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29. November 2018

Konjunkturzyklen und aktuelle Entwicklungen zur Geldpolitik der USA

Wer sich eine Grafik macht, in der seit Anfang der 1980er Jahre die Leitzinsen der USA mit den Arbeitslosenzahlen und den Unternehmenspleiten verglichen werden, der erkennt das wirklich einfache Strickmuster der Geldpolitik der FED der Vergangenheit:

der Zyklus beginnt mit dem Anheben der Zinsen. Die Zinsen sind noch niedrig und die Nachfrage nach fremdem Kapital entsprechend hoch. Die Wirtschaft arbeitet mit geliehenem Geld, muss aber immer etwas mehr zurückzahlen als sie bekommen hat.

Die Nachfrage zieht die Zinsen hoch, was die boomende Wirtschaft, die mit fremdem Geld vollgepumpt ist immer mehr abzukühlen beginnt, denn es muss ja nicht nur das geliehene Geld zurückgezahlt werden, sondern auch noch der Zins!

Es ist so wie die Reise nach Jerusalem: in der Realwirtschaft werden mit der Zeit die Stühle knapp und „der Herr” rationalisiert (Zombie-) Unternehmen und Arbeitsplatz weg, wenn die Tilgung der vergebenen Kredite am Ende angekommen ist und der Zins nicht irgendwie anders eingespart werden kann. Das Ergebnis der Ausrottung ineffizienter Arbeit ist die Maschinisierung, der Fortschritt.

So entstehen die Arbeitslosen und irgendwann beginnt die Arbeitslosigkeit zu steigen. Etwas später, aber nahe an diesem Zeitpunkt, denn der Zombie-Unternehmer entlässt zuerst seine Angestellten bevor er selbst pleite geht, steigen die Unternehmenspleiten an.

Dies ist der Zeitpunkt, ab dem die Zentralbank damit aufhört, die Zinsen zu steigern und beginnt, die Zinsen wieder abzusenken.

An oder kurz vor diesem Punkt steht der Zyklus in den USA jetzt gerade.

Der Abschwung beginnt, der Konsum bricht ein, weil die Kaufkraft aufgrund der zunehmenden Arbeitslosigkeit einbricht, die verbleibenden Unternehmen bekommen Absatzschwierigkeiten, Existenzangst geht um und breitet sich aus.

Die Zinsen sinken auf das (positive) Minimum, die Pleiten werden behandelt, insolvente, bankrotte Unternehmen liquidiert, Arbeitslose orientieren sich neu, qualifizieren sich fort und warten darauf, dass die Zinsen wieder steigen und der Zyklus wieder von vorne beginnt.

Die Interaktion eines Wirtes mit einem Parasiten

Um ein einfaches Bild zu benutzen, stelle man sich die Interaktion zweier Spezies vor: ein Wirt und ein Parasit.

Zu Beginn des Zyklus gibt der Parasit dem Wirt die Lebensgrundlage, die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken, das Geld auf Kredit, fordert aber in steigendem Maß, denn der Wirt will immer mehr davon und wächst daran auch immer stärker, mehr zurück als er gegeben hat, schließlich ist er ja ein Parasit.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, ab dem das vom Wirt an den Parasiten Zurückgegebene das Hingegebene übersteigt.

Das ist der Moment, ab dem der Wirt rationalisieren muss. Er trennt sich von uneffizienten Zellen und Organteilen. Der Parasit bemerkt das natürlich und fährt seine Zinsforderung zurück, damit der Wirt nicht unter der Ausbeutung kollabiert, sondern sich anschließend wieder erholen kann, denn der Parasit braucht ja den Wirt um selbst leben zu können.

Der Sparer ist der Parasit und die Realwirtschaft ist der Wirt. Ohne die Arbeit der Kreditnehmer (private Haushalte, Unternehmen und der Staat) ist der Sparer ein Nichts!

Sind die Zinsen dann niedrig, erholt sich der Wirt langsam, die Zellen und Organteile reorganisieren sich, passen ihre Funktionen an spezialisieren sich (Arbeitsteilung, funktionale Differenzierung) und das Spiel beginnt von vorne.

So in etwa ist wohl die einfachste Konjunkturtheorie gestrickt.

Ausblick

Wenn man sich jedoch die Welt anschaut (die Umweltschäden, die sozialen Spaltungen, die Ungleichheit, die Kriege um Ressourcen, die Migrationsbewegungen, usw.), dann weiß man, dass das nicht ewig gehen kann, denn mit der Zeit wird die so akkumulierte Geldmenge so groß, dass die Zinsen nicht mehr hoch steigen können, ohne die Realwirtschaft zu überfordern.

Es tritt das ein, was Marx mit seinem Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate im III. Band des Kapitals beschrieb: die Zinsen sinken und kommen irgendwann über ein paar Basispunkte nicht weiter hinaus.

Mit Blick auf die Staatsschulden und die Migrationsbewegungen der stuhllos Gewordenen der Welt, die Millionen Migranten aufgrund von (Bürger-) Kriegen, Umweltzerstörung und wirtschaftlicher Not, stehen wir nun an einem besonderen Punkt in der Geschichte der Menschheit, der schon seit Langem vorausgesehen wurde.

Viele Menschen wissen mittlerweile, dass die Zinsen auch negativ sein können und so manche(r) weiß sogar, dass eine Wirtschaft unter einer Negativzins-Ökonomie keine solche konjunkturellen Schwankungen mehr hat.

Ein Blick auf die Vermögensverteilung der Welt sagt uns: die Reichen müssen nicht noch reicher und die Armen dürfen nicht noch ärmer werden, nicht noch mehr Arten dürfen ausgerottet und die Umwelt darf nicht weiter zerstört werden.

Es ist Zeit für eine globale Negativzins-Ökonomie!

Querverweise auf 'Konjunkturzyklen und aktuelle Entwicklungen zur Geldpolitik der USA'