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23. April 2021

Ökonomisches Grund- und Schichtmodell kapitalistischer Währungsräume

Wenn man sich lange mit etwas so Großem wie Volkswirtschaft oder Nationalökonomie[+] beschäftigt, dann ist man zunehmend dazu in der Lage, die grundlegenden Zusammenhänge auf ein irreduzibles Grundmodell zu bringen. Ich gebe hier:

  1. ein Schichtmodell kapitalistischer Währungsräume
  2. eine Übersicht über ökonomische Systeme westlichen Standards und
  3. das Grundprinzip des Kapitalismus[+]: positiver Zins[+] und Trennung von Eigentum[+] und Besitz[+]

Ich will noch einmal kurz erklären, wie bedeutsam das Zinsvorzeichen[+] ist und warum es der Schlüssel zu einer antikapitalistischen Ökonomie[+] ist. Wie man weiß, wurde alles Geld, das es gibt, durch die Tilgung von Kreditzinsen, aber letztendlich durch Arbeit[+] erschaffen. Auch alle Güter, die einen Wert haben, enthalten diese Arbeitskraft[+], wenn man sich an den ersten Band des Kapitals erinnert.

Die Sonderstellung des Geldes bei den Kapitalarten

Das Geld ist aber nur eine der Formen von Kapital. Neben dem Geld gibt es noch Immobilien, Wertgegenstände, Rechte[+], Wissen, Unternehmen und andere Arten von Kapital. Doch der Wert aller dieser anderen Arten von Kapital wird in Einheiten des Geldes gemessen. Deswegen nimmt das Geld eine so besondere Stellung ein.

Das Geld hat drei Hauptfunktionen:

  1. Es dient als Wertmaßstab.
  2. Es ist universelles Tauschmittel.
  3. Es dient als Aufbewahrungsmittel für Werte.

Gerade 3. Geldfunktion, die (Wert-) Aufbewahrungsfunktion des Geldes, ist vom Zinsvorzeichen[+] abhängig. Solange das Vorzeichen des Zinses[+] positiv ist, ist es sogar möglich, dass das Geld wächst[+], ohne dass sein Eigentümer[+] dafür arbeiten muss. Stattdessen müssen diejenigen für die Erzeugung des Zinses[+] arbeiten, die das Geld borgen, also die Besitzer[+], oder die mit demjenigen vertragliche Beziehungen haben, der es borgt.

Wichtig ist auch wahrzunehmen, dass bei positivem Zins[+], also im Kapitalismus[+], die 3. Geldfunktion im Widerspruch steht zur 2. Geldfunktion, denn der positive Zins[+] verführt zur Hortung des Geldes, also zur Aufbewahrung, und also zum Entzug vom Tausch. Wer das Geld spart, gibt es nicht aus. Durch das Geldmengenwachstum[+], die Aufblähung der Geldmenge[+] („Inflation[+] des Gelduniversums“), entstehen auf der Seite der Eigentümer[+] immer mehr Möglichkeiten[+], das Geld in andere Vermögensarten und Kapitalgüter umzuwandeln, während auf der Seite derjenigen, die es borgen, Zinsschulden[+] ver- und abgearbeitet werden müssen.

Schichtmodell kapitalistischer Währungsräume (Währungsräume mit positivem Zins)

Betrachtet man nun also die Welt der Geldvermögenden als eine Art Universum, dann wird dieses Universum durch die Arbeit[+] derjenigen aufgeblasen, die die Zinsen[+] zahlen. Die Gruppe der den Zins[+] Abarbeitenden ist in einem Währungsraum, je länger der Kapitalismus[+] läuft, die immer größer werdende Mehrheit (momentan ca. 85 %, aus Betrachtung der Entwicklung der Vermögensverteilung).

Man kann die Vermögens- und Einkommensverteilung im Kapitalismus[+], also bei positivem Zins[+], als Pyramide betrachten. In dieser Pyramide unterscheide ich drei Schichten:

Die Schichten A und M machen etwa 85% der Bevölkerung aus. Die infolge des Zinses[+] immer kleiner und reicher werdende (Ober-) 'Schicht K' lebt hingegen allein von Zinsen[+] und Eigentum[+] an Unternehmungen (Gewinne incl. Dividenden[+]) und überhaupt nicht mehr vom Verkauf ihrer Arbeitskraft[+].

Die Schichten A, M und K in der Einkommens- und Vermögenspyramide. Links von der vertikalen Koordinatenachse ist eine Einteilung in NETTO Zinsnehmer[+] und NETTO Zinsgeber[+] gezeigt. Oberhalb der zinsneutralen Schicht, die sich im Drei-Schicht- oder AMK-Modell[+] in der Mittelschicht[+] M befindet, nehmen die Menschen insgesamt mehr Zinsen[+] als sie geben. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Menge des Eigentums[+]. Unterhalb der zinsneutralen Schicht sind die Menschen NETTO Zinsgeber[+]. Die NETTO Zinsnehmer[+] und NETTO Zinsgeber[+] entsprechen der Bourgeoisie[+] (vgl. Patrizier[+]) und dem Proletariat[+] (vgl. Plebejer[+]) der marxistischen Terminologie. Rechts[+] von der Pyramide ist die Aufteilung der Einkommen in Einkommen aus Arbeit[+] (rot) und Einkommen aus Eigentum[+] bzw. Kapitaleinkommen gezeigt. Die Spitzen der beiden Keile definieren die Trennlinien A/M und M/K zwischen den Schichten A, M und K. Menschen oberhalb von M/K leben gar nicht von Arbeitseinkommen[+], Menschen unterhalb von A/M leben gar nicht von Kapitaleinkommen. Die Mittelschicht[+] hat gemischte Einkommen.

Wenn der Zins[+] auf Guthaben und bei Krediten negativ wird, dann wird der gesamte Zinsfluss[+] umgepolt. Es ist dann in etwa so, als würde man aus dem Gelduniversum die Luft ablassen. Das, was dem Gelduniversum infolge seiner Schrumpfung dann verloren geht, kehrt zu seiner Quelle zurück, nämlich der Arbeit[+]. Dadurch wird dann nicht mehr Totes akkumuliert, sondern Lebendiges.

Aufbau ökonomischer Systeme westlichen Standards

Es gibt fünf Gewalten in modernen Staaten westlicher Art:

  1. Exekutive,
  2. Legislative,
  3. Judikative,
  4. öffentlich-rechtliche Medien,
  5. Zentralbank[+]

In der Mitte der Grafik ist die Finanz- und Leihwirtschaft zu sehen. Darin ist die wesentliche Vertragsart der Leihvertrag (Achtung von der juristischen abweichende Terminologie). Die Preise heißen Zinsen[+], im Speziellen Geldzinsen, Mietzinsen[+], Pachtzinsen[+], Lizenz-, Nutzungs- und Leihgebühren. Die Finanz- und Leihwirtschaft basiert auf der Trennung von Besitztum[+] und Eigentum[+]. Die Besitzer[+] zahlen Zins[+] an die Eigentümer[+]. Der untere Teil der Grafik zeigt die Realwirtschaft. Die vorherrschenden Verträge sind die Kaufverträge, also jene Verträge, in denen Eigentümer[+] wechseln, und Arbeits[+]- und Dienstleistungsverträge. Zur Unterscheidung von Finanz- und Leihwirtschaft (Mitte) und Realwirtschaft (unten) verweise ich auf diesen Abschnitt.

Oben und oben rechts: Die 5 Gewalten des Staates. Mitte: Finanz- und Leihwirtschaft. Unten: Realwirtschaft.

Man kann die Wirtschaft also in zwei Teile unterteilen. Ein Teil ist symbiotisch, kreislaufartig und heterarchisch organisiert, so wie die Organe im menschlichen Körper zusammenarbeiten. Das ist die Realwirtschaft. Der andere Teil ist bei positivem Zins[+], also im Kapitalismus[+], parasitär, hierarchisch und hat also einen unidirektionalen Geldtransport. Das ist die Finanz- und Leihwirtschaft. Ich nenne sie auch manchmal „Nominalwirtschaft[+]“, weil es keine reale Wirtschaft ist. Der pyramidale Teil beutet den kreislaufartigen Teil aus. Im Kapitalismus[+] beutet das Kapital aufgrund des Zinses[+] mithilfe der Marktwirtschaft[+] die Stoffwechselleistung[+] des Lebendigen aus, verwandelt diese Stoffwechselleistung[+] während der Tilgung der Zinsen[+] in geltendes Totes[+], also in immer mehr Handlungsmöglichkeiten für die Eigentümer[+] des Kapitals.

Grundprinzip des Kapitalismus und sein logisches Gegenteil

Der Kapitalismus[+] basiert auf der Trennung von Eigentum[+] und Besitztum[+]. Besitzer[+] (Kreditnehmer, Mieter, Pächter, Lizenz-, Nutz-, Leihnehmer, Schuldner) zahlen für den Erwerb von Verfügungsrechten[+] an der Sache Zinsen[+] an die Eigentümer[+] (Sparer, Vermieter, Grundherren, Rechteeigent[+]ümer, Leihgeber, Gläubiger).

Definition des Kapitalismus[+].

Wir leben in einer Zeit, in der sich uns die Frage stellt, welche Folgen es haben wird, wenn wir den Zinsfluss[+] umpolen, wenn also diese gesamte in der Vergangenheit vollbrachte Stoffwechselleistung[+] zur Tilgung der Kreditzinsen, denn diese haben das Gelduniversum aufgeblasen, wieder zur Quelle zurückfließt. Alle Sparer zahlen dann den (negativen) Zins[+]. Dafür bekommen dann aber eben auch alle Kreditnehmer den (negativen) Zins[+]. Man bekommt immer noch Zins[+] unter einer Negativzins-Ökonomie[+], aber eben nicht mehr für das Sparen, sondern für die Aufnahme eines Kredites.

Querverweise auf 'Ökonomisches Grund- und Schichtmodell kapitalistischer Währungsräume'

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