$ \def\tr{\text{tr}} \def\diff{d} \def\medspace{\enspace} \def\mathbi{\mathbf} \def\euro{€} \def\dollar{\$} \def\textnormal{\text} \def\textrm{\text} \newcommand\norm[1]{\left\lVert{#1}\right\rVert} $
05. Januar 2021

Fortsetzung eines Gesprächs über die Analogie zwischen der Negativzins-Ökonomie und Ökosystemen

Wir führen ein Gespräch fort, das ich am 19.12.2020 in Teilen widergegeben habe. Auch in diesem Abschnitt entferne ich zum Zweck[+] der Anonymisierung Teile des Gesprächs.

Warum verwende ich Analogien?

Liebe XX,

[...]

Ich stelle betrübt fest, dass ich mich immer noch in weiten Teilen meiner Ausführungen missverstanden sehe. Das Modell[+], das ich vom modernen Kapitalismus[+] habe, basiert weitestgehend auf harten juristischen Fakten. XY benutzt das gleiche "Modell[+]", weil es eben auf Fakten basiert. Als Nächstes möchte ich klar stellen, dass ich den Begriff "Negativzins der Natur" und alles damit Zusammenhängende lediglich dazu nutze, um Analogie[+]übertragungen anzubieten, denn wenn der Negativzins das anthroponomische Analogon des Naturphänomens der Entropie[+]zunahme ist, dann lassen sich Aussagen über Ökosysteme[+] auf eine Volkswirtschaft unter einer Negativzins-Geldpolitik[+] übertragen. Das erlaubt es z.B. Biologen, die sich mit theoretischer Ökologie beschäftigt haben, Aussagen über eine Volkswirtschaft unter einer Negativzins-Ökonomie[+] treffen zu können.

Dieses Analogon des Negativzinses ist jedoch nicht das einzig verfügbare. Ein anderes ist, den positiven Zins[+] als eine Art „künstliche Schwerkraft” zu bertrachten, die dem zinstragenden Eigentum[+] als Masse die der Gravitation[+] analoge Eigenschaft der Massenanziehung verleiht. Wenn man die Dinge unter Zuhilfenahme dieser Analogie[+] ausdrückt, dann kommt man ganz natürlich zu solchen Aussagen wie, dass Kapital „verklumpt” und sich „zusammenballt”, dass wir also Monopolbildung haben und sich monopolistische Konkurrenz[+] ausbildet, bei der die Großen die Kleinen „flach” halten, dass Staaten wir Galaxien sind, Städte wie Sonnensysteme. Die Nutzung dieser zweiten Analogie[+] liefert zum positiven Zins[+] von Lebewesen widersprüchliche Aussagen der ersten Analogie[+], die zwar zur Akkumulation von Biomasse in der Lage sind, dieses jedoch nicht, weil sie Masse haben und daher andere Massen anziehen, sondern weil sie eben lebendig sind und weil Lebewesen Entropie[+]managment betreiben, sich von (relativ) negentropischer[+] Materie ernähren, um „ordentlich” zu bleiben.

Ich will damit sagen, dass ich mit den verwendeten Analogien[+] nur das grobe Verstehen der unter einer Negativzins-Ökonomie[+] wirksamen Mechanismen ermöglichen will. Ich biete nur Bilder an, mit denen man aus der Erfahrung in anderen, u.U. anschaulicheren Bereichen des Lebens und der Welt Aussagen über die relativ abstrakte Welt der (Negativzins-) Ökonomie[+] treffen kann.
Meine Theorie basiert jedenfalls nicht auf den verwendeten Analogien[+]. Meine Theorie basiert auf den knallharten juristischen Fakten, (1.) dem Recht[+]sinstitut des Eigentum[+]s (Teil des GG Art. 2 Abs. 1, freie Verfügung über Eigentum[+], GG Art. 14 und Art. 15), (2.) dem Zins[+]mechanismus und (3.) dem Grundgesetz jedes Recht[+]sstaates, dass Gesetze und Verträge einzuhalten sind (Art. 2 Abs. 2 und § 241 BGB[+], lei et pacta sunt servanda[+]).
Ich kommentiere Dir nun wieder Satz für Satz, weil ich ganz und gar nicht mit der Diskrepanz zwischen dem, was ich meinte, und dem, was Du mir als Verstandenes erwiderst, einverstanden bin.

Kritik am Diskussionsstil

[XX sagt, dass ihr ein wenig zuviel Leidenschaft in der Ausübung meiner Tätigkeit sei, dass diese Leidenschaft Unvoreingenommenheit und eine Sichtweise aus verschiedenen Richtungen einschränke und so das Verständnis der Gedanken meines Gegenübers einschränke. Ich müsse mich von meinen eigenen Auffassungen und Gedanken lösen, um die Gedanken meines Gegenübers nachvollziehen zu können. Genau dies fehle ihr. Ich widerspreche ihr mit einer für sie Erklärung, unbefriedigend sei, weil sie zu eingeengt und zu sehr von Voreingenommenheit gefärbt sei.]
Meine Gesprächspartner sind alle sehr unterschiedlich. So wie wir beide, Du und ich, über die Negativzins-Ökonomie[+] reden, rede ich mit niemand anderem darüber. Es ist mit jedem Menschen ein anderes Gespräch, weil jeder Mensch andere Gedanken einbringt, andere Dinge für wichtig hält und in anderen Begriffen denkt. Für mich ist daher jedes Gespräch eine enorme Bereicherung, weil ich so eine dialektische Vielfalt entwickeln kann, die es mir immer mehr ermöglicht, jedem Gegenüber die Dinge in den Worten meines Gegenübers auszudrücken.

[XX kritisiert meinen Diskussionsstil. Ich interpretiere ihre Aussagen dahingehend, dass ich doch lieber ein bisschen Gras über die Sache lassen wachsen solle.]
Also... die Diskussion über die Negativzins-Ökonomie[+] hat mittlerweile planetare Größenordnung erreicht. Ich finde das Wort Negativzins seit einigen Monaten in den wichtigsten Sprachen der Welt auf allen Plattformen, die ich nutze (Suchmaschinen-Internet, YouTube, Facebook, Twitter, Instagram). Allerdings hat 99% der Menschheit immer noch keine Ahnung, was da gerade passiert, welche Bedeutung es hat und welche tiefgreifenden Veränderungen damit einhergehen. In welcher Geschwindigkeit und mit welchen Teilschritten sich der Übergang zu dieser antikapitalistischen Ökonomie[+] ereignen wird, kann wohl niemand genau sagen. Gegen den Willen der Bevölkerung sollte sie jedenfalls nicht durchgesetzt werden. Es wäre jedoch andererseits fatal - und da sind sich auch die meisten einig - das Gegenteil zu tun und die Zinsen[+] wieder anzuheben. Wir bekämen eine noch sehr viel größere als die Subprime-Krise in den USA, die zur Krise 2007/08 geführt hat.

Es wird daher noch eine Weile so weiter gehen, jedenfalls solange wie dieses verfluchte Virus grassiert. Vorher ist die vollumfängliche Etablierung einer Negativzins-Ökonomie[+] nicht ratsam, denn sie begünstigt die soziale Interaktion, und genau die ist ja nicht gewollt, solange wir diese Infektion haben.

Weitere Anmerkungen zum Begriff des geltenden Toten

[...]
Ich nehme an, dass Du hier vom 'Geld' als dem „systemisch fruchtbaren” Teil des geltenden Toten[+] sprichst und nicht vom 'Zins[+]'. Der Zins[+] ist eine Wachstumrate und hat also die Einheit einer Frequenz. Die systemische Gegebenheit des positiven Zinses[+] (Geldpolitik[+], die positive Geldmarktzinsen bewirkt) verleiht dem Geld die Fähigkeit zum Wachstum.

[Damit es sich vermehrt, benötig es allerdings Menschen, also denkende Lebewesen, die den Zins[+]satz festlegen oder verändern. (Und nicht immer in der Lage sind, ihn so aufrecht zu erhalten, wie sie es sich wünschen. Die Stunde der Armen schlägt...) Also eine Art Antrieb brauche das "Tote" - aber genau dies würden ja auch Lebewesen benötigen, um zu überleben, nämlich Nahrung und Wasser. Und hier würden wir wieder zu der biologischen Eigenschaft des Toten, Verschimmelten, Verrotteten und Vergammelten zurück kommen.]
Ich achte darauf, dass ich hier nicht durcheinander gerate, deswegen drücke ich es noch einmal ganz klar aus: das Altern, Gammeln, Rotten, Schimmeln, Verschleißen und Abnutzen ist ein Naturphänomen, das wir durch den Begriff der Entropie[+]zunahme infolge des Strebens ins Gleichgewicht beschreiben. Der Gegenpol dieser Naturkraft ist nur in Lebewesen die Fähigkeit zum Selbsterhalt und zur Fortpflanzung, eben jene Fähigkeit, die das Leben an sich scheinbar zu einer physikalischen Paradoxie macht und die ich mit dem Begriff "Würde" oder auch dem Lebenswillen in Verbindung bringe. Die Würde eines Lebewesens ist sein Antrieb dazu, sich selbst erhalten und seine innere Ordnung[+] aufrecht erhalten zu können. Der Lebenwille widersetzt sich dem Streben ins Gleichgewicht, also dem Sterben.

In diesem Sinne verleihen wir unserem geltenden Toten[+], allem voran dem Geld, „künstlich” Würde, indem wir uns als seine Agenten wie die Arbeiterdrohnen in einem Insektenstaat für sein Wohlergehen und Wachstum als künstliche Lebensform einsetzen. Wir erlauben ihm, dass es auf dem Konto erhalten bleibt, wenn wir die Negativzinsen vermeiden oder sich gegen sie wehren. Am liebsten hätten wir immer noch mehrheitlich, dass es mit positivem Zins[+] weiter wachsen möge, damit unsere zukünftigen Konsum-, Investitions-, Produktions- und Handlungsmöglichkeiten im Allgemeinen weiter anwachsen mögen. Wir sehen all diese Möglichkeit[+]en durch das Geld bedingt. Verbesserungen der sozialen Lage oder die Bewältigung der Umweltproblematik soll bezahlbar sein und sonst nicht vorgenommen werden. Daran sind wir gewohnt, und doch hängen wir davon ab und wäre unser System längst zusammengebrochen, wenn es nicht Menschen gäbe, die unentgeltlich oder mit nur wenig Einkommen an der Verbesserung der allgemeinen Lage arbeiten: die ganzen Ehrenamtler, z.B. die Menschen in den Tafeln, die Sozialarbeiter und überhaupt all die Menschen, die für wenig geldwerte Gegenleistung (über-) lebensnotwendige Dienstleistungen vom Menschen am Menschen vollbringen, z.B. die Menschen in den Kranken- und Pflegeberufen, Seelsorger, usw..

Über die Bedeutung der natürlichen Entropiezunahme für die Stoffwechselkreisläufe des Lebens

[XX meint, dass hinter meiner Benutzung der Worte 'Totes', 'Vergammeltes', 'Verrottetes' und 'Verschimmeltes' ganz beabsichtigt ein gewisses Gefühl des Ekels und der Abscheu stecken würde.]
Ich will nicht leugnen, dass ich Schimmel und Gammeliges nicht als besonders köstlich oder angenehm empfinde. Ich benutze an anderer Stelle im gleichen Zusammenhang aber eben auch die Begriffe "Alterung", "Verschleiß" und "Abnutzung", die zwar auch leicht negativ konnotiert sind, doch sicher nicht mit Ekel und Abscheu behaftet sind. Daher scheint mir Deine Projektion merkwürdig. Ich denke, dass es Dir dazu dient, die Wichtigkeit dieses Naturphänomens deutlich zu machen, mir zu suggerieren, dass ich es akzeptieren und es nicht mit Ekel oder Abscheu betrachten sollte. Das ist ist in Ordnung[+] so, Du stößt da bei mir aber auch nicht auf irgendwelche Widerstände.

Ich akzeptiere die Gesetzmäßigkeit der Entropie[+]zunahme und erkenne ihre Wichtigkeit an, denn ohne den Tod des einen Lebewesen gäbe es kein (Weiter-) Leben eines anderen. Leben und Tod bedingen einander. Nur das Geld des Menschen "will" einfach nicht sterben :) bzw. der kapitalistische Mensch will das Geld nicht sterben lassen. So ein Mensch bin ich aber eben nicht!

[Es sei biologisch äußerst sinnvoll, dass Totes, Vergammeltes, Verrottetes und Verschimmeltes uns Menschen - sowie alle tierischen Lebewesen, die nicht von Aas leben - über unsere Sinnesorgane (Augen, Nase) ferngehalten werde. Denn darin befänden sich nach ganz kurzer Zeit Lebewesen (außer nach besonderer Behandlung - Erhitzen und/oder Einfrieren), die sich davon ernähren, deren Stoffwechsel[+]produkte jedoch für uns giftig sind. Nach erfolgter Verdauung würden sie sie anorganisches Material zurücklassen - Nitrit, Nitrat, Phosphat, Mineralstoffe, was nicht mehr ganz so giftig sei, aber für unsere Ernährung wertlos, Abfall eben, sei. Aber nur auf den ersten Blick. Denn wenn wir verstorben sind, werde unser Körper über eine Aufarbeitung der fleißigen Bodenorganismen zur "Gebärhülse" (siehe Deine Worte) für neues Leben.

Warum?

Um dies zu beantworten, kommen wir zum Ökosystem[+] zurück. Warum benötigt dieses keine Düngerzufuhr von außen? Man könnte denken: Die Pflanzen beziehen ihre Energie doch aus dem Sonnenlicht, weswegen man sie autotrophe[+] Lebewesen nennt. Das ist schließlich der ständige Motor jedes Ökosystem[+]s von außen, ohne den nichts geht. Wir heterotrophen[+] Lebewesen sind ja auf Energieaufnahme in Form von Nahrung angewiesen, die aus energiereichen organischen Materialien besteht, welche uns letztlich die Pflanzen zur Verfügung stellen. (Auch die tierische Nahrung ist letztlich auf Verdauung pflanzlicher Nahrung zurückzuführen.) Dünger ist schon deshalb gar keine Energiezufuhr, weil die Stoffe darin nicht sonderlich energiereich sind. Trotzdem benötigen Pflanzen zum Wachstum anorganische Materialien. Es sind genau diese, die von den oben genannten kleinen Lebewesen mit ihrem ekelerregenden Stoffwechsel[+] zurückgelassen werden. Damit schließt sich der Kreis und Totes, Verrottetes, Verschimmeltes und Vergammeltes ist unter diesen Gesichtspunkten alles andere als eklig, sondern äußerst wertvoll und unverzichtbar. Es ist sozusagen Pflanzennahrung, die gerade aufbereitet wird. Totes wächst nicht von alleine, das ist richtig, aber es verhilft Lebewesen zum Wachstum.]
Bis hierher danke ich Dir vielmals für die Bereicherung mit den Begriffen "Autotrophie[+]" (Phototrophie[+] und Chemotrophie[+]) und "Heterotrophie[+]" und den Zusammenhang mit der Abhängkeit von einer Energiequelle bei Subsistenz und Reproduktion!

Erwin Schrödinger[+] hat 1943 in Was ist das Leben? diese Zusammenhänge wie folgt formuliert:

Ein Organismus erscheint deswegen so rätselhaft, weil er sich dem raschen Verfall in einen unbewegten Gleichgewichtszustand [der Tod ist im Vergleich zu Leben ein Zustand sehr viel größerer Entropie[+]] entzieht, und dieses Rätsel hat der Menschheit so viel zu schaffen gemacht, dass sie seit den frühesten Zeiten des philosophischen Denkens und teilweise auch heute noch behauptet, im Organismus sei eine unkörperliche, übernatürliche Kraft wirksam (vis viva, Entelechie).

Wie entzieht sich der lebende Organismus dem Zerfall?

Die Antwort lautet offenbar: durch Essen, Trinken, Atmen und (im Falle der Pflanzen) durch Assimilation. Der Fachausdruck heißt 'Metabolismus[+]'. Das griechische Wort bedeutet 'Wechsel' oder 'Austausch'.

Was wird ausgetauscht?

Die ursprünglich zugrundeliegende Vorstellung ist zweifellos ein Auswechseln von Stofflichem (daher die deutsche Bezeichnung 'Stoffwechsel[+]' für Metabolismus[+]). Es wäre unsinnig anzunehmen, dass der Austausch von Stofflichem das Wesentliche wäre.

Jedes Atom Stickstoff, Sauerstoff, Schwefel und so weiter ist ebenso viel wert wie jedes andere seiner Art; was ließe sich durch ihren Austausch gewinnen?

In der Vergangenheit wurde unsere Neugier eine Zeitlang durch die Behauptung beschwichtigt, wir ernährten uns von Energie. In irgendeinem sehr fortschrittlichen Lande (ich erinnere mich nicht, ob es in Deutschland, in den USA oder in beiden war) konnte man in Restaurants Speisekarten finden, welche neben dem Preis den Energiegehalt jeder Speise angaben. unnötig zu sagen, dass das, wörtlich genommen, ebenso unsinnig ist. In einem erwachsenen Organismus ist der Energiegehalt ja ebenso feststehend wie der Gehalt an stofflicher Substanz. Denn jede Kalorie ist bestimmt gerade so viel wert wie jeder andere. Es ist nicht einzusehen, wie ein bloßer Austausch wirken könnte.

Was ist denn dieses kostbare Etwas in unserer Nahrung, das uns vor dem Tode bewahrt?

Das ist leicht zu beantworten. Jeder Vorgang, jedes Ereignis, jedes Geschehen - man kann es nennen, wie man will, - kurz alles, was in der Natur vor sich geht, bedeutet eine Vergrößerung der Entropie[+] jenes Teiles der Welt, in welchem es vor sich geht. Damit erhöht ein lebender Organismus ununterbrochen seine Entropie[+] - oder, wie man auch sagen könnte, er produziert eine positive Entropie[+] - und strebt auf den gefährlichen Zustand maximaler Entropie[+] zu, der den Tod bedeutet. Er kann sich ihm nur fernhalten, d.h. leben, indem er seiner Umwelt fortwährend negative Entropie[+] entzieht - welche etwas sehr Positives ist, wie wir gleich sehen werden.das, wovon ein Organismus sich ernährt, ist negative Entropie[+]. Oder, um es etwas weniger paradox auszudrücken, das Wesentliche am Stoffwechsel[+] ist, dass es dem Organismus gelingt, sich von der Entropie[+] zu befreien, die er, solange er lebt, erzeugen muss.

[...]

Anmerkung zu Kapitel VI

Die Bemerkungen über 'negative Entropie[+]' sind bei Fachkollegen auf Zweifel und Widerstand gestoßen. Dazu möchte ich zunächst sagen, dass ich von 'freier Energie' und nicht von 'negativer Entropie[+]' gesprochen hätte, wenn ich mich nur um sie bemüht hätte. In dem Zusammenhang, der uns hier beschäftigt, wäre der Ausdruck »freie Energie«geläufiger gewesen. Als Fachausdruck wäre er klar, aber dem Durchschnittsleser würde der Unterschied gegenüber dem Begriff der »Energie«, auf den er sprachlich hinweist, nicht deutlich genug aufgehen. Er würde das Wort »frei« wahrscheinlich als ein mehr oder weniger bedeutungsloses schmückendes Beiwort hinnehmen, während es in Wirklichkeit ein recht ausdrucksstarke Begriff ist, dessen Beziehung zum Boltzmannschen Ordnung[+]-Unordnung-Prinzip sich nicht so leicht verdeutlichen lässt, wie das bei den Begriffen »Entropie[+]« und »Entropie[+] mit negativem Vorzeichen« der Fall ist. Übrigens ist die »negative Entropie[+]« gar nicht meine Erfindung. Sie ist nämlich der Begriff, um den sich Boltzmanns unabhängige Erörterung drehte.

F. Simon hat mir aber mit gutem Recht[+] vorgehalten, dass meine einfachen thermodynamischen Betrachtungen noch nicht erklären, warum wir uns von den Stoffen ernähren müssen, die sich im »äußerst wohl geordneten Zustand mehr oder minder komplizierter organischer Verbindungen« befinden, und nicht von Holzkohle oder einem Brei von Diamantenstaub. Ganz recht. Dem nicht fachlich geschulten Leser muss ich aber erklären, dass ein Stück unverbrannter Kohle oder ein Diamant sowie die zu ihrer Verbrennung notwendige Sauerstoffmenge sich im physikalischen Sinne ebenfalls in einem äußerst wohlgeordneten Zustand befinden. Der Beweis: lässt man die Reaktion, das Verbrennen der Kohle, vor sich gehen, so wird ein großer Hitzebetrag frei. Dadurch, dass es die Hitze auf die Umgebung überträgt, entledigt sich das System der sehr erheblichen Entropie[+]steigerung, die die Reaktion mit sich brachte, und zerfällt wieder ungefähr auf den ursprünglichen Entropie[+]zustand.

Und doch könnten wir uns nicht von dem Kohlen[di]oxyd ernähren, das bei dieser Reaktion entsteht. Also hat Simon doch Recht[+], wenn er mir vorhält, dass der Energiegehalt unserer Nahrung doch von Bedeutung sei; meine spöttische Bemerkung über die Speisekarten, die den Kaloriengehalt angeben, war also fehl am Platze. Energie ist nicht nur notwendig, um die mechanische Energie unserer Körper Betätigung zu ersetzen, sondern auch die Hitze, die wir beständig an die Umgebung abgeben. Und dass wir Hitze abgeben, ist nicht zufällig, sondern sehr wesentlich. Denn gerade dadurch entledigen wir uns ja der überschüssigen Entropie[+], die wir bei den physischen[+] Lebensvorgängen ständig erzeugen.

Dieser Umstand könnte einen auf den Gedanken bringen, dass die Warmblüter mit ihrer höheren Körpertemperatur den Vorteil hätten, dass sie sich ihrer Entropie[+] schneller entledigen könnten und damit intensiverer Lebensvorgänge fähig werden. Ich wage nicht zu entscheiden, wie weit dieser Gedankengang seine Berechtigung hat (er stammt von mir, nicht von Simon). Man kann ihm entgegenhalten, dass die Warmblüter andererseits gegen den raschen Hitzeverlust durch Felle oder Federn geschützt sein. So ist die Entsprechung von Körpertemperatur und »Lebensintensität«, die meines Erachtens besteht, vielleicht eher unmittelbar nach dem Van't Hoffschen Gesetz zu erklären, das am Schluss des 50. Abschnitts erwähnt ist; die höhere Temperatur beschleunigt an und für sich schon die chemischen Reaktionen, mit denen die Lebensvorgänge verbunden sind. (Dass das wirklich der Fall ist, hat seine experimentelle Bestätigung bei Versuchen mit Arten gefunden, die die Temperatur der Umgebung annehmen.)

Zurückweisung einer Analogieübertragung über den positiven Zins

[Genau wie Zinsen[+]. Die würden dem Geld zum Wachstum verhelfen und dadurch indirekt den dahinter steckenden Menschen nützen.]
Wenn Du hier so redest, dann läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Richtig ist, dass der positive Wachstumsexponent eines sich heterotroph[+] erhaltenden Lebewesens durch die Einverleibung relativ negentropischer[+] Materie aufrecht erhalten bleiben kann. Das einverleibte Lebewesen muss zuvor getötet werden oder stirbt infolge der Einverleibung. Einige, sich heterotroph[+] erhaltende und wachsende Arten sind Aasfresser, andere nicht. So ist die Natur, und deswegen ist alles Lebendige so entstanden, wie es heute da ist. So ist es gut und richtig.

Überträgt man diese Analogie[+] jedoch zurück auf die Sphäre des kapitalistischen Zivilisationsmenschen, so würde man die Klasse der NETTO Zins[+]geber, also die Leihnehmer, Schuldner und Besitzer[+] und konkret die öffentlichen und privaten Haushalte und die Unternehmen und Betriebe, die allesamt durch Kredite, Darlehen und emittierte Anleihe[+]n finanziert werden, als Totes oder dem Tod Geweihtes ansehen, aus dem sich die Klasse der NETTO Zins[+]nehmer, also die Leihgeber, Gläubiger und Eigentümer[+] und konkret die Sparer, die Grundherren, Vermieter, Patentinhaber, usw... heterotroph[+] ernähren - eben homo homini lupus.

Diesem Prinzip kann ich nichts mehr abgewinnen - gar nichts. Es hat etwas Kannibalisches, Widernatürliches und Perverses. Dieser Gedanke zerbricht die Gleichheit und Gleichwertigkeit von Menschen. Er ist eben ein kapitalistischer Gedanke.

[Im Ökosystem[+] gebe es noch mehr Lehrbeispiele für die Geldwirtschaft.]
Hier wird es nun ganz und gar gruselig. Es gibt in Ökosystemen[+] keine Geldwirtschaft und kann sie auch gar nicht geben, weil alle Ökosysteme[+] auf den Phänomenen basieren, die wir mit Naturgesetze beschreiben. Es gibt in der Natur bei Totem keinen intrinsisch motivierten Selbsterhalt. Hier scheinen Dir Deine Gedanken irgendwie durchzugehen. Es gibt keine Spezies wie den Menschen, die einen ähnlichen Kult um Totes veranstaltet wie der Mensch um das Geld.

[In jedem Ökosystem[+] gebe es Parasiten, die sich auf Kosten anderer Lebewesen vermehren, z.B. die Mistel, die an Bäumen lebt und deren Saft anzapft. Werde der Parasit zu stark, beraube er sich seiner eigenen Lebensgrundlage. Beide würden sterben. Deswegen helfe der Mensch lieber nach, ehe dies passiert. Dasselbe geschehe bei allem, was überhand nimmt, zum Beispiel eine eingewanderte oder eingeschleppte Tierart. So etwas passiere ziemlich oft, weil alles im Wandel sei. Es gebe und hätte schon immer Naturkatastrophen und Klimawandel gegeben. Diese Ereignisse verschöben sofort die Homöostase[+] im Ökosystem[+]. Die Lebewesen würden (durch Mutation[+], Rekombination in Kombination mit epigenetischen Vorgängen) angepasst, wüdern auswandern oder aussterben, wenn die Anpassung nicht gelingt. Besonders gut könne man das bei Organismen beobachten, die einen kurzen Vermehrungszyklus haben, allen voran Bakterien oder Viren. XX fürchte, dasselbe passiere mit Zinsen[+], egal, ob positiv oder negativ.]
Man findet sicher in der Natur Analogien[+] zur kapitalistischen Wirtschaft, allerdings müssen bei der Rückübertragung die Menschen ungleich gemacht werden, die einen zu Räubern, die anderen zu Beutetieren. Ich habe selbst die NETTO Zins[+]nehmer als Parasiten am Wirt bezeichnet, wobei der Wirt die Gruppe der NETTO Zins[+]geber ist.

Zu Änderung, Beibehaltung und Wirkung von im Kapitalismus ansozialisierten Verhaltensweisen

[Meine Theorie scheine ihr darauf zu fußen, dass es bei Negativzinsen keine Störfaktoren geben würde. XX könnte sich da aber doch eine ganze Menge vorstellen. Allein durch die Tatsache, dass der Mensch (insbesondere der männliche ;-) ) auf Vorteilsverschaffung gegenüber seinen Mitmenschen aus sei. Konkurrenten ausschalten, das sei angesagt, nicht nur bei Tieren oder Pflanzen. Sie fragt, ob es nicht ein wenig naiv sei zu glauben, dass bei Negativzinsen alle mit demselben zufrieden sein und niemals auf Schlupflöcher sinnen werden, die ihnen einen Vorteil gegenüber den Mitmenschen verschaffen, notfalls nicht ganz legal? Das erscheine ihr sehr unwahrscheinlich, denn es wäre vollkommen wider die Natur des Menschen. Das bedeute aber: Es müsse gesetzlich gegengesteuert werden. Darauf würden die Viren der Gesellschaft mutieren, ein Schlupfloch finden, das die Überlebenschancen verbessere und es müsse wieder neu gegengesteuert werden.]
Ich kann Deine Gedankengänge nicht nachvollziehen. Die Negativzinsen sind von Vorteil eben weil der Mensch offensichtlich von Natur aus dazu neigt, sich Vorteile gegenüber anderen zu verschaffen, indem er sich eigennützig verhält. Die Negativzinsen bewirken, dass Menschen, die sich auf diese archaische Art verhalten, nämlich vor allem die Räuber in der Nahrungskette[+] des Kapitalismus[+], eben keine schädliche Wirkung mehr haben. Ihnen werden sozusagen die Raubtierzähne gezogen; sie werden wieder zu sozialen Menschen.

Ich stimme Dir ja vollkommen zu, dass wir eben genau Gesetze haben, um den Menschen vor sich selbst zu schützen. Doch da ist wieder zu fragen: Warum wird sich der Mensch selbst zur Bedrohung? Das liegt eben nicht alleine in seiner Natur begründet, sondern auch im Kapitalismus[+], der die bösen und - in Reaktion auf das Böse - auch die guten Seiten des Menschen hervorbringt! Mach Dir doch mal bitte die Grausamkeiten des Mittel[+]alters und des Altertums bewusst. Welche Spezies quält, verletzt, missbraucht und tötet sich denn bitte so wie der Mensch seit über 6.000 Jahren? Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass diese Exzesse nicht natürlichen Urpsrungs, sondern vom Zins[+]nehmen verursacht sind. Allerdings ist die Erklärung des Zusammenhangs nicht trivial. Es geht in der hinreichenden Erklärung des Ursprungs darum, warum wir so unempathisch geworden sind und warum wir Sündenböcke brauchen. Zu beidem kann ich einen Zusammenhang mit dem Geldsystem herstellen.

[Es sei also keineswegs zutreffend, dass sie keine Probleme in dieser Welt sehen würde. Im Gegenteil. XX sehe Probleme, wo ich keine sehen würde. Auch das möge an ihrem höheren Alter und ihrer größeren Lebenserfahrung liegen, die mir sagt: Es gibt leider nichts Perfektes und jede Theorie hinke, weil die Wirklichkeit immer unvorhergesehen und anders sei als man sich vorher überlegt habe. Die Theorie erscheine einem im Vorfeld logisch und perfekt, aber die Wirklichkeit zeige nachher, dass man eine Menge Nachwirkungen nicht bedacht oder dies gar nicht gekonnt habe. Und genau das drücke doch aus, was ich mit meinen Zweifeln gemeint hätte: Ich hätte ein Modell[+] im Kopf, dessen Komplexität aber kaum von einem Menschen überblickt werden könne, vor allem nicht, wenn man durch die Alltagsumstände daran gehindert wird. Richtig, und nicht mal ohne Alltagsumstände werde ich zuverlässig voraussagen können, was passieren werde.]
Richtig, ich kann nicht genau voraussagen, was alles passieren wird, ich kann jedoch präzise Aussagen über den Mechanismus der Veränderung treffen, und genau darum geht es in meiner Theorie. Der Zins[+]mechanismus bei negativem Zins[+] bewirkt wie der Zins[+]mechanismus bei positivem Zins[+] Veränderung - allerdings eben in umgekehrter Richtung. Auch der Negativzins ist eine Rate. Ich benutze in diesem Zusammenhang den Begriff des Propagators. Der Kapitalismus[+] ist ein „Propagator mit positivem Zins[+]”, die Negativzins-Ökonomie[+] ist ein Propagator mit negativem Zins[+]. Ich beschreibe den Propagator und kann von einem Zustand, den ich mit gewisser Genauigkeit kenne, ausgehend beschreiben, wohin er sich entwickeln wird. Ich kann auch gewissermaßen rückwärts beschreiben, aus welchem Zustand sich der gegenwärtige entwickwelt hat.

Die Menschheit befindet sich in einem sehr großen Ungleichgewicht mit dem übrigen Leben auf dem Planeten

[Es habe sich in unserer Welt ein Fließgleichgewicht (das sei der deutsche Ausdruck für Homöostase[+], den ich nenne, weil ich die Silbe "Fließ-" betonen möchte) ausgebildet, das auf leichte Veränderungen immer mit Anpassungen reagieren werde.]
Ich kann nicht nachvollziehen, was Du damit sagen willst. Aus meiner Sicht ist das Gegenteil richtig, und das spiegelt sich auch in solchen Aussagen wie „Die Welt ist aus den Fugen geraten“. Ich will nicht ausschließen, dass wir auch Gleichgewichte haben, doch insgesamt befindet sich die Menschheit in einem gigantischen Ungleichgewicht mit der übrigen Biosphäre. Du kennst in diesem Zusammenhang z.B. sicher den Erdüberlastungstag, der den Tag im Jahr markiert, bis zu dem die kapitalistische Menschheit alles verbraucht hat, was sich auf natürlichem Wege regenerieren kann.

Deine Aussage ist vor diesem Hintergrund für mich nicht nachvollziehbar. Solange es Bewegung gibt, und ich denke dabei an die vom Menschen verursachte Extinktionsrate von Arten, die Klimaveränderung, die Migrationsbewegungen, usw... ist kein Gleichgewicht erreicht. Die Menschheit ist soweit von einem Gleichgewicht mit den übrigen Spezies entfernt wie nie in ihrer Geschichte zuvor. Ich muss langsam annehmen, dass Du den Anwalt des Teufels spielst.

[Einen Zusammenbruch gebe es nur mit einer Katastrophe von außen, z.B. einem Krieg.]
Nein. Schumpeter[+] verlängert und präzisiert in Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie[+] Marxens[+] Darstellung, dass sich der Kapitalismus[+] selbst zerstört. Die vielen Krisen seit über 6.000 Jahren, die Zusammenbrüche von Reichen (alte Ägypter, Römer, Perser, alten Griechen,...) durch Kriege, Revolutionen und Bürgerkriege beweisen dies ja auch. Der Zins[+]mechanismus führt jedes System am Ende in die Krise - unvermeidlich.

[Auch die Einführung des Negativzinses käme einer solchen Katastrophe gleich.]
Ja, für Menschen, die von den Zinsen[+] gelebt haben, kommt der Übergang von einer Positivzins- zu einer Negativzins-Ökonomie[+] einer schleichenden Krankheit gleich - jedenfalls einer Krise. Dies ist aber ein Irrglaube, denn man kann auch vom Verkauf seiner Arbeitskraft leben, wie der Großteil der Bevölkerung tagein-tagaus beweist.

[Und auch da würde sich wieder ein Fließgleichgewicht nach langer Zeit ausbilden. Dieses habe aber, fürchte sie, aus den vorgenannten Gründen, mit mehr Störfaktoren umzugehen als ich es mir vorstelle.]
Woher willst Du das denn wissen? Zunächst einmal ist ja bei der Umkehr des Zins[+]vorzeichens ins Negative für die NETTO-Zins[+]geber die Knechtschaft beendet. Dann kann das Währungssystem weiter bestehen, die Staatsschulden können zurückbezahlt werden, Mieten werden sinken, Löhne werden steigen, die Arbeitslosigkeit wird zurückgehen... die Kaufkraft von Renten wird steigen, weil wir eine Deflation bekommen (sinkender Kapitalkostenanteil in den Preisen), usw.. Auch hier kann ich Deine Aussagen nicht nachvollziehen und muss sie als 'falsch' zurückweisen. Auch fehlt mir die Herstellung eines Kausalzusammenhangs.

Von Politik und Massentierhaltung

[Die Sache mit der Instruierung der Wähler werde auch nicht klappen, weil niemand in der Lage ist, alle Interessen zu bedienen.]
Ich weiß nicht, was Du hier meinst. Ich erinnere mich nicht daran, gesagt zu haben, Wähler instruieren zu wollen. Die Leute können doch wählen, was sie wollen. Sie bekommen dann aber eben auch genau das, was sie gewählt haben. Wenn sie Lügner wählen, dann werden sie in Lug und Betrug leben. Wenn sie verantwortungslose Politiker wählen, dann werden sie rücksichtslose Willkür bekommen. Wenn sie Kapitalisten wählen, dann bekommen sie in 2021 sinnlose, asoziale Autorität und Stillstand. Meine Arbeit besteht darin Kausalzusammenhänge offen zu legen, damit die Menschen in Kenntnis dieser Zusammenhänge diejenigen Ursachen herbeiführen können, die eine gewünschte Wirkung haben. Sie können diese Zusammenhänge ignorieren, aber dann müssen sie eben hinnehmen, was dann passiert.

[Mehr interessiere kaum einen Menschen, als dass seine eigenen Bedürfnisse erfüllt werden. Auch daraus folge schon: Wähle man eine Partei nicht mehr, sondern eine andere, werde man nur den Teufel mit dem Beelzebub vertauschen. Die Parteiprogramme hätten sich längst aneinander angeglichen; bei neuen Parteien könne man diesen Prozess sehr schön beobachten. Das sei eine logische Folge des Wunsches, es möglichst jedem recht zu machen, um möglichst viele Wählerstimmen zu bekommen. Man könne das auch mit Zunahme der Entropie[+] umschreiben. Oder als eine Anpassung zu einem wehrhaften Organismus, der unter möglichst vielen Umweltbedingungen überleben kann. Das Aussterben der Spezialisten sei die Folge davon. Diese gebe es daher nur in wenigen Ökosystemen[+], die durch extreme Bedingungen und eine große Stabilität gekennzeichnet seien, z.B. unberührtes Hochgebirge. Klimawandel mit steigenden Temperaturen sorge für Aussterben der Spezialisten, die Generalisten würden einwandern, ein ganz natürlicher Vorgang.]
Ich interessiere mich nicht hauptsächlich für Politik bzw. politische Ökonomie[+]. Mich interessiert monetäre Ökonomie[+].

[Und die menschengemachten Umweltprobleme? Da nähme ich einfach mal an, dass diese beseitigt seien, wenn alle Menschen in etwa das Gleiche besitzen würden.]
Nein, das tue ich nicht. Ich habe immer deutlich gemacht, dass es keinesfalls damit getan ist, einfach nur das Zins[+]vorzeichen umzupolen. Das wäre sogar fatal. Eine Negativzins-Ökonomie[+] eröffnet uns nur die Möglichkeit[+]en für Veränderungen in die Richtung, die jetzt gerade Not tut, also: Bekämpfung von Fluchtursachen, Bewältigung der Umweltkatastrophen und globaler Ausgleich der sozialen Verhältnisse.

[Das sei ein schöner Gedanke. Solange Massentierhaltung technisch nicht möglich war, hätte niemand auf die Idee kommen können, diese einzuführen. Aber dann seien findige Köpfe gekommen, die das Unmögliche möglich gemacht hätten. Und es würden immer neue kommen, denen die Nachteile der Massentierhaltung leider so ganz offensichtlich völlig egal seien. Sie begründeten das nach außen mit wirtschaftlichen Zwänge[+]n, denn niemand wolle ja zugeben, dass ihm das Leid der Tiere und die Umweltbelastung durch Gülle egal sei.]
Die Entstehung der Massentierhaltung ist logische Folge des kapitalistischen Zins[+]mechanismus'. Dazu ein einfaches Gedankenexperiment: Betrachte einen Massentierhaltungsbetrieb. Berechne den Wert der Anlage. Dann erschaffe mithilfe eines Kredites mit positivem Zins[+] eine leicht „verbesserte” Version der bestehenden Anlage.

Erkläre mir, woher Du den Zins[+] nimmst, ohne dass Du dabei Kunden an die etablierte Konkurrenz verlierst.
Du wirst beim Nachdenken erkennen, dass Du den Zins[+] vom Tier nimmst, in dem Du seine Würde einschränkst. Du machst die Gehege kleiner, damit Du mehr Tieren auf gleicher Fläche halten kannst, nimmst billigeres Futter, fügst dem Futter Zusätze hinzu, damit die Tiere schneller wachsen oder Du führst Maschinen ein, die die menschliche Arbeit und den Kontakt mit dem Tier verdrängen. Das alles tust Du, damit Du die (positiven) Kreditzinsen bezahlen kannst und dabei noch wirtschaftlich bist - wenn Du im kapitalistischen Sinne rational handelst. Tatsächlich aber handelst Du zutiefst grausam.

Negativzinsen werden ermöglichen, dass wir zu kleineren Produktionseinheiten zurückkehren, weil sich Menschen wieder teurere Lebensmittel leisten können werden.

[Aber innerlich würden sie Wohlstand wollen. Konkurrenz ausschalten. Besser sein als andere, egal um welchen Preis. Das mache zufrieden und stecke so in der Natur des Menschen.]
Sicher wollen sie auch Wohlstand. Doch der zwingende Propagator in ihrem Handeln ist eben die Einsparung des Zinses[+], und das wird eben durch Rationalisierung erreicht.

[Dieses urmenschliche Verhalten werde ich mit dem Negativzins nicht beseitigen können.]
Eben doch. Wenn der Agrarunternehmer auf Kredit mit negativem Zins[+] (wie oben) eine Anlage baut, dann kann er genau umgekehrt vorgehen wie bei positivem Zins[+], denn die Kapitalkosten sind geringer und wohlmöglich negativ: Er kann größere Ställe bauen, kann besseres Futter kaufen und sich erlauben, wieder mehr menschliche Arbeitskraft einzusetzen, ohne dass sein Produkt am Markt von der Konkurrenz bedroht ist.

[Dieser werde vielmehr neue Verhaltensweisen generieren, die ich in der Theorie nicht überblicken und daher auch nicht voraussagen können würde.]
Ich denke, dass wir alle Verhaltensweisen beobachten werden, die wir bereits kennen, allerdings werden sie sich auf bestimmte Weise umgekehrt verteilen wie bei positivem Zins[+]. Ist das Vorzeichen umgekehrt, dann werden wir alle Verhaltensweisen, die man bei positivem Zins[+] in der Gruppe der NETTO Zins[+]nehmer beobachten konnte in der Sphäre der neuen NETTO Zins[+]nehmer bei negativem Zins[+] (die ehemaligen NETTO Zins[+]geber) beobachten und umgekehrt wird es sich bei den NETTO Zins[+]gebern verhalten. Das muss rein logisch betrachtet so sei. Wie es sich konkret darstellt, ist jedoch eine andere Frage.

Das zivilisatorisch bedingt Böse des Menschen

[Die Ursache für das Schlechte in der Welt liege daher nicht am Zins[+]mechanismus, sondern sei in der Natur des Menschen zu suchen.]
Der positive Zins[+] ist eine der wesentlichen Ursachen für das Böse der Zivilisation, doch natürlich ist es eben immer der Mensch, der handelt. Dieser Mensch handelt aber böse aufgrund des Zins[+]mechanismus, nicht allein weil er Mensch ist.

[Vielleicht führe die kulturelle Evolution[+] eines Tages dazu, dass auch diese archaischen Verhaltensweisen gänzlich verschwinden.]
Das ist zu hoffen, und ich erwarte das auch. Ich denke, dass die Negativzinsen auf der Grundlage unseres heutigen ethisch-moralischen Wertgefüges unsere bessere Hälfte dominieren lässt, während das vom Kapitalismus[+] verusachte Böse teilweise sterben wird.

[Aber so weit seien wir noch lange nicht. Wir seien den Tieren immer noch recht nah.] [...] [Sie schickt mir Grüße und wünscht mir ein schönes neues Jahr]
Na, dann wollen wir doch einfach mal schauen, was passieren wird. Ich denke, dass sich Menschen anders verhalten, wenn sie nicht mehr so sehr in existenziellen Nöten und Zwänge[+]n stecken und genau das wird der Negativzins bewirken: Er wird den ärmeren Menschen Freiheit[+]en und Möglichkeit[+]en geben und Zwänge[+] und Nöte nehmen. Relativ Reiche werden insgesamt Möglichkeit[+]en und Freiheit[+]en verlieren und sie werden ungewohnten Zwänge[+]n ausgesetzt sein, z.B. um Kreditnehmer konkurrieren zu müssen, die weniger Zins[+] für die Aufbewahrung von Geld nehmen als der Vermögensverwalter oder die Bank[+].

Viele Grüße,
Tim

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Tim Deutschmann

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Querverweise auf 'Fortsetzung eines Gesprächs über die Analogie zwischen der Negativzins-Ökonomie und Ökosystemen'