Verkomplizierung der Wirtschaftswissenschaften, usw....

Psychologie - Rechts„wissenschaften“ - Soziologie - Ökonomie -

Jesaja Kapitel 5:

  1. Weh denen, die das Unrecht herbeiziehen mit Stricken der Lüge und die Sünde mit Wagenseilen
  2. und sprechen: Er lasse eilends und bald kommen sein Werk, dass wir's sehen; es nahe und treffe ein der Ratschluss des Heiligen Israels, dass wir ihn kennen lernen!
  3. Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!
  4. Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!

Gewährung von Kredit

Aufteilung der Bestimmung: Investor ob Existenz (ja/nein), Unternehmer wie (Modus) Joseph Schumpeter in Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung:

Nur der Unternehmer bedarf prinzipiell des Kredits, nur für die industrielle Entwicklung spielt er eine wesentliche Rolle, d.h. eine Rolle, deren Berücksichtigung zum Verständnis des ganzen Vorgangs wesentlich ist. Auch sieht man auf Grund der Ausführungen des zweiten Kapitels [u.a. Definition des Unternehmertyps, Skizzierung des Durchsetzens neuer Kombinationen und Produktionsweisen] sofort, dass auch das Korrelat der These gilt, nämlich der Satz, dass alle wirtschaftliche Entwicklung, wo es keine Verfügungsgewalt der Führer gibt, prinzipiell des Kredits bedarf.

In diesem Sinn ersetzt die Gewährung von Kredit Führerschaft und Führung. Der Unternehmer führt durch die Durchsetzung neuer Ideen und dient dabei der Vermehrung des Geldes der Kreditgeber.

Durchsetzung von Begünstigungen über das politische System: Subventionen ud Steuererleichterungen

[...]

Das Phänomen des Faschismus im Europa des 20. Jahrhunderts

1973 veröffentlichte Alfred Sohn-Rethel in Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus die Erinnerungen an seine Zeit bei den Mitteleuropäischen Wirtschaftstagen 1931-1936, einer Politikberatungsgesellschaft im Deutschen Reich, die Empfehlungen an die Wirtschaftspolitik der Regierung erarbeitete. Seine Schilderungen umfassen nicht nur ökonomische und wirtschaftliche Entwicklungen dieser Zeit, sondern auch soziologische, darunter das Verhältnis der wesentlichen, widerstreitenden Gruppen. Seine Darstellung verwendet marxistische Terminologie, z.B. 'absolute Mehrwertproduktion', die unter Zuhilfenahme der Definition wahrscheinlich in eine sprachliche Darstellung übersetzt werden kann, die zu allen historischen Zeiten der gleichen Phase des kapitalistischen Prozesses, Tyrannis, zutrifft. Ich ziehe in diesem Abschnitt die aus meiner Sicht wichtigsten Textstellen heraus und kommentiere sie vor dem Hintergrund des oben Ausgeführten.

Zur Ausgangslage beschreibt SR die Jahre nach der Weltwirtschaftskrise sowie die vorweg gegangenen Transformationsprozesse in der Ökonomie der Weimarer Republik, die sich als Folge von Rationalisierungen in einem Umbau von einer freien in eine Verbundwirtschaft darstellten (siehe 12.03.2020). Das Kapital „verklumpte” gewissermaßen und bildete Trusts, Kartelle und Monopole („wachsende Steigerung der Kapitalintensität”). Das Ziel der Rationalisierung war mögliche Bedienung der Nachfrage an den Weltmärkten, die jedoch infolge der WWK 1929 ausblieb. In der Folge des Einbrechens der Nachfrage stiegen die fixen Kosten des Produktionskapitals am Absatz und erschwerten so Anpassungen an die veränderte Nachfrage. Das resultierende Dilemma beschreibt SR so:

Diese Unwirtschaftlichkeit gründet vor allem in dem Auseinanderklaffen der Produktionsökonomie der fixen Kosten und der Marktökonomie der Nachfrage- und Preisbewegungen, ein Auseinanderklaffen, das um so deutlicher wird, je konsequenter sich die Betriebsleiter von den produktionsökonomischen Gesichtspunkten leiten lassen.
[...]
Das Bild ist klar. In der Rationalisierungskonjunktur der zwanziger Jahre wirkt sich eine neue Produktionsökonomie der fixen Kosten aus, die ihre Regulative nicht mehr in der Nachfrage und im Markte hat, sondern in einer inneren Zeitökonomie des modernen Arbeitsprozesses. Aus den Folgen dieser neuen Produktionsökonomie und ihrer Diskrepanz zur Marktökonomie ergibt sich der Zwang zum Monopol. Oder, besser gesagt, da die Produktion aus Gründen ihrer Kostenstruktur sich nicht mehr den Marktregulativen unterwerfen kann, muß versucht werden, die Marktentwicklungen den Notwendigkeiten der Produktionsökonomie zu unterwerfen. »Monopolismus« ist nur der zusammenfassende Name für diese Versuche. Und was die »fixen Kosten« anlangt, die hier als der Demiurg unseres Verhängnisses figurieren, so ist das nichts als der verdinglichte Ausdruck der hochgradigen Vergesellschaftung der Arbeit im modernen Produktionsprozeß. Was also hier vorliegt, ist in der Tat die Erfüllung einer Prophezeiung von Marx und Engels, nämlich daß die unaufhaltsam steigende Vergesellschaftung der Arbeit — oder wiederum verdinglicht ausgedrückt: die steigende »organische Zusammensetzung des Kapitals« — an einem gewissen Punkt der Entwicklung in unvereinbaren Widerspruch mit der Warenökonomie der privaten Appropriation geraten würde. Die Waren- und Marktökonomie entstammt in ihrem Ursprung der Vereinzelung der Arbeit in Gestalt »voneinander unabhängig betriebener Privatarbeiten« (Marx), also dem entgegengesetzten Prinzip zum kontinuierlichen Prozeß und zur Fließarbeit, worin im 20. Jahrhundert die Vergesellschaftung der Arbeit eine spezifische Struktur von normativer ökonomischer Bedeutung — ein »von den Arbeitern selbst unabhängiges objektives Skelett«, wie Marx es ausdrückt— gewonnen hat.
Heute, in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, hat die Unvereinbarkeit der beiden heterogenen Ökonomien die großen Privatkonzerne zur Planung und genauen Programmierung ihrer Vorgehensweise gezwungen, womit sie die Widersprüche zu überbrücken versuchen, um sich der nötigen Verklammerung von Produktions- und Marktökonomie im vorhinein zu versichern. Aber damals, nach dem Ersten Weltkrieg, befand sich die neue Ökonomie des Arbeitsprozesses noch in ihrer Gründerzeit und steuerte blindlings und ahnungslos in das ökonomische und gesellschaftliche Chaos hinein, das aus dem unvermittelten Zusammenstoß der beiden Ordnungen resultierte.

Die oben genannte „Verklumpung des Kapitals”, das eine immer höher integrierte Form annahm, beschreibt SR wie folgt:

Das Ergebnis war eine sehr erhebliche Einsparung von Feuerungsanlagen und -Stoffen, aber auch eine Verkettung aller Werksabteilungen derart, daß sie nur noch als geschlossene Gesamtheit wie ein einziges riesenhaftes Uhrwerk produzieren konnten. Die Synchronometrie aller Teile war zu solcher Perfektion gebracht, daß die ungeheure Anlage von einem zentralen Schaltwerk durch zwei oder drei Oberingenieure überwacht und gesteuert werden konnte. Technik und Ökonomie waren in eins verschmolzen. Aber auch die fixen Kosten waren auf einen neuen Gipfelpunkt gestiegen — und hatten damit ein Hochmaß an Krisenanfälligkeit des Gesamtunternehmens erzeugt.

Die so entstandene Maschinerie benötigt zur Tilgung der hohen Fixkosten Nachfrage, und diese sollte die faschistisch organisierte Staatsmacht besorgen:

Um Nachfrage dieser Art effektiv zu machen, bedarf es einer Staatsmacht, die die Bezahlung für solche Produktion der Bevölkerung aufzwingt. Wir haben es hier smit einer eindeutigen Alternative zum konkurrenzwirtschaftlichen Kapitalismus zu tun, d. h. zu einer Produktionsweise, deren privates Profitstreben den Marktregulativen unterworfen ist.

Eine der Ursachen für den deutschen Faschismus war also in der vom Kapitalismus induzierten Konzentration des Kapitals zu finden. Die errichtete Produktionskapazität traf jedoch auf eine stagnierende Nachfrage, so dass sie an ihrer eigenen Last zusammenbrechen musste.

[...]

Referenzen / Einzelnachweise

Querverweise auf 'Die faschistisch organisierten Eigentums- und Machtverhältnisse im Kapitalismus'