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5. Mai 2019

E-Mail von People United an Kaufland

Die folgende E-Mail schreibt eine Umwelt-Aktivistin von People United an die Leitung von Kaufland. Sie spricht damit das wesentliche Problem an, das gewöhnliche Verbraucher bei der Bewältigung der drückenden Umweltprobleme haben. Sie haben keine Wahl und können ihre Macht als Konsumenten nicht entfalten. Sozio-ökonomisch ist die fehlende Konsumfreiheit eine Einschränkung ihrer Privatautonomie, was sich mit der These deckt, dass der Zins in den pyramidialen Einkommens- und Vermögensverhältnissen nach unten Notwendigkeiten in Form von Einschränkungen der allgemeinen Handlungsfreiheit (Vertragsabschlusszwänge, vgl. zum Begriff des Kontrahierungszwangs) verteilt und nach oben Möglichkeiten in Form von Kontingenzen hinzuwachsender allgemeiner Handlungsfreiheit (Privatautonomie), denn Menschen, die arm sind, haben am Supermarktregal keine Wahl, und von dieser eingeschränkten Wahlfreiheit (eingeschränkte Kontrahentenwahfreiheit durch Mono- und Oligopole) profitieren in jedem Fall ökonomisch höher Stehende. Schaden nimmt die Umwelt des Systems. Das Muster ist bekannt: der Nutzen wird privatisiert und die Schäden werden sozialisiert.

Die Lösung der ökologischen und der sozialen Frage müssen nicht gegeneinander konkurrieren. Wir wissen, dass seit 2012 geld-politische Lösungen in Form einer Umlaufsicherung in Vorbereitung sind, um sowohl das ökologische als auch das soziale Problem gleichzeitig zu lösen, denn die gehen, wie hier wieder einmal deutlich wird, Hand-in-Hand.

Aus der E-Mail

Sehr geehrte Leitung von Kaufland Deutschland,

Sie haben sicher gesehen, dass sich die Gesellschaft viele Gedanken über die Zukunft macht, auf den Straßen streikt und um mehr Umweltschutz kämpft. Schon immer bemühte ich mich persönlich darum, umweltfreundlich und -bewusst zu leben. Wie viele andere Menschen will ich durch mein Leben so wenig schlechten Einfluss wie möglich auf die Natur ausüben. Ich nehme mir die Zeit, um an Sie zu schreiben, weil das im Folgenden Beschriebene ein sehr wichtiges gesellschaftliches Problem anspricht.

Tun Sie mir den Gefallen, gehen Sie in Ihre Geschäfte und versuchen Sie sich einmal alles zum Leben Nötige zu kaufen, ohne Kunststoffverpackung, ohne BPA-oberflächenbehandelte Metall-Dosen, in Glasflaschen, ohne Chemie und mit Warnungen, dass sie giftig ist (giftig für uns bedeutet giftig für die Umwelt und verantwortlich für das Aussterben dutzender Tausend Tierarten am Land und im Meer), versuchen Sie Papier-Produkte ohne Folie zu finden, Kleidung ohne schädliche Farbstoffe und Polyester, Kosmetika ohne Kunststoff... Fleisch, Käse, Obst, Gemüse usw komplett ohne Kunststoff, mit Information über den Gehalt an Pestizide n und Chemie, Elektrogeräte und andere Kunststoff-Produkte und Verpackungen mit Informationen über den Gehalt an Weichmachern und nichts darüber, wie lange sie in der Umwelt zerfallen werden...

Das muss sich ändern!

Daher lautet meine Frage an Sie:

Wie können wir als Verbraucher auf in Kunststoff verpackte Lebensmittel verzichten, wenn uns die meisten Produkte nur in Kunststoff verpackt zur Auswahl stehen?
Kaufland gehört zur Schwarz-Gruppe. Könnten Sie bitte mit Ihrer Marktmacht und Ihren Möglichkeiten dem Wunsch der Gesellschaft nachkommen, ihr Begehren spiegeln und eine Verpackungsalternative bei Grundprodukten anbieten, die kein Kunststoff enthält? Sie haben die Macht, Ihren Lieferanten/ Herstellern Vorgaben an dieser Stelle zu machen.

Ich hätte gerne:

  1. Käse, Fleisch, Obst und Gemüse ohne Kunststoffverpackung, so dass ich meine eigene Dose oder Verpackung mitbringen kann, worauf Ihr Mitarbeiter an der Theke einen Aufkleber mit den Rechnungsdaten aufkleben würde,
  2. vegane Produkte angeboten bekommen in biologisch abbaubarer oder Mehrweg-Glas-Verpackung, ohne Verpackung oder verpackt in biologisch abbaubarem Kunststoff,
  3. alle Taschentücher und andere Zellstoff- und Papier-Produkte und Toilettenpapier nur in Papier-Verpackung,
  4. Alternativen zu Shampoos und Spülungen, die man in bisher nur in umweltschädlichen Kunststoff-Flaschen kauft und wenigstens ein kleines Regal mit umweltfreundlichen Produkten wie in Papier abgepackte Seife, Haarseife, Haarspülung in Blockform, nicht flüssig,
  5. Haar- und Zahnbürsten und sonstige Bürsten, sowie Besen aus Holz,
  6. Bio-Geschirr-Schaum aus Naturmaterialien,
  7. einfachen Essig fürs Putzen in Glasflaschen,
  8. Reis, Pasta, getrocknete Linsen, Bohnen und andere trockene Samen, Nüsse und Waren ohne Verpackung und in variablen Absatzgrößen in 'pro kg' abgerechnet und verkauft in Papiertüten oder in mitgebrachter Verpackung,
  9. biologisch abbaubare und umweltfreundliche Hygiene- und Haushaltsmittel, Spülmittel und Spülmaschinen-Tabletten,
  10. alle Trocken-Tier-Nahrungsprodukte in Papier verpackt,
  11. keine Wegwerf- bzw. Einweg-Kaffee-Kapseln mehr, stattdessen nur Mehrweg-Kaffee-Kapseln zur Nachbefüllung aus Metall, [Anmerkung: das Problem mit Metall ist: Aluminium macht blöd, deswegen wurde es aus dem Deo verbannt, die Metalldosen müssen deswegen von innen beschichtet werden, damit kein giftiges Metalloxid in die Nahrung gelangt, zur Beschichtung wird BPA verwendet..., andere Beschichtung ist teuer.]
  12. voll Mehrweg-Trinkflaschen und Lebensmittel-Dosen nur aus Glas, Holz oder Metall,
  13. waschbare Stoff-Menstruationsbinden und Slip-Einlagen aus Stoff in verschiedenen Größen,
  14. Stoff-Windeln für Babies,
  15. Müllbeutel biologisch abbaubarem, umweltfreundlichen Kunststoff,
  16. keine pfandfeien Plastiklaschen, nur Mehrwegflaschen,
  17. alle Getränke, die es im Markt gibt in Glasflaschen,
  18. Verkaufshinweis in Bezug auf den Gehalt von BPA und anderen schädlichen Weichmachern an allen Elektrogeräten und Kunststoff enthaltenden Produkten,
  19. Süßigkeiten und Margarine ohne Palmöl (Palmöl Plantagen, töten Regenwälder) und Rapsöl (voller Pestizide),
  20. dass Ihre Werbeprospekte in keine Kunststoff-Tüte mehr verpackt werden und zusammen mit der Werbung anderer Geschäfte nur nach Anfrage in unsere Briefkästen geworfen werden,
  21. keine Eier in Kunststoff-Hüllen mehr, nur in Pappe (ist ja schon fast so)
  22. Alternativen zu Süßigkeiten in Kunststoff-Verpackungen, ohne oder in Papier-Verpackung,
  23. Verkaufshinweis 'Bleichmittel-frei' an allen Tampons, Binden, Klo-Papieren, Küchenpapieren und umweltfreundliche Alternativen,
  24. Schminke-Entfernungs-Tücher aus mehrfach brauchbaren Naturstoffen,
  25. Statt flüssige Schminke-Entfernungs-Seife in Kunststoff-Flaschen nur biologisch abbaubare Verpackungen und Glasflaschen als Alternativen,
  26. Metall, Glas-Strohhalme als Alternativen und kein weiterer Verkauf von diesen und anderen Wegwerf-Kunststoff-Produkten, solange die Hersteller das Produkt nicht aus biologisch abbaubarem Kunststoff anbieten,
  27. kein in Kunststoff verpacktes Obst, Gemüse, Blumen mehr, sondern Verpackung in Papier und Pappe oder ohne Verpackung
  28. Milch in Glasflaschen
  29. Joghurts nur noch im Glas oder in biologisch abbaubarem Kunststoff, das Selbe soll für alle Lebensmittel, Soyaprodukte, Cerealien und Müsli usw. gelten,
  30. Metall-Alternativen zu Mülleimern, Eimern und Gießkannen
  31. Keramik, Glas und Metall-Pflanzen-Töpfe usw. anstatt Kunststoff
  32. keine Wegwerf-Kunststoff-Teller, -Tassen, -Beutel, -Besteck usw., die nicht aus biologisch abbaubarem Kunststoff gemacht sind. Ein deutlicher Verkaufshinweis muss an jedem Produkt stehen.
  33. kein Bier in Kunststoff-Flaschen mehr,

Was ist hier hinzuzufügen?

Sie werden ganz sicher deprimiert sein wie ich und viele andere Menschen, dass wir auf so viel verzichten müssen, um die Umwelt zu schützen. Die meisten Kunststoff-Verpackungen werden nicht recycled. Das ist eine der größten Lügen unserer Gesellschaften Europas, dass angeblich Kunststoffe wiederverwendet werden, denn die meisten Kunststoffarten sind nicht rezyklisierbar.

Seien Sie die Zukunft, bieten Sie mehr an als die anderen, zwingen Sie die Hersteller zur Verantwortung für unsere Umwelt, die Sie kaputt machen. Bitte handeln Sie, indem Sie die Verpackung von unseren Waren durch umweltfreundliche, kunststofffreie ersetzen, indem Sie die Verpackungsfolie durch Metall-Kraten, Karton und wenn es sein muss, biologisch abbaubare Folie ersetzen bitte! Ich bitte Sie, Seien Sie das Geschäft, das umweltbewussten Menschen eine Alternative anbietet und machen Sie es richtig. Verweisen Sie in Ihrer Fernsehwerbung auf Ihr nachhaltiges Handeln als Antwort auf das gesellschaftliche Verlangen nach Liebe für unsere Erde. Geben Sie ein Beispiel und zeigen Sie die Alternative auf zu einer Industrie und Kapitalisten, die es uns unmöglich machen, umweltfreundlich zu essen und leben.

Seien Sie das Unternehmen, das eine vorbildliche Veränderung bringt. Beweisen Sie uns, dass sich die Großunternehmen auch wirklich für die Umwelt einsetzen! Sie können es zu Ihrem großen Vorteil machen, es für die Werbung und Ihren Erfolg nutzen. Wie wäre es, wenn von Kaufland geschrieben würde:

Kaufland reagiert auf die Sorgen, die wir uns um die Umwelt machen. Als erstes Geschäft Deutschlands akzeptiert Kaufland keine in nicht biologisch-abbaubarem Kunststoff verpackte Waren mehr. Die Kette bietet ab sofort seine Produkte des täglichen Bedarfs in biologisch-abbaubaren Alternativen zu nicht umweltfreundlichen Kunststoffen an.“

Schauen Sie sich die Bewegung der Parents for Future an und unterstützen Sie uns bitte darin, einen Supermarkt zu bekommen, in dem wir bewusst und ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen einkaufen können. Waren ohne Verpackung oder mit alternativen, umweltfreundlichen Verpackungen sollen natürlich nicht teurer werden.

Üben Sie bitte Druck auf Ihre Lieferanten aus und werden Sie das Geschäft der Zukunft.

Mit freundlichen Grüßen,
People United
Mannheim

Querverweise auf 'E-Mail von People United an Kaufland'