$ \def\tr{\text{tr}} \def\diff{d} \def\medspace{\enspace} \def\mathbi{\mathbf} \def\euro{€} \def\dollar{\$} \def\textnormal{\text} \def\textrm{\text} \newcommand\norm[1]{\left\lVert{#1}\right\rVert} $
11. Mai 2021

Zusammenfassung einiger makroökonomischer Folgen einer Negativzins-Ökonomie

Ein Teil meiner Arbeit ist das Gespräch mit Soziologen, Sozialpsychologen, Ökonomen und Volkswirten, in denen ich meine Sicht- und Sprechweise mit der jeweilgen fachlichen Sicht- und Sprechweise ver- und abgleichen kann, denn Voraussetzung dafür, dass sich Sichtweisen, Einstellungen und Haltungen durchsetzen ist, dass sie nachvollzogen werden können; und dazu müssen muss die strittige Sichtweise in einer passenden Sprache bzw. Terminologie formuliert werden.

Ich gebe hier die E-Mail-Unterhaltung mit einem Herrn Prof. XY sinngemäß wider.

Was sind Eichhörnchen für Helden? Sie sorgen für die Zukunft vor, indem sie Vorräte anlegen, obwohl die Vorräte gammeln und also negativen Zins[+] haben!

Entropiezunahme und Negativzins

Sehr geehrter Herr Prof. XY,

meiner Auffassung nach ist der Negativzins das anthroponomische Analogon der natürlichen Entropiezunahme, die implizit im zweiten Hauptsatz der Thermodynamik[+] beschrieben ist. Die natürliche Entropie[+]zunahme zeigt sich im Zahn der Zeit, im Gammeln, Rotten und Schimmeln, im Altern, als Dissipation, in den Abschreibungen, der Abnutzung, im Verschleiß und in der Vergänglichkeit aller geordneten Strukturen. Gegen die Entropie[+]zunahme kann nur das Lebendige ankämpfen. Es ist genau diese Eigenschaft, die Fähigkeit, sich dem Angriff der Zeit widersetzen zu können, die das Lebendige vom Toten unterscheidet. Umgekehrt ist der positive Zins[+] die Perversion der Entropie[+]zunahme, denn in der Natur kann nur Lebendiges seine innere Ordnung[+] erhalten und wachsen, während Totes mit der Zeit immer weiter zerfällt.

Alle Ökosysteme[+] funktionieren sozusagen auf der Grundlage negativer Zinsen[+], Einträge vom 19.12.2020 und vom 05.01.2021.

Gelesen habe ich bisher u.a. den I. Band des Kapitals, Schumpeter[+]s Bücher von 1907 (noch nicht ganz), 1912 und 1942, Ludwig von Mises[+] "Nationalökonomie[+]" überflogen, Georg Simmel[+]s "Philosophie des Geldes[+]" (1899), Max Weber[+]s "Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" (1914), Norbert Elias[+] "Über den Prozess der Zivilisation" (1939), Luhmann[+]s "Soziale Systeme" (1984), Oliver Holtemöller "Geldtheorie und Geldpolitik[+]" und Jan Busches "Privatautonomie[+] und Kontrahierungszwang[+]" (1999). Das dürfte in Kombination mit meiner Ausbildung im Bereich Transport[+]modellierung (Boltzmann-Gleichung) völlig ausreichen und eine genügend kritische Wissensmasse bilden.

Ich habe gar nicht vor, die bestehende Lehre zu widerlegen. Ich will nur ungerechtfertigte Dogmen aufbrechen, z.B. das Zero-Lower-Bound Dogma. Mein Favorit ist ein umlaufgesichertes Vollreserve-System[+] mit negativem Zins[+] auf Guthaben und bei Krediten (Eintrag vom 23.10.2018). Wir brauchen jetzt diese Diskussion.

Wenn Sie Simmel[+]s "Philosophie des Geldes[+]" gelesen haben, dann teilen Sie sicher die Auffassung, dass auch unser Wissen und unsere Sprache das Produkt des Zins[+]nehmens ist und dass das „mechanistische Denken” (u.a. Satz vom ausgeschlossenen Dritten[+]), das zwischen 1905-1924 in die Krise geraten ist, weil es an der Beschreibung der physikalischen Realität scheiterte und so der Physik die Quantenmechanik[+] beschert hat, immer noch nicht ganz aus den Köpfen verschwunden ist. Insofern: Versuchen Sie sich doch einmal an den großen Problemen der Physik. Es ist schon oft ein Perspektivwechsel gewesen, der die Dinge ins Rollen gebracht hat. Lassen Sie sich nicht einschüchtern und seien Sie frech.

Im Anhang finden Sie Erwin Schrödinger[+]s Buch "What Is Life?", das von der Bedeutung der Entropie[+] für das Leben schreibt. Schrödinger[+]s für die Molekularbiologie[+] mit grundlegendes Werk wurde u.a. von Jeremy England weiter geführt:

Jeremy England über die Bedeutung der Entropie[+]zunahme für das Leben.

Werner Heisenberg hat in der Verarbeitung der Phänomene der Quantenwelt erkenntnistheoretische Konsequenzen gezogen (Philosophie und Quantenmechanik[+], Reclam). In diesem Büchlein finden sich wichtige Dinge über unser menschliches Begriffsvermögen, das ich für einen der Ursprünge der babylonischen Sprachverwirrung halte. Kennen Sie nicht auch Hans-Peter Dürr[+] („Wir erleben mehr als wir begreifen“)?

Hans-Peter Dürr[+] über die logischen Konsequenzen aus der begrifflichen Erfassung von realen Phänomen.

In Schumpeter[+]s "Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie[+]" (1942) findet sich diese Seite zu vollständige Konkurrenz[+]:

Der "Sauerteig" bezieht sich auf das Neue Testament (z.B. Matthäus 13). Der Negativzins steht in Lukas 6:[30-35]. Luther[+] hat den Vers 35 falsch übersetzt. Hermann August Menge[+] hat die Textstelle 1909 so übersetzt:

  1. Jedem, der dich (um etwas) bittet, dem gib, und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück!
  2. Und wie ihr von den Leuten behandelt werden wollt, ebenso behandelt auch ihr sie!
  3. Denn wenn ihr (nur) die liebt, die euch lieben: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder lieben ja die, welche ihnen Liebe erweisen.
  4. Und wenn ihr (nur) denen Gutes erweist, die euch Gutes tun: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder tun dasselbe.
  5. Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr (das Geliehene) zurückzuerhalten hofft: welchen (Anspruch auf) Dank habt ihr dann? Auch die Sünder leihen den Sündern, um ebensoviel zurückzuerhalten.
  6. Nein, liebet eure Feinde, tut Gutes und leihet aus, ohne etwas zurückzuerwarten! Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig (auch) gegen die Undankbaren und Bösen
Der Vers 34 sagt, dass auch 0% Zins[+] bereits Sünde ist; mehr dazu am 13.08.2019.

Tun Sie doch bei Gelegenheit noch mehr Blicke in das Manuskript. Sie werden sich sicher amüsieren, aber nur die Ruhe.

Mit freundlichen Grüßen,

Altersvorsorge unter einer Negativzins-Ökonomie

Lieber Herr Prof. XY,

nach sechseinhalb Jahren Rechersche und Forschung am Geldsystem von meinem Standpunkt als Physiker aus und nach unzähligen Gesprächen mit ökonomisch, soziologisch und sozial-psychologisch hoch, mittel bis ungebildeten Menschen bin ich sehr vorsichtig damit geworden, wem ich vertraue und wessen Wort ich als wahrscheinlich richtig annehme. Ich bin mir sicher, dass Sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wenn Sie mit Kollegen über negative Nominalzinsen gesprochen haben.

Ich bin zum Zweck[+] der Übersichtlichkeit der komplexen Materie der Mechaniken positiver und negativer Nominalzinsen der Einfachheit und Klarheit zugeneigt. Die beiden letztgenannten Begriffe beziehen sich natürlich auf mein Verständnis von den Dingen. Beim Lesen Ihrer letzten beiden E-Mails, die ich hier zusammengenommen beantworte, vermisse ich aus meiner Sicht die Einfachheit und Klarheit. Da scheint einiges durcheinander zu sein, doch bezieht sich das natürlich auf meine Begriffe von Einfachheit und Klarheit. Ich werde mich darum bemühen, Satz für Satz die Verwirrung aufzulösen, die ich empfinde.

[Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik[+] gehöre auf eine Seite der Bilanz, stehe aber im Widerspruch zur Vorsorgeneigung des Menschen.]

Das Buch 'What Is Life?' von Erwin Schrödinger[+] beschäftigt sich mit der Bedeutung des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik[+] für alle Lebewesen. In Gegensätzen gedacht sehe ich auf der einen Seite Prozesse mit positiver Entropie[+]änderung gegenüber jenen mit negativer Entropie[+]änderung. Für die folgenden Betrachtungen reicht die populärwissenschaftliche Reduktion des Entropie[+]begriffs auf 'ein Unordnungsmaß' völlig aus. Prozesse mit positiver Entropie[+]zunahme weisen dementsprechend eine Zunahme von Unordnung auf, während Prozesse mit negativer Entropie[+]änderung eine Zunahme von Ordnung[+] zeigen.

Ich sehe auf der der Entropie[+]zunahme gegenüberliegenden Seite das Phänomen der autopoietischen[+] Reproduktion, das erst einmal nichts mit dem Zins[+] zu tun hat, sondern mit biologischem bzw. lebendigem Wachstum. Ich sehe in diesem Phänomen die physikalische Basis der Würde von Lebewesen, die Fähigkeit zur Selbstbehauptung, -verteidigung, -erhalt und dem selbstbestimmten Wachstum - völlig unabhängig von Anthroponomie.

Alle Lebewesen haben die Fähigkeit, sich für eine begrenzte Zeit unter Aufrechterhaltung eines Materiezuflusses über ihre Körpergrenze erhalten und in bestimmten Lebensphasen sogar wachsen zu können. Schrödinger[+] spricht im Zusammenhang mit der Nahrungszufuhr von negentropischer[+] Materie, die, additiv betrachtet, die Entropie[+] im Körper des Lebewesens niedrig hält, so dass es "ordentlich" bleibt. Die überschüssige Entropie[+] entsorgen die Lebewesen durch ihre Wärmeabstrahlung, Eintrag vom 04.05.2020.

Formuliert man das Körpermasse/volumen-Zeit-Gesetz als Exponentialfunktion, dann hat die Körpermasse bzw. das -volumen des Lebewesen während der präadulten Wachstumsphasen positiven Exponenten, in der adulten Phase, der Fortpflanzungsphase, einen Wachstumsexponenten von 0 % und in der postadulten Endphase des Lebens leicht negativen Exponenten, Eintrag vom 28.01.2020. Auch der Mensch wächst, bis er erwachsen ist, hält dann seine Form, wenn er Kinder in die Welt setzt und baut ab, wenn er älter wird. Doch - so wie wir Menschen - stirbt jedes Individuum einer Spezies mit der Zeit und unterliegt dem Gesetz der Entropie[+]zunahme, dem Zahn der Zeit, so dass insgesamt der 2. H.s.T.d.[+] auch für Lebewesen gilt. Der scheinbare Widerspruch negativer Entropie[+]änderung von lebendigen Prozessen löst sich dadurch, dass man die Umwelt mit in die Berechnung der Entropie[+] einbezieht. Dann nämlich stellt man fest, dass das Stoffwechsel[+]produkt des Lebewesens so hochentropisch ist, dass insgesamt, trotz des Selbsterhalts bei negativer Entropie[+]änderung, die Entropie[+] zunimmt, so wie es der 2. H.s.T.d.[+] beschreibt.

Speziell ist festzustellen, dass nur lebendige Materie die Fähigkeit zur Akkumulation negentropischer[+] Materie hat und damit zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung[+]. Wenn Sie sich genauer die Nahrungskette[+] anschauen, in der letztlich alle Spezies in einer riesigen, natürlichen Marktwirtschaft[+] (Stoffaustausch) miteinander vernetzt sind, wobei die Körper und die Stoffwechsel[+]produkte der einen Lebewesen die Nahrungsgrundlage von anderen Lebewesen bilden und wobei die Lebewesen unter sich bleiben und nur langsam die tote, unbelebte Materie verstoffwechseln, dann bemerken Sie, dass es die Kategorie 'Abfall' in der Natur nicht gibt und auch der Tod vom Leben nicht klar zu trennen ist, denn der Tod von Lebewesen bedeutet das Leben anderer Lebewesen. Jedenfalls akkumulieren Lebewesen nicht in Totem, sondern in Lebendigem. Das haben wir Menschen allerdings verlernt und dann irgendwann vergessen, 25.08.2018.

Es ist meine Überzeugung, dass Geld etwas Totes war, ist und sein wird. Am deutlichsten wird das, wenn man sich klar macht, dass wir historisch erst seit Kurzem in einer Zeit leben, in der sich das Geld vollkommen von seiner definitiv toten Substanz abzulösen beginnt. Georg Simmel[+] hat vor 120 Jahren diese Tendenz der Ablösung bemerkt. Nixon[+] hat die Golddeckung[+] dann vollkommen aufgehoben. Dass es keine Substanz mehr für das Geld braucht, sondern nur noch den Glauben, zeigen die Kryptowährungen. Für mich sind diese Parallelwährungen aber nur seelische Krücken. Das Gold des Recht[+]sstaats sind eingehaltene Verträge, 22.09.2020!

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Inhaber von Gold und Einheiten von Kryptowährungen gegen die Geldwertstabilität und die Stabilität des Währungsraums hetzen, denn so können die Verträge gebrochen werden und das Geld in ihren Händen, die seelischen Krücken, aufwerten. Geld ist und bleibt aber tot.

Sie sprechen menchliche Handlungsmotive an, sagen, dass der Mensch für die Zukunft vorsorgen will und zielen damit auf Ihr OLG-Modell ab. Alle Lebewesen sorgen für ihre Zukunft vor. Eichhörnchen legen Vorräte für den Winter an, Bären fressen sich im Sommer und Herbst mit Lachsen voll, damit sie über den Winter kommen. Viele andere Tiere halten Winterschlaf, auf den sie sich durch das Anlegen von Vorräten vorbereiten. Was sind Eichhörnchen bloß für Helden? Sie sorgen vor, obwohl ihre Vorräte verderben - und sie leben bis heute, Eintrag vom 14.10.2019.

Doch wir Menschen sind soziale Lebewesen. Es geht uns nicht nur darum, über den Winter zu kommen, sondern am Abend des Lebens den Kindern nicht zur Last zu fallen und frei bleiben zu können. Warum eigentlich? Ich frage mich, wie wir das gemacht haben, bevor es Eigentum[+], Zins[+] und Geldvorratshaltung gab. Die ursprüngliche Form der Absicherung der Zukunft waren die eigenen Kinder. Die Absicherung bestand in der guten Beziehung zu ihnen. Wenn Sie auf die intergenerationale Bilanz von Geben und Nehmen schauen (umlagefinanziertes Rentenmodell, Generationenvertrag[+]), dann stellen Sie fest, dass Menschen ursprünglich, vor Zehntausenden Jahren, noch bevor es Eigentum[+], die Geldwirtschaft und den Zins[+]mechanismus gab, in ihren Wachstumsphasen von den Älteren, den Eltern, genommen haben (die Menschen geben ihren Kindern hin), und dann im Alter, wenn sie gebrechlich waren, umgekehrt von ihren Kindern nehmen (die Alten werden von ihren Kindern versorgt). Am Lebensanfang geben die Älteren den Jüngeren hin und am Lebensende geben die Jüngeren den Älteren das zurück, was sie erhalten haben. Dieser intergenerationale Austauschvorgang ist bei uns dadurch zerschnitten, dass Menschen keine Zeit mehr für ihre Eltern haben und sie lieber in ein Altersheim abschieben, obwohl sie von ihren Eltern am Anfang des Lebens die lebensnotwendige Hingabe erhalten haben.

Sie sehen, dass ich hier ein Vorsorgemodell skizziere, das völlig ohne (positiv verzinstes) Geld auskommt. Doch dieses Modell[+] passt nicht zum Standardbewusstsein (sozialpsychologischer Begriff der Norm) einer kapitalistisch geprägten Kultur, die die Zukunftsvorsorge ihrer Angehörigen auf der Basis der ins Übernatürliche übersteigerten Vorratshaltung von Geld bestreitet, denn: alle Vorräte in der Natur verderben mit der Zeit und haben also negativen Wachstumsexponenten (negativen Zins[+]), während die Geldvorräte der Angehörigen einer kapitalistischen Kultur scheinbar „von alleine“ wachsen. In Wahrheit wird der Zuwachs des geltenden Toten[+] den materiell Minderbemittelten in Form von Lebensenergie abgepresst.

Ich kann Ihrer Darstellung, dass auf der dem 2. H.s.T.d.[+] gegenüberliegenden Seite die Vorsorge für die Zukunft steht, nicht wirklich widersprechen, denn die Vorsorge ist Ausdruck des in die Zukunft verlängerten Selbsterhalts, der autopoietischen[+] Reproduktion und also der Würde.

Der Mensch hat nun aber seit tausenden Jahren eine für sein kollektives Leben zentrale, künstliche Spezies geschaffen, nämlich das zinstragende geltende Tote[+], wobei ich alle Arten des wertbehafteten, ökonomisch relevanten Eigentum[+]s meine. Der Wert einer Sache ist natürlich eine soziale Konvention, die u.a. am Wert der Arbeit, ihrer Herstellbarkeit und am Vorkommen und an der Begehrtheit der Sache hängt. Beim Eigentum[+] an Unternehmen muss man natürlich mit der Eigenschaft 'tot' differenziert umgehen, denn ein signifikanter Teil des Wertes von Unternehmen ist im Wissen, in den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Mitarbeiter materialisiert, über das aus Sicht der Unternehmenseigentümer incl. andere Halter von Anteilen am Stammkapital[+] nicht so einfach verfügt werden kann, wie über faktisch totes Eigentum[+], wie z.B. Produktionsmittel, denn Menschen haben eben ein Selbstbestimmungsrecht, ihnen steht das Grundrecht der Privatautonomie[+] zu, während Leibeigenschaft seit Langem abgeschafft ist, selbst wenn Zeit- und Leiharbeitsfirmen versuchen, uns da wieder in die Vergangenheit zurück zu befördern. So gibt es mittlerweile eine Tendenz bei Angestellten aufgrund der hohen Mieten in werks-, betriebs- oder unternehmenseigene Wohnungen zu ziehen. Den Leuten ist nicht bewusst, dass sie damit ein Leben führen wie die Knechte und Mägde des Altertums.

Wenn ich jedenfalls an Geldeinheiten der Währung denke, an Gold, Kryptowährungen, Kunst- und Wertgegenstände usw., Immobilien (Häuser, Wohnungen, Land, Boden, Wälder) oder auch Recht[+]e und Formen des intellektuellen Eigentum[+]s, dann habe ich es jedenfalls mit Totem zu tun.

Inflation des Gelduniversums, Kontrahierungszwänge und das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate

Das Geld ist die bedeutsamste der Kapitalarten. Infolge der Abbezahlung von Kreditzinsen wird eine immer größer werdende „Geldwelt“ inflationiert (die Bilanzsummen des Zentralbank[+] werden, aufgeblasen), innerhalb derer alle anderen handelbaren Güter (die anderen Arten von Kapital incl. Nutzgüter, Verbrauchsgüter und Arbeit) in Abhängigkeit von ihrer Knappheit (Begehrtheit) infolge der Preisverhandlungen an den jeweiligen Märkten und der Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage einen Wert zugewiesen bekommen. Die Sonderstellung des Geldes habe ich kurz hier erläutert, Eintrag vom 23.04.2021.

Von freien Märkten und freier Preisbildung[+] kann im Kapitalismus[+] aber nicht die Rede sein, wie z.B. Schumpeter[+] in "Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[+]" feststellt, als er sich mit der Frage beschäftigt, warum der Zins[+] eine Neigung hat, größer als Null zu sein. Meine Antwort auf diese Frage lautet, dass der Zins[+]mechanismus auf der Seite der Leihnehmer, Besitzer[+] und Schuldner Kontrahierungzwänge erzeugt und also Menschen in Verträge hineingenötigt werden, siehe auch Artikel über den Einfluss des Zinses auf das Gleichgewicht der Bestimmung.

Ich spreche, statt das Wort Kontrahierungszwang[+] zu verwenden, der juristisch als ein gesetzlicher Vertragsabschlusszwang definiert ist, lieber von einer Einschränkung der Privatautonomie[+] oder einer obligatio ex inopia, also einem Vertragsabschlusszwang aus der Not heraus (z.B. Lohnabhängigkeit oder Lohndumping, Mieterrepression, Finanzrepression[+]).

Es ergibt sich aufgrund der positiven Zinsen[+] ein sich selbst verstärkender Mechanismus (Resonanz[+], selbstbezüglicher Prozess mit positiver Rückkopplung[+]), den man wie folgt skizzieren kann: der Zins[+] erzeugt Knappheit des Geldes auf der Seite der Leihnehmer, Schuldner und Besitzer[+] (öffentliche und private Haushalte und Unternehmen und Betriebe der Wirtschaft), und die Knappheit des Geldes bewirkt Nachfrage nach Geld, was den Zins[+] nach oben treibt. Ich beschreibe dieses perversen Teufelskreis z.B. hier.

Rückkopplungsschleife, die den Zins über Null hält.

Der Mensch hat reales Eigentum[+], das aufgrund der Naturgesetze reale Abschreibungen hat. Der Eigentümer[+] eines Hauses muss es zum Erhalt des Wertes des Hauses regelmäßig warten, Autos rosten und allgemein nutzen sich Gebrauchsgüter ab. Nur das Geld gammelt nicht, solange der nominale Zins[+] nicht negativ ist. Georg Simmel[+] schreibt dazu vor 123 Jahren in 'Philosophie des Geldes[+]':

Die Stellung des Geldes, insoweit sie seinen Charakter über das bloße Mittlertum hinaus zu einem selbständigen Interesse steigert, will ich nun noch nach zwei negativen Instanzen hin verfolgen. Die Verschwendung ist nach mehr als einer Richtung dem Geize verwandter als die Entgegengesetztheit ihrer Erscheinungen zu verraten scheint. Es ist hier zu bemerken, daß in Zeiten naturaler Wirtschaft die geizige Konservierung der Werte mit deren Natur, mit der sehr begrenzten Aufhebbarkeit der landwirtschaftlichen Produkte, nicht vereinbar ist. Wo daher deren Umsetzung in das unbegrenzt aufhebbare Geld nicht tunlich oder wenigstens nicht selbstverständlich ist, findet man selten ein eigentlich geiziges Aufhäufen derselben; wo Bodenprodukte unmittelbar gewonnen und konsumiert werden, besteht meistens eine gewisse Liberalität, besonders etwa Gästen und Bedürftigen gegenüber, wie sie das zum Sammeln viel mehr einladende Geld weniger nahe legt; so daß Petrus Martyr die Kakaosäcke rühmt, die den alten Mexikanern als Geld dienten, weil sie nicht lange aufgehäuft und verborgen aufbewahrt werden konnten und also keinen Geiz gestatteten. Ganz entsprechend beschränken naturale Verhältnisse die Möglichkeit[+] und den Reiz der Verschwendung. Die verschwenderische Konsumtion und leichtsinnige Vergeudung innerhalb derselben haben doch, abgesehen von sinnloser Zerstörung, an der Aufnahmefähigkeit des eigenen und fremder Subjekte ihre Grenze.

Es entsteht jedoch durch die Abbezahlung von Kreditzinsen immer mehr Geld, wodurch langfristig die Angebotsseite des Geldmarktes immer weiter anwächst, während die Nachfrage stagniert, weil Löhne und Lebenshaltungskosten am sozio-kulturellen Existenzminimum kratzen, so dass staatliche Eingriffe in die Preisbildung[+] an den Märkten (Mindestlöhne, Mietendeckel, Grundsicherung, usw...) notwendig werden, um die Grundrechtskonformität der Marktwirtschaft[+] sicher zu stellen. Die Konsequenz ist das, was Marx[+] im 13. Kapitel des III. Bandes des Kapitals durch das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate[+] beschrieben hat und was Sie als Sparschwemme[+] bezeichnen. Es gibt zu viel Geld, und es ist zu ungleich verteilt. Deswegen sehen wir im Moment niedrige Zinsen[+] und infolge der OMT[+]/QE[+]-Maßnahmen die Preissteigerungen vor allem bei den Vermögensgütern (incl. Unternehmensanteile).

[...]

Diese Sätze erscheinen mir völlig durcheinander zu sein. Das Geld wird bei vorhandener Umlaufsicherung (abwertende Bargeld-Parallelwährung, Bargeldsteuer, digitaler Euro, Bargeldverbot) infolge der Negativzinsen ins Angebot gezwungen. Im Verhältnis zwischen Gläubigern und Schuldnern, Leihgebern und Leihnehmern, Eigentümern[+] und Besitzern[+] tritt infolge der Vorzeichenumkehr des Zinses[+] eine Umkehr des Verhältnisses zwischen Privatautonomie[+] und Kontrahierungszwang[+] ein: wenn es den Haltern eigenen Geldes (den Sparern und i.A. der Eigentümer[+] handelnden institutionellen Anlegern) nicht gelingt, Leihnehmer zu finden, die für die Aufbewahrung des Geldes weniger Zins[+] nehmen als die Hausbank oder der aktuelle Vermögensverwalter, dann werden sie es verlieren. Es sind also Verlustängste, die das Geld ins Angebot zwingen. Es findet außerdem ein Paradigmenwechsel statt: Es geht nicht mehr um die Maximierung der Gewinne, sondern um die Minimierung der Verluste. Für mich ist die spannende Frage, welche realwirtschaftliche Dynamik sich daraus entwickeln wird und wie sich die negativen Geldmarktzinsen in Abhängigkeit von der Höhe des Mindestreservesatzes[+] auf die Inflation und auf die anderen Zins[+]arten (Mietzinsen[+], Pachtzinsen[+], Lizenz-, Leih- und Nutzungsgebühren, die Preise für Verfügungsrechte[+] an Sachen im Allgemeinen) auswirken wird, Einträge vom 02.12.20, 05.11.2019 und vom 23.10.2018.

Meine These ist - orthodox begründbar - dass in einem umlaufgesicherten Vollreservesystem[+] mit negativen Zinsen[+] auf Guthaben und bei Krediten auch die Inflation negativ wird, weil Guthaben in Schulden umverteilt werden - stabile Rechtsordnung[+] vorausgesetzt. Die Folgen sind steigende Kaufkraft aller nominal feststehenden Geldbeträge und Einkommen. Der Zins[+] steigt durch die Nachfrage nach Geld und sinkt mit dem Angebot von Geld. Durch die Umlaufsicherung kann die Geldpolitik[+] effektiv transmittieren, so dass der Zins[+]fluss vollkommen umgepolt werden kann.

Welche Rolle spielen dabei Abschreibungen an realem (Sach-) Kapital? Vermögensbegrenzung

Je mehr Geld in Sachkapital umgewandelt wird, desto häher werden natürlich die Abschreibungen. Sind auch Guthabenzinsen negativ, dann sind dadurch Vermögen auf die Summe aus deren Negativzinsen und Abschreibungen in Kombination mit dem NETTO-Jahresüberschuss limitiert. Vermögen sind also infolge der Negativzinsen mathematisch beschränkt, können aber immer noch aufgehäuft werden. Ich habe das hier in einer sehr einfachen Rechnung gerechnet.

[...]

Bei der Auswahl meiner Literatur orientiere ich mich an den Grundlagen der soziologischen Systemtheorie. In Büchern über Theoretische Ökologie finde ich sowohl OLG-Modelle, die ich mir vorher ein bisschen zurecht legen muss, und ich finden mathematische Modelle[+] zur Populationsdynamik, der Interaktion und den Austauschprozesses von Spezies, so wie die Wirtschaftszweige (die Spezies des kapitalistischen Lebensraums, die Organe des Körpers einer Volkswirtschaft, wenn Sie wollen) miteinander interagieren. Wenn die Zinsen[+] negativ sind, dann gibt es keinen künstlichen Parasiten mehr, sondern die ganze Volkswirtschaft wird sich verhalten wie großes Ökosystem[+]. Ich habe z.B. diese Bücher hier:

  1. Theoretische Ökologie: Eine Einführung (Deutsch) Taschenbuch von Christi[+]an Wissel (Autor)
  2. Der Baum der Erkenntnis: Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens von Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela
  3. What is Life? von Erwin Schrödinger[+], 1942.

Ich danke Ihnen für die wertvollen Literaturhinweise. Malthus werde ich meiner Liste hinzufügen. Ich hoffe, dass ich mich klar und verständlich ausgedrückt habe.

Mit freundlichen Grüßen,

Lieber Herr Prof. XY,

ich denke, dass es hier einige Missverständnisse gibt, denn Sie schreiben:

[...]

Ich rede nicht von der Abschaffung des Geldes, wenn ich sage, dass es "tot" ist. Ich meine mit der Aussage, dass es im Hinblick auf die Einordnung aller Dinge in Totes und Lebendiges auf der Seite des Toten steht und ihm also nicht Würde anhaftet, wie die Würde Lebewesen anhaftet. Ich halte das Geld, ganz wie Sie, für ein unverzichtbares sozio-ökonomisches Kommunikationsmedium, das Voraussetzung für die Arbeitsteilung ist.

Es geht mir keinesfalls um die Abschaffung des Geldes!

Auch ich sehe mich von Georg Simmel[+]s 'Philosophie des Geldes[+]' bestätigt. Ich habe mich in meinem Buch deswegen ja auch mit den Schlussworten von "Philosophie des Geldes[+]", wo es um Heraklits Ausspruch panta rhei[+] geht und also um die Grundlagen der Thermodynamik geht, auseinandergesetzt und sehe in Simmel[+] ebenfalls einen Befürworter des Negativzinses. Das entspringt natürlich meiner Interpretation, Eintrag vom 27.07.2018.

Silvio Gesell[+] habe ich erst streckenweise gelesen, um das Prinzip der Unabhängigkeit zu schützen. Denn bevor ich mich so einem Werk aussetze, muss ich mir erst einmal eine eigene Sichtweise zurecht legen, die auf den Fakten basiert. Insofern kann ich Silvio Gesell[+] noch nicht richtig beurteilen.

Marx[+] ist vorgegangen wie ein guter Wissenschaftler. Er hat Beobachtungen gesammelt, eine Terminologie entwickelt, mit der er die Beobachtungen beschreiben konnte und dann eine Theorie darüber gebaut. Die letzten zwei Bände habe ich noch vor mir. Es geht ja aber nicht um Ökonomik. Es geht um Krematistik. Die Worte sind irreführend benannt, denn oikos ist das Haus und nomos das Gesetz. Ökonomik ist aber eben nicht Hausgesetzgebung oder Ökonomie[+], sondern Realwirtschaft und letztlich Marx[+] pur, denn Marx[+] hat das Geld als neutrales Tauschmedium angesehen. Ich kann Silvio Gesell[+]s Kritik an Marx[+] deswegen natürlich nur zustimmen, wenn er schreibt:

„Merkwürdigerweise beginnt übrigens Marx[+] [4] mit seinen Untersuchungen über den Zins[+] gleichfalls beim Geld. Ihm widerfuhr jedoch das Mißgeschick, daß er (trotz der Warnung Proudhon[+]s) am entscheidenden Ort mit einer falschen Voraussetzung begann und genau wie die gewöhnlichen kapitalfreundlichen Zins[+]forscher Geld und Ware als vollkommene Äquivalente [5] behandelte. Durch diesen unglücklichen Mißgriff wurde Marx[+] gleich von Anfang an auf ein falsches Gleis abgetrieben. Marx[+] findet am Geld nichts auszusetzen. So wie wir es von den alten Babyloniern und Israeliten, von den Griechen und Römern übernommen haben, ist das Geld nach Marx[+] ein vollkommenes, tadelloses Tauschmittel, das von Anbeginn seine Aufgabe glänzend erfüllt hat. Daß im Mittel[+]alter wegen Geldmangels Geldwirtschaft und Arbeitsteilung sich nicht entfalten konnten, daß das Zinsverbot[+] der Päpste die Geldwirtschaft aufhob - obschon dieses Zinsverbot[+] doch eigentlich nichts anderes bedeutete, als die gewaltsame Herstellung der von Marx[+] vorausgesetzten Äquivalenz von Geld und Ware das alles kann Marx[+] in seinem Urteil nicht stutzig machen, daß das Geld ein vollkommenes Tauschmittel, ein wirkliches, allseitiges ”Äquivalent” sei. Eine besondere Geldmacht kennt Marx[+] selbstverständlich nicht. Die Ausbeutung der Völker durch die goldene Internationale, durch die Börsen- und Wucherspieler muß Marx[+] verneinen. Börsenraub gibt es nicht, sondern nur ”Prellereien”. Der Börsenräuber bedient sich der List, nicht der Macht. Er ist nur ein Dieb. Raub setzt Macht voraus, und diese haben nicht die Geldleute, nicht die Börsenfürsten, sondern die Besitzer[+] der Produktionsmittel. Kurz, Geld und Ware sind ”Äquivalente”, zu jeder Zeit, an jedem Ort, gleichgültig, ob das Geld in den Händen eines als Selbstverbraucher oder als Kaufmann auftretenden Käufers liegt. Und so spricht er es geradezu aus: ”Daß nun, obschon Gold und Silber nicht von Natur aus Geld, Geld aber von Natur Gold und Silber ist, beweist die Kongruenz seiner Natureigenschaften mit denen seiner Funktionen als Tauschmittel: »Dies Kind, kein Engel ist so rein, Laßt’s eurer Huld empfohlen sein!«" Mit diesem Loblied auf das Gold und die Goldwährung hat Marx[+] die Aufmerksamkeit des Proletariat[+]s vollkommen vom Geld abgelenkt und die Börsenräuber, Wucherspieler, Spitzbuben unmittelbar in den Schutz der besitzlosen Klasse, des Proletariat[+]s gestellt. Und so hat man das traurig-lustige Schauspiel, daß jetzt überall in der Welt ”die Wachen vor Mammons Tempel durch die rote Garde besetzt sind”.

Marx[+] war weitestgehend blind für die Wirkung des Zinses[+]. Das erkennt man an seiner Feindlichkeit Unternehmern gegenüber, denen er einen Ausbeutungscharakter zuschreibt, und an der Verwendung des Begriffs 'Warenfetisch'. Das mag daran liegen, dass in seinem Elterhaus weder über G'tt noch über den Zins[+] gesprochen wurde, so wie es unter Juden und auch unter manchen Christen üblich ist. Auf Facebook habe ich es regelmäßig erlebt, dass mir auf Seiten der Union Menschen verbieten wollten über den Zins[+] zu reden. Luhmann[+] nennt das Schweigen[+] und diese Kastration des Denkens und Sprechens 'Latenz[+]' (Soziale Systeme, Kapitel 8, Struktur und Zeit, Abschnitt XVI). Ich sehe Anzeichen, dass auch Luhmann[+] sich bewusst darüber war, welche Bedeutung der Zins[+] hat, wenn ich mir das Kapital 8 genau anschaue. Nur hat er sich nicht so klar ausgedrückt, dass es für jeden erkennbar war. Dieses Versteckspiel zeigt auch Simmel[+], denn die Schlussworte sind geradezu kryptisch. Ich denke, dass Menschen früher Angst[+] hatten, über den Zins[+] zu reden, weil es damals noch ein unvermeidbares Übel war. Heute ist das natürlich anders. Wir können heute mit entsprechenden Maßnahmen die Zinsen[+] in den negativen Bereich fahren, und das ist ja auch schon lange in Vorbereitung und verkündet (EZB Pressemitteilungen zur Geldpolitik).

Schumpeter[+] hat sich in 'Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung[+]' am Ende des ersten oder am Anfang des zweiten Kapitels ausführlich mit der „kognitiven Kastration” der von Ihnen genannten Ökonomen auseinandergesetzt, die nicht systematisch über den Zins[+] sprachen. Sie haben das Buch sicher vorliegen und kennen diese wichtige Auseinandersetzung. Ihr anschließend definiert Schumpeter[+] seinen Kapitalbegriff, bei dem das Wesentliche ist, dass es zinstragend ist, vermutlich um Anschluss an Band III, Kapitel 23 des Kapitals zu halten.

Diesem Satz von Ihnen, hier:

[...]
muss ich entschieden widersprechen, bzw. ich muss Sie fragen, was Sie mit Stabilität meinen. Wenn Sie Wertstabilität meinen, dann können Sie das nicht allein auf das Geld beziehen, sondern Sie müssen auch den Wert der Güter mitberücksichtigen, der letztlich auf der enthaltenen Arbeitskraft basiert. Das Entscheidende ist die Kaufkraft des Geldes, also das, was man real für eine bestimmte Geldmenge bekommt. Sie kennen ja die Fisher-Gleichung[+]. Sie wissen, dass es auf den Realzins ankommt. Ich habe Ihnen ja in Bezug auf die Inflationserwartung gesagt, dass ich negative Inflation erwarte und also positiven Realzins. Dieser positive Realzins ergeibt sich aber eben aus den negativen Nominalzinsen.

Man wird unter einer Negativzins-Ökonomie[+] real vorsorgen können. Geld wird dazu nur ein Mittel[+] sein. Im Feld zwischen Marktwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft bin ich ganz klar ein Verfechter der Marktwirtschaft[+]. Den Sozialismus[+] sehe ich seit 1990 als gescheitert an. Ich lehne auch Schumpeter[+]s oder Proudhons Entwürfe einer Zentralverwaltungswirtschaft[+] strikt ab, Einträge vom 26.01.2018 und vom 13.12.2019. Das Himmelreich[+] ist eine reine Marktwirtschaft[+] mit einem Nachtwächterstaat[+]. Die Negativzins-Ökonomie[+] ist so etwas wie der feuchte Traum aller „Marktliberalen[+]”, zu denen auch ich mich zähle.

Ich werde Ihr Buch auf meine Liste schreiben.

Ich vermisse in Ihren Texten die Auseinandersetzung mit der Ungleichheit, mit den finanziellen Zwänge[+]n und der eingeschränkten Freiheit[+] der unteren Vermögenschichten. Laut Armutsbericht der Paritätischen Wohlfahrtsverbandes haben wir bei uns 15 Millionen Arme (weniger als 60% des Medianeinkommens). Von denen sind ein Drittel berufstätig. Die Armen haben eine um 11 Jahre verminderte Lebenserwartung. Über die Umverteilung von geldwerten Freiheit[+]en und Zwänge[+]n infolge der Umkehr des Zins[+]vorzeichens trage ich hier vor.

Ich sage es Ihnen ganz klar: Die Negativzins-Ökonomie[+] ist eine marktwirtschaftliche[+] Form der Vermögensbesteuerung, die es uns ermöglicht, den Sozialismus[+] zu vermeiden, den die Linken[+], Teile der SPD und signifikante teile der Grünen anstreben. Ich sehe keine Alternative zu den Negativzinsen, wenn man einen Sozialismus[+] verhindern will. Wir müssen die Marktwirtschaft[+] retten, denn nichts ist intelligenter als ein gut funktionierender Markt! Eine Zentralverwaltung ist hingegen nur so intelligent wie die Führung!

Zum Abschluss etwa Lustiges für Sie, falls Sie es noch nicht kennen: 8 Regeln für den totalen Stillstand in Unternehmen (oder in einer Volkswirtschaft):

Wie man eine Volkswirtschaft oder ein politisches System lahmlegt.

Mit freundlichen Grüßen,

Das Vorzeichen der Inflationsrate und das Zinsvorzeichen

Lieber Herr Prof. XY,

ich bedanke mich recht herzlich dafür, dass ich Ihnen genau nachweisen darf, warum die Negativzinsen für die weit überwiegende Mehrheit (die ärmeren schätzungsweise 85 % in Deutschland) insgesamt mehr Geld, höhere Kaufkraft und finanzielle Freiheit[+]en bringen wird und nur die kleine Minderheit der Reichsten (die restlichen 15 %) nicht von den Negativzinsen profitieren werden. Dieser Nachweis ist dann auch die Begründung dafür, warum wir die Negativzinsen durchsetzen werden.

Wenn ich es auf die elementarste Ebene herunterbreche, unterscheide ich beim Einkommen nur zwei Arten, nämlich

  1. Einkommen aus Arbeit oder Dienstleistung und
  2. Einkommen, die für den Empfänger aus seinem Eigentum[+] an Sachen entstehen (Kapitaleinkommen), inclusive Unternehmensgewinne nach Steuern, Zinsen[+] und Dividende[+]n.

Die Kapitaleinkommen differenziere ich dann noch in zinsartige (passive) Kapitaleinkommen und übrige (aktive) Kapitaleinkommen, wobei ich mit der Unterscheidung passiv/aktiv anzeige, ob der Eigentümer[+] an oder mit seinem Eigentum arbeitet, um das Einkommen zu erzielen. Diese Unterscheidung der Kapitaleinkommen spiegelt sich in der Zugehörigkeit des Empfängers zur Finanz- und Leihwirtschaft (passiv) oder zur Realwirtschaft (aktiv), siehe Artikel über Unterteilung der Wirtschaft in die Realwirtschaft und die Finanz- und Leihwirtschaft. Auch die Dividende[+]n muss man auf diese Weise unterscheiden, denn es gibt solche, die aus Beteiligungen an finanz- und leihwirtschaftlichen Unternehmungen entstehen und andere, die aus Beteiligungen an realwirtschaftlichen Unternehmen entstehen, Eintrag vom 02.12.2020.

Als Realeinkommen (bzw. die reale Kaufkraft des Einkommens) bezeichne ich das reale Kontingent an Gütern, die in Abhängigkeit vom Nennwert des Einkommens (nominaler Lohn, Sold, Rente, Pension,...) und der Güter erwerblich sind. Für die folgenden Überlegungen ist die Feststellung zentral, dass das Realeinkommen nicht nur dann steigt, wenn die Inflation negativ ist, sondern auch, wenn der Nennwert des Einkommens steigt.

Die Entwicklung der Kapitaleinkommen hängt nach ihrer Einteilung in aktiv und passiv unterschiedlich stark von der Geldpolitik[+] ab, was ich im folgenden Artikel näher auseinander genommen habe: Eintrag vom 02.12.2020.

Zins[+]artige (passive) Kapitaleinkommen werden infolge der Negativzins-Ökonomie[+] tendenziell sinken und beim Übergang zum Kommunismus[+] ganz verschwinden, während die Entwicklung aktiver Kaptialeinkommen tendenziell positiv ist, doch eben auch so unverhersehbar wie die Populationszahlen von Spezies in Ökosystemen[+], siehe Eintrag vom .

Nach der Definition des Realeinkommens ist für die Entwicklung der Kaufkraft der Einkommen infolge einer Negativzins-Ökonomie[+] nicht nur der Nennwert des Einkommens wichtig (z.B. die Höhe der Löhne), sondern auch die mathematische Zusammensetzung der Nennwerte der erworbenen Verbrauchs- und Gebrauchsgüter. In dieser elementaren Rechnung für die vollständige Lieferkette der erwerblichen Güter, in der ich die Steuern zunächst vernachlässigt habe, zeige ich, dass sich der Preis des jeweiligen Gutes nur aus drei Teilen zusammensetzt:

  1. Unternehmergewinn (Mehrwert ohne Zins[+]),
  2. Arbeitskosten (Löhne) und
  3. Kapitalkosten (u.a. Fremdkapitalkosten, also Zinsen[+], und Abschreibungen).

Im Hinblick auf die Frage, wie die Inflation entsteht, liefert diese elementare Rechnung zur Hälfte die Erklärung für die beobachtete, über 95 %-ige Korrelation zwischen der Höhe des Zins[+]niveaus und der Höhe der Inflation, siehe auch Eintrag vom 05.11.2019. Denn es muss ja zwei Erklärungsstränge für die Höhe der Inflation geben: einen, der sich auf die Nachfrageseite des Marktes bezieht, und einen, der Inflation auf die Verknappung des Angebots zurückführt.

Ich nenne den ersten "nachfrageseitigen" Erklärungsstrang die „orthodoxe Inflationstheorie”, bei der im Wesentlichen korrelativ, aber eben nicht kausal[+], argumentiert wird, dass die steigenden Preise das Anwachsen der Geldmenge spiegeln, damit Gütermenge und Geldmenge in ein Gleichgewicht kommen können.

Den "angebotsseitige" Erklärungsstrang begründe ich mit dem Kaptialkostenanteil in den Preisen. Die erste Ableitung der Preise nach dem Kreditzins ist positiv, daher die positive Korrelation zwischen Inflationsrate und Zins[+]niveau. Es sind die Fremdkapitalkosten, inclusive Zinsen[+] (Geldmarktzinsen, Mietzinsen[+], Pachtzinsen[+], Lizenz-, Leih- und Nutzungsgebühren), die in den Preisen enthalten sind und bei positivem Zins[+] eben positive Inflation und bei negativem Zins negative Inflation verursachen.

Ich komme nun zur detaillierten Kommentierung Ihrer E-Mail und setze in meiner Argumentation ein umlaufgesichertes Vollreservesystem[+] mit negativen Zinsen[+] auf Guthaben und bei Krediten voraus. Die Frage, wie die Höhe des Mindestreservesatzes[+] die Inflation beeinflusst, kläre ich hier: Eintrag vom 02.12.2020.

[...]
Den Begriff "positiver Realzins" beziehe ich nicht allein auf die Kaufkraftentwicklung von Sparbeträgen, sondern auch auf die Kaufkraftentwicklung nominal feststehender Geldbeträge und Einkommen wie z.B. Tariflöhne, Solde, Renten oder Pensionen. Es ist unstrittig, dass die Kaufkraft nominal feststehender Geldbeträge steigt, wenn die Inflation negativ ist. Sie sehen ja an dieser elementaren Rechnung zur Zusammensetzung von Preisen, dass Arbeitskosten und Unternehmensgewinne mit dem Kapitalkosten konkurrieren. Bei sinkenden Kapitalkosten können c.p. immer die Löhne erhöht werden und gleichzeitig die Absatzpreise gesenkt! Im Ergebnis steigt die Kaufkraft von Arbeitseinkommen. Es müssten also nicht die Löhne gesenkt, sondern sie könnten erhöht werden.

(Positiver) Zinsfluss im kreditfinanzierten Unternehmen.

Ich habe hier näher begründet, warum es sehr wahrscheinlich zu Lohnerhöhungen und damit zu Kaufkraftsteigerungen von Arbeitseinkommen kommen wird, siehe Restrukturierung der Bestimmung in Unternehmen und Betrieben infolge der Negativzinsen. In diesem Artikel habe ich erläutert, wie es infolge der Negativzins-Ökonomie[+] zu einer Vergemeinschaftung von Eigentum[+] und also zu einem Ausgleich der Vermögen kommen wird, siehe Vergemeinschaftung von Kapital[+]

[...]

Nein, Menschen würden sich eher nicht zurückhalten, wenn doch die Zinsen[+] auf Guthaben immer negativer sein werden als die Kreditzinsen, so dass es nicht rational wäre zu warten, dass der Preis weiter sinkt. Die Guthaben werden schneller gammeln als die Preise sinken. Deswegen sind Ihre beiden Aussagen falsch. Ich erinnere Sie daran, dass ich eine Umlaufsicherung vorausgesetzt habe (Bargeldverbot, abwertende Bargeld-Parallelwährung, digitaler Euro, wie von der EZB[+], der BoE, der BoJ und der FED angekündigt).

[...]

Gerade die Gewerkschaften werden die Negativzinsen unterstützen, denn den Negativzinsen zufolge steigen nicht nur die Löhne, sondern auch die Mitbestimmung in den Betrieben (s.o.).

[...]

Es ist auch vollkommmen klar, dass aufgrund der zunehmenden wirtschaftlichen Betätigung, bei der Unternehmensgründungen auf der Grundlage von Fremdkapital mit negativen Kreditzinsen bezuschusst werden, die Nachfrage nach Arbeit und also die Löhne steigen werden. Ich bin mir also der Unterstützung der über 90 % fremdbestimmt Beschäftigten und Lohnabhängigen inclusive der Gewerkschaften sicher.

Details hier am 23.04.2021.

Als „Terrorregime” bezeichne ich hingegen die Herrschaft des Kapitals infolge der positiven Zinsen[+]. Ich stehe Ihnen in diesem Punkt also diametral gegenüber.

[...]

Die große Mehrheit der Sparer, allen voran die Kleinsparer, wird von den Negativzinsen auf Guthaben profitieren, wie ich es Ihnen vorgerechnet habe. Sie werden aufgrund sinkender Ausgaben und steigender Einkommen aus Arbeit gar nicht mehr wissen, wie sie das Geld ausgeben können, so dass gerade die Ärmsten immer mehr zurücklegen werden. Sie können sich auch hier in dieser wirklich elementaren Simulation davon überzeugen, was durch die Umpolung des Zins[+]flusses zu erwarten ist, siehe Beschränktheit des Kapitalismus. Diesen mathematischen Fakten können Sie nicht entkommen. Man muss aber natürlich reinen Wein einschenken. Es wird infolge der Negativzinsen zunehmend unmöglich werden, allein, ohne zu arbeiten, auf der Basis von Einkommen aus Eigentum[+] (passive Kapitaleinkommen) leben zu können. Stattdessen wird man vom Verkauf von Arbeit und Dienstleistung inclusive passive Kapitaleinkommen tendenziell immer besser leben können, wie nachgewiesen.

[Er rät mir dazu, orthodoxe VWL genauer zu studieren.]

Diesen Ratschlag werde ich natürlich befolgen, aber ich werde mich natürlich nicht täuschen lassen.

Ich muss Ihnen leider sagen, dass ich enttäuscht bin, danke Ihnen aber dennoch für Ihre klare Haltung und wünsche Ihnen alles Gute, Herr Prof. XY.

Mit freundlichen Grüßen,

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Querverweise auf 'Zusammenfassung einiger makroökonomischer Folgen einer Negativzins-Ökonomie'